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Berufsausbildung
In Mauritius schätzt man Siebe aus Massen

Ein Dutzend Azubis aus Finsterwalder, Massener und Sonnewalder Metallbetrieben waren beim Siebanlagenbauer Zemmler ganz Ohr, als Marketingchefin Juliane Hagedorn und Produktionsleiter Uwe Taube sie durch die Werkhallen führten.
Ein Dutzend Azubis aus Finsterwalder, Massener und Sonnewalder Metallbetrieben waren beim Siebanlagenbauer Zemmler ganz Ohr, als Marketingchefin Juliane Hagedorn und Produktionsleiter Uwe Taube sie durch die Werkhallen führten. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Die Sache mit der Schraube - wie Erik Handrack von der Azubi-Entdeckertour durch Metallfirmen schwärmt. Von Dieter Babbe

Da hält ein Azubi aus der Fimag, einer Firma in Massen, die Geräte zur Stromerzeugung und Blockheizkraftwerke produziert, eine Schraube in der Hand und fragt seinen Ausbilder: Wie wird die eigentlich hergestellt? „Ich wollte zu einer langen Erklärung ausholen, doch dann kam mir der Gedanke: Wir haben in Finsterwalde ein Werk, das Schrauben herstellt - und auch eins, das Schrauben veredelt, und sogar ein Werk, das Draht zieht, aus dem man Schrauben macht. Das könnte sich unser Azubi alles selbst angucken – und nicht nur er“, erzählt Frank Maser von der Geburt einer Idee. Mit der kam der Ausbilder bei seinem Firmenchef gut an – und der fädelte alles bei einem Unternehmerstammtisch Anfang vorigen Jahres ein: die „Azubi-Entdeckertour“ im Finsterwalder Metallnetzwerk.

Neun Firmen der Metallbranche aus Finsterwalde, Massen und Sonnewalde, die zugleich Ausbildungsbetriebe sind, haben sich zu diesem Netzwerk zusammengeschlossen. Seit dem vorigen Jahr lernen ihre Azubis bei gemeinsamen Entdeckertouren, bei Gesprächen und Rundgängen die Unternehmen kennen und was sie herstellen. „Das kommt bei den jungen Leute sehr gut an“, kann Frank Maser bereits nach sieben Veranstaltungen feststellen.

Dieser Tage stand der Siebanlagenbauer Zemmler, der 2016 die leeren Werkhallen vom insolventen Windturmhersteller SIAG im Massener Gewerbegebiet übernommen hat, auf dem Besuchsprogramm. In nur 18 Jahren ist die Firma von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem Marktführer beim Sieben von Erde, Sand, Kies, Bauabfall, Glas, Schotter, Kohle, Kompost und auch Müll in drei Segmenten – grob, mittel und fein – zu Korngrößen von 2 bis 80 Millimeter aufgestiegen. Aktuell 56 Mitarbeiter produzierten bisher 300 Maschinen, die in Deutschland, aber auch in ganz Europa, in den USA und in Chile, in Korea und Japan und sogar im Inselstaat Mauritius im Indischen Ozean verkauft wurden. „Jede Maschine entsteht genau nach Kundenwunsch und praktisch in Handarbeit wie in einer Manufaktur“, erklärt Juliane Hagedorn, die Marketingchefin – und auch: Ständig werden qualifizierte Facharbeiter, insbesondere aber Konstrukteure gesucht. Denn: Von Jahr zu Jahr steigt die Produktion von Siebanlagen. Zemmler war es am Standort in Großräschen zu eng geworden – und Zemmler wird in Massen gleich neben der Bundesstraße weiter wachsen.

Erik Handrack ist begeistert. Der 19-Jährige erlernt bei Kjellberg in Finsterwalde den Beruf des Elektronikers für Betriebstechnik. „Ich wusste bisher nicht, was genau in den Werkhallen von Zemmler passiert. Ich habe fast an allen Entdeckertouren teilgenommen. Das erweitert meinen Horizont und zeigt auch die Perspektiven, die ich nach meiner Ausbildung in der Region habe“, sagt der junge Mann aus Ruhland – der beim Rundgang viele Fragen stellt.

Nach seiner Lehre will sich Erik Handrack weiter qualifizieren, zum Meister oder sogar zum Studium gehen. Fest steht für ihn jedenfalls: „Ich bleibe beruflich in meiner Heimat!“

Da trifft der junge Mann den Nagel auf den Kopf. „Wegen einer Lehrstelle muss heute, anders noch als vor sechs, sieben Jahren, kein Jugendlicher mehr die Region verlassen“, betont Janett Reichelt von der IHK-Geschäftsstelle in Herzberg. Und auch gute Fachkräfte sind überall gefragt – wobei Ausbilder Frank Maser den Finger in die Wunde legt: „Nicht jeder Schweißer ist auch ein guter Schweißer.“ Kann ein Unternehmen wegen der Auftragslage keinen gut ausgebildeten Facharbeiter übernehmen, wird versucht, ihn in anderen Firmen des Metallnetzwerkes zu vermitteln.

Beim Drahthersteller voestalpine, im Formteile- und Schraubenwerk, beim Metallveredler Galfa, bei den Autoteileproduzenten Böllhoff und Antolin, beim Schweiß- und Schneidspezialisten Kjellberg, beim Energieerzeuger FIMAG und im Lehrzentrum PILZ haben Entdeckertouren bereits stattgefunden. Im März gibt es eine Abschlussveranstaltung. Dann wissen die Azubis aus den Unternehmen der Metallbranche nicht nur eine Antwort auf die Frage, wie eine Schraube entsteht. Sie haben auch erfahren, wie vielfältig Schrauben in den Firmen verwendet werden – und wie die traditionsreiche Metallbranche in der Region Elbe-Elster auch eine Zukunft hat.