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| 17:44 Uhr

Ich kaufe regional - Teil 2
Der feine Unterschied beim Regionalprodukt

Zwei Wochen vor Ostern hat Edeka-Händler Jens Muschter alle Hände voll zu tun: Ein Großteil der Osterprodukte sind bereits in die Regale geräumt, täglich kommen neue hinzu. Bei der Bestellung seines Sortiments achtet Muschter außerdem auf die möglichst regionale Herkunft.
Zwei Wochen vor Ostern hat Edeka-Händler Jens Muschter alle Hände voll zu tun: Ein Großteil der Osterprodukte sind bereits in die Regale geräumt, täglich kommen neue hinzu. Bei der Bestellung seines Sortiments achtet Muschter außerdem auf die möglichst regionale Herkunft. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Finsterwalde. RUNDSCHAU-Reporter im Elbe-Elster-Supermarkt: So nah kommt der heimische Erzeuger den Kunden wirklich. Von Daniel Friedrich und Robert Pötzsch

Egal ob Weihnachten oder Ostern: Für Discounter und Supermärkte gibt es vor den großen Feiertagen immer reichlich zu tun. Kurz vor Ostern müssen besonders viele Eier, Eierfarben und Süßwaren bestellt werden. Und auch das bereits gekochte und bunt bemalte Ei ist immer noch ein Renner. Das bestätigt der Inhaber des Edeka-Marktes in Finsterwalde, Jens Muschter. Eine immer größere Rolle spielen dabei auch regionale Produkte. Diese machen einen wichtigen Teil der Filial-Angebote aus und bieten zudem die Möglichkeit, individuell einzukaufen. „Regionale Produkte liefern einen hohen Wiedererkennungswert für den Verbraucher“, sagt Muschter.

Wenn die Qualität stimmt, so der Filialleiter, nimmt er auch gern Produkte neu in das Sortiment auf. Die seien mitunter etwas teurer als die industriell hergestellten Massenprodukte, stammten jedoch dafür echt aus der Region. Regional bedeutet für ihn dabei ein Umkreis von ungefähr 30 Kilometern – mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das Mineralwasser aus Bad Liebenwerda beispielsweise würde Jens Muschter ebenso als Produkt aus dem näheren Umkreis bezeichnen wie das „Scharfe Gelb“ aus Senftenberg und Öl aus der Kanow-Mühle bei Golßen. Wichtig sei vor allem, dass die Wirtschaft im Umkreis gestärkt werde. So hat der Edeka-Kaufmann Lieferverträge mit zahlreichen Brandenburger Firmen, die Fleisch, Wurst, Gurken und Spirituosen liefern.

Für Heiko Tänzer, den Geschäftsführer des Senftenberger Likörherstellers „Scharfes Gelb“, sind Partnermärkte wie Edeka und Rewe eine wichtige Absatzsäule: „Wir generieren gut 60 Prozent unseres Umsatzes durch den Verkauf in Supermärkten und bei Einzelhändlern.“ Seit vier Jahren setze das Unternehmen auf diese Vertriebsform, die sich inzwischen gut bewährt habe. „Die Märkte sind faire Partner und stellen, bis auf bestimmte Liefermengen, die ich vorhalten muss, keine großen Bedingungen. In Discountern bieten wir unsere Produkte bewusst nicht an, weil wir unsere Ware nicht verramschen wollen“, sagt Tänzer. Dort würden die Preise durch Promo- und Rabatt-Aktionen stärker gedrückt. Genau das erlebte Lutz Tannenläufer, der in Massen einen kleinen Hofladen betreibt. „Ich halte viel von Nachhaltigkeit und verkaufe nur selbst erzeugte Lebensmittel.“ 1997 hat er seinen Laden eröffnet und anfangs seine Erzeugnisse an Großhändler verkauft. Doch als billiges Gemüse aus Osteuropa auch für seine Produkte den Preis drückte, rentierte sich dieses Geschäft nicht mehr. Aus der Not heraus wurde die Idee des Hofladens geboren. Seitdem läuft das Geschäft gut. Von April bis Ende Juni ist er sogar mit Verkaufsständen in der Region präsent und bietet unter anderem Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln an.

Heiko Tänzer, Geschäftsführer bei Scharfes Gelb
Heiko Tänzer, Geschäftsführer bei Scharfes Gelb FOTO: Philipp Grafe .PhilGrafeFotograp / scharfes gelb

Nur eine Nebenrolle spielt der Supermarkt-Verkauf für die Produkte der Kanow-Mühle aus der Nähe von Golßen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die meisten Produkte direkt bei uns in der Mühle verkaufen“, berichtet Geschäftsführer Christian Behrendt. Dennoch scheint sich die Qualität der Öle herumgesprochen zu haben. Denn einst waren es die Supermarkt-Betreiber, die auf den Erzeuger aus dem Unterspreewald zukamen.

Edeka-Leiter Jens Muschter hat über die Jahre gute Erfahrungen mit kleineren und neu gegründeten Unternehmen gemacht, die mit innovativen Ideen an den Start gehen. Letztendlich müsse aber der Verbraucher mit seinem Kaufverhalten entscheiden, ob das Produkt sich gegen andere durchsetzen könne. Das regionale Produktsortiment sei immer auch ein Zusammenspiel mit der Verbraucherorientierung, denn: Was niemand kauft, wird nicht wieder bestellt. Wichtig ist bei neuen Produkten, dass die Qualität stimmt, erklärt Jens Muschter. Um diese zu sichern, gebe es Zertifikate, die nach Prüfung des Produkts und der Produktionsweise vergeben werden. Würden die Anforderungen an ein neues Produkt erfüllt, stehe diesem eine Aufnahme in das Sortiment nichts mehr im Wege.

Kleine Schilder an den Regalen weisen Kunden des Discounters Netto auf die regionale Herkunft der Produkte hin.
Kleine Schilder an den Regalen weisen Kunden des Discounters Netto auf die regionale Herkunft der Produkte hin. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Auch beim Discounter Netto am Langen Damm in Finsterwalde setzt man auf Regionalität. Hier stammen rund ein Drittel der Produkte im Ladenregal von Unternehmen und Zulieferern der Umgebung, sagt Unternehmenssprecherin Damla Güder. Vorrangig werden Produkte aus Brandenburg als regional gekennzeichnet: „Damit möchten wir die regionale Wirtschaft und Infrastruktur stärken“. Wichtig sei dem Discounter besonders die enge Partnerschaft mit den jeweiligen Lieferanten, um Arbeitsplätze sichern zu können. Auch bei Netto sei man grundsätzlich dazu bereit, für Waren aus der Region einen höheren Einkaufspreis zu zahlen. Die Entscheidung, ob sich ein Produkt im Sortiment halte, treffe auch hier der Kunde.

Allerdings müssen gerade bei noch jungen Unternehmen, die frische Ideen verkörpern und neue Produkte anbieten, gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, sagt Sprecherin Damla Güder. So könne nicht jeder seine Gurken aus dem Garten an Netto verkaufen, weil Mengen geliefert werden müssen, die die große Nachfrage decken. Trotzdem stellt sich auch bei Netto stark darauf ein, dass regionale Produkte einfach im Trend liegen. Denn viele Produkte aus der näheren Umgebung werden nachhaltiger produziert als solche, die einen weiteren Weg hinter sich haben, so die Experten. Und schließlich finden sich die Kunden in regionalen Produkten besser wieder. „Gleiche Produkte aus unterschiedlichen Regionen können sich geschmacklich unterscheiden“, erklärt  Netto-Sprecherin Güder. Auch dadurch  könne jeder Kunde individuell einkaufen.

Werbung an der Decke: Der Discounter Netto wirbt mit der regionalen Herkunft seiner Produkte.
Werbung an der Decke: Der Discounter Netto wirbt mit der regionalen Herkunft seiner Produkte. FOTO: Daniel Friedrich / LR