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Wo Philipp Melanchthon einst den Hafer kaufte

Hubert Schade erläutert den Besuchern des Heimatmuseums die Ausstellung, links Pfarrerin i.R. Gisela Jung,
Hubert Schade erläutert den Besuchern des Heimatmuseums die Ausstellung, links Pfarrerin i.R. Gisela Jung, FOTO: Ivonne Kommolk/ikk1
Sonnewalde. Wenn heutzutage ein Promi zum Bäcker geht, mit seinem Hund auf Gassi-Tour ist oder andere profane Dinge tut, wird er meist sofort von kreischenden Fans umringt und zu Selfies genötigt. Als im Jahre 1551 ein "Promi" für zwei Tage in Sonnewalde Halt machte, blieb dies fast unbemerkt. ikk1

Zumindest erschien es nicht in aller Welt als wichtigste aller Nachrichten. Dabei war er einer der bedeutendsten Köpfe, die Deutschland je hervorgebracht hat: Philipp Melanchthon. Bekannt als großer Lehrer Deutschlands, als Reformator von Schulen und Sprache, großer Humanist, Philosoph und Theologe, als Mitstreiter Martin Luthers, reiste er einst auf Visitationstour durch Deutschlands Schulen und Kirchen, erkannte und reagierte auf Missstände und gab Hinweise zur Verbesserung. Er sorgte dafür, dass Latein unterrichtet wurde, dass Schüler nach Alter und Wissenstand in Klassen aufgeteilt wurden und erst die nächsthöhere Klasse erreichten, wenn sie einen bestimmten Wissensstand nachweisen konnten.

Pfarrerin i.R. Gisela Jung hat von ihrem Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater ein kostbares Erbstück erhalten, ein Buch "Notizen von Lucas Lotius zur Grammatik Philipp Melanchthons". Dieses Buch und der Fund einer Quittung mit Unterschrift von Melanchthon für Hafer, den er für seine Pferde kaufte, während er in Sonnewalde vergeblich auf den Grafen wartete, gaben den Ausschlag zu einer faszinierenden Ausstellung im Heimatmuseum.

Eine Vielzahl von Bibeln, auch Bibelcomics oder ein Bibelatlas sind hier ausgestellt, passend mit Bildnissen von Luther und Melanchthon. Museumsleiter Hubert Schade: "Die Bibel war im 16. Jahrhundert das wichtigste Verständigungsmittel. Durch den Buchdruck konnten die Bibeln in hebräisch, griechisch oder latein gedruckt und europaweit verbreitet werden und hatten somit höchste Bedeutung. Wir sind sehr stolz auf unsere Ausstellungsstücke, die wir zum großen Teil unserer Pfarrerin Jung zu verdanken haben. Ich bin dankbar, dass wir die Sparkasse Elbe-Elster und die Partei Die Linke als Sponsoren gewinnen konnten."

Die Ausstellung ist bis Weihnachten an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat zu besichtigen. Auch an Dienst- und Donnerstagen. Besichtigungen durch Schulen sind ausdrücklich erwünscht. Anmeldung: 035323 308 (Anrufbeantworter).