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Wo bleibt das Wasser rund um Heinrichsruh?

Finsterwalde.. Das haben Hallmanns in keinem noch so trockenen Sommer erlebt: Ihr Biotop in Heinrichsruh verliert an Wasser, und man kann dabei zusehen. Etwa einen Meter tiefer liegt der Wasserspiegel als vor zwei Wochen. Das Froschkonzert am Abend fällt inzwischen aus, die Fische nehmen kaum noch Futter an. Der Teich droht umzukippen. Doch nicht allein die Hitze und die große Trockenheit sind schuld. Von Dörthe Ziemer

Die Kanalbauarbeiten, die derzeit im Heinrichsruher Weg laufen, etwa 200 Meter vom Grundstück der Hallmanns entfernt, haben eine Absenkung des Grundwasserspiegels erforderlich gemacht. Die wasserrechtliche Genehmigung dafür lag vor. Erst im Nachhinein habe sich gezeigt, so Alfons Sonntag vom kreislichen Umweltamt, dass die Grundwasserabsenkung großflächige Auswirkungen habe. Diese seien nicht auf das Biotop der Familie Hallmann beschränkt. Der Naturhaushalt in dem Gebiet insgesamt droht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Diese vorher nicht absehbare Entwicklung sei u. a. der geomorphologischen Beschaffenheit dieses Gebietes geschuldet. Es befinden sich hier Kohleflöze und entwässernde Schichten, die die Absenkung begünstigten.
Dies hatte auch die Absenkung des Wasserspiegels im Hallmannschen Biotop zur Folge. Beobachtet hat dies auch Hartmut Sewullok, Naturschützer und Feldherpetologe, also einer, der sich mit Kriechtieren gut auskennt. „Das Problem ist die Geschwindigkeit, mit der sich das Wasser absenkt. Hinzu kommen die hohen Temperaturen. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Teich trocken fällt“ , blickt Sewullok voraus. Dann hätten die Erdkröten, die hier Jahr für Jahr laichen, ihr angestammtes Laichgewässer verloren, was ein Absterben der Tiere zur Folge hätte.
Siegfried und Erwin Hallmann verweisen auf zahlreiche andere Tiere und Pflanzen, die hier leben und wachsen, darunter einige vom Aussterben Bedrohte - Krebse, Unken, Teichmolche, Lurche, Teichsalamander, Seerosen, Wasserlilien. Die beiden Brüder hatten das Biotop hier angelegt, nachdem das ihrer Eltern in Bergheide den Kohle baggern zum Opfer gefallen war. An der jetzigen Stelle hatten sie natürliche Quellen entdeckt, den Teich angelegt und viele der Tiere und Pflanzen umgesetzt.
Wie es nun weitergehen soll, wird derzeit geklärt. „Wir haben gestern Nachforderungen an das Bauunternehmen diskutiert und werden das mit einer Verfügung untermauern“ , erklärte Alfons Sonntag gegenüber der RUNDSCHAU. Das Ziel aller Maßnahmen werde die Stabilisierung des Wasserhaushaltes in dem gesamten Gebiet sein, denn nicht nur das Hallmannsche Biotop sei betroffen. Zu schützende Tierarten und Biotope befänden sich überall auf dem Gelände. Folgeschäden in größerem Rahmen seien allerdings nicht zu erwarten.
Ansprüche gegen den Entwässerungsbetrieb der Stadt können Hallmanns nicht geltend machen, wie aus einem Schreiben an die Familie hervorgeht. Die Brüder hatten gefordert, dass der Betrieb Wasser in den Teich einleiten solle.
Wie lange die Bauarbeiten im Heinrichsruher Weg noch dauern werden, sei wegen der „komplizierten geologischen Bedingungen“ , so Dieter Loos vom Entwässerungsbetrieb, nicht vorherzusagen.