25 Jahre führt Rosemarie Schmidt das Schreibwaren-Center in der Berliner Straße 7, das ihren Namen trägt. Stets an ihrer Seite und gleichfalls immer präsent im Laden sind ebenso lange ihr Mann Helmut und Tochter Sabine Goßling. Das Trio ist aus der Geschäftswelt der Berliner Straße nicht wegzudenken. Kunden wissen die fachliche Kompetenz, mit der sie dort in Sachen Papierwaren, Büro- und Schulbedarf beraten werden, zu schätzen.

Die Geschichte des Ladens aber geht viel weiter zurück. "Vor 126 Jahren hat Richard Jacobza hier, damals war es die Luckauer Vorstadt, Gehöft 286, eine Buchdruckerei gegründet", kennt sich Helmut Schmidt bestens in der Haus- und Stadtgeschichte aus. Er erzählt: "Es wurden vor allem Formulare, die im sich entwickelnden Behördenstaat im Kommen waren, aber auch Ansichtskarten sowie Zeitungen verkauft." Einige aus der Jacobza-Zeit stammenden Finsterwalder Ansichten in Postkarten-Größe hängen bei Schmidt's heute noch im Hausflur. 1937 wurde das Haus mit viel Bauverstand umgebaut. "Das alte Fachwerk wurde erhalten", würdigt Schmidt. Bis 1970 hat Käthe Jacobza das Geschäft noch privat geführt und dann altershalber verkauft. Die HO (Handelsorganisation) führte den Laden weiter und machte Rosemarie Schmidt zur Chefin. Seit 45 Jahren sind sie und der alte Laden in der Berliner Straße nun schon unzertrennlich. Viele Finsterwalder Generationen haben dort Füllfederhalter, Hefte, Kalender und Glückwunschkarten gekauft. "Das Fachgespräch ist heute mehr denn je gewünscht", sagt Rosemarie Schmidt. Ob beim Schulbedarf, bei Formularen, Geschenkartikeln oder Faschingskostümen - im Schreibwaren-Center Schmidt gibt's mittlerweile mit die größte Auswahl in der Stadt. Was nicht vorrätig ist, kann auf Kundenwunsch bestellt werden.

Die Jahre der Selbstständigkeit waren nicht immer leicht. Vor allem der Start 1990 stellte die Verkaufsstellenleiterin vor eine schwierige Herausforderung. Plötzlich stand sie vor der Frage: Auf eigene Kappe weitermachen oder womöglich den Arbeitsplatz verlieren? Noch heute können sich Schmidts in Rage reden, wenn sie an die "Verhandlungen" mit der Treuhand denken. Finanziell war es ein hohes Risiko. Schmidts orderten 1990 beizeiten "Westware" und lockten so die Kunden ins Geschäft. Helmut Schmidt, bis dahin Installateur und Ausbildungsleiter beim Wohnungsbaukombinat (WBK), schulterte die Last mit und steht seiner Frau bis heute im Laden zur Seite. Tochter Sabine Goßling stieg mit ein, als die Kita, in der sie als Erzieherin arbeitete, geschlossen wurde.

Dass sie in Kürze eine große Straßenbaustelle vor der Tür haben werden, beunruhigt sie. Überrascht haben sie den Termin für den Baubeginn aus der Zeitung erfahren. Am vergangenen Donnerstag wurden Baupläne und Zeitabläufe während eines Unternehmertreffens in Finsterwalde detailliert vorgestellt.