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| 14:15 Uhr

Aus der Region – für die Region
„Genuss von hier“ zum Greifen nah

Das Einzelunternehmen soreegio kümmert sich im Rahmen des Modellprojekts Land(auf)schwung um Vermarktungsplattformen für regionale Produkte. Andreas Richter (l.) und Ulrich Wackernagel glauben an den Erfolg.
Das Einzelunternehmen soreegio kümmert sich im Rahmen des Modellprojekts Land(auf)schwung um Vermarktungsplattformen für regionale Produkte. Andreas Richter (l.) und Ulrich Wackernagel glauben an den Erfolg. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde . Auf einen Klick zur leckeren Wurst, dem süßen Brotaufstrich oder dem herzhaften Brot aus der Region – das wird in Kürze in Elbe-Elster geboten. Land(auf)schwung macht’s möglich. Von Heike Lehmann

Andreas Richter und Ulrich Wackernagel behandeln die druckfrischen Plakate wie ein rohes Ei. Bei der Grünen Woche, wo sie am Montag und Dienstag ihre Geschäftsidee vorstellen wollen, sollen sie als Hingucker dienen. Andreas Richter will mit seinem Einzelunternehmen „soreegio“ die guten regionalen Produkte, die es in Elbe-Elster gibt, schneller und auf direktem Weg zum Verbraucher bringen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn: Die Einrichtung einer für Ende 2017 angekündigten Markthalle gestaltet sich schwierig. Schneller geht es mit der „soreegio“-Box, mit der 100 Prozent regionale Produkte dem Kunden ins Haus geliefert werden. Andreas Richter: „Der Versand startet im Februar.“ Erfahrung hat Richter aus seinem Brötchenbringdienst „Morgengold Lausitz“ mit Kunden über Elbe-Elster hinaus, für den er mit der Bäckerei Bubner in Doberlug-Kirchhain kooperiert.

„Soreegio“ ist abgeleitet von „so regional mit dem doppelten E für Elbe-Elster. Stütze und Anschub ist, dass der Landkreis Elbe-Elster seit 2015 als Modellregion Land(auf)schwung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert wird. Dem demografischen Wandel aktiv mit regionaler Wertschöpfung und nachhaltiger Bildung zu begegnen, ist das Ziel. Die Fäden laufen bei der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster mbH (RWFG) zusammen. Geschäftsführer Jens Zwanzig: „Die Vermarktungsplattform für regionale Produkte ist nur ein Baustein. Neu sind auch Wertschöpfungspartnerschaften oder die Zertifizierung von Produkten mit dem Regionalsiegel Elbe-Elster. Mehr als 60 Produkte können damit bereits werben.“ Direkte Partnerschaften gibt es zwischen der Baumschule Saathainer Mühle, dem Kindergarten Kinderland Staupitz und der Hofmosterei Dobra, zwischen der Agrargenossenschaft Stolzenhain und der ASB-Großküche Schönewalde sowie zwischen der Gartenbau Winde und der Evangelischen Grundschule in Tröbitz.

Als Aufgabe benennt Zwanzig auch die Akquise neuer Abnahmepartner regionaler Produkte im Bereich Daseinsvorsorge, also bei Kitas, Schulen, Krankenhäuser, öffentlichen Einrichtungen. Die Stadt Doberlug-Kirchhain profitierte als erste Kommune von der Zusammenarbeit mit der RWFG beim Ausschreibungsverfahren für die Mittagsversorgung in den städtischen Kindereinrichtungen. Von der RWFG entwickelte Kriterien orientieren stark auf regionale Produkte und damit mehr Qualität. Die Stadt Sonnewalde zog nach.

Das ursprünglich bis Juni 2018 laufende Modellvorhaben Land(auf)schwung, wofür dem Landkreis 1,5 Millionen Euro Fördermittel bewilligt wurden und weitestgehend ausgeschöpft sind, ist bis Ende 2019 verlängert. Auch die im Aufbau befindliche Naturerlebnis-Ausstellung des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft im Schloss Doberlug wird gefördert.

Dass ein Logistikunternehmen „den unternehmerischen Mut aufbringt“, sich des Aufbaus einer Vertriebsorganisation regionaler Produkte anzunehmen, freut Zwanzig besonders. „Der Bedarf ist da und wir haben tolle Erzeugnisse“, sagt er. Andreas Richter und Ulrich Wackernagel haben die Bandbreite regionaler Produkte über Elbe-Elster hinaus auf die Lausitz und das südliche Brandenburg erweitert. Bis zum 22. Februar wollen sie mit ihrem Online-Shop am Start sein und dann deutschlandweit liefern. „Potenzielle Kunden sind Leute, die hier zu Besuch waren oder gelebt haben und spezielle Produkte nicht missen wollen“, sagt Andreas Richter.

Für den Versand einer „soreegio“-Box wird es vorerst zwei Liefertage geben. Nach der Bestellung soll die Box am nächsten Nachmittag beim Kunden sein. Neue Arbeitsplätze für Verpackung, Auslieferung und Büro werden geschaffen. Neben der RWFG begleitet die Sparkasse Elbe-Elster das Unternehmen.

„Das Interesse, regional und ernährungsbewusst zu kaufen, ist da“, unterstreicht Andreas Richter. Auch die Bereitschaft, dafür den ein oder anderen Euro mehr auszugeben. Doch müsse, wer das will, momentan weit fahren, um die Erzeugnisse zu erwerben. 60 Lieferanten der Region haben die beiden Herren schon mit ins Boot geholt. „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Produzenten, Lieferanten und Kunden. Wir wollen die Nachfrage anheizen, damit neue Kapazitäten geschaffen werden können“, blickt Richter voraus.

Offene Baustelle bleibt die Markthalle. Schon zwei Standorte im Zentrum von Finsterwalde kamen in die engere Wahl, haben sich aber zerschlagen. „Es gibt ja leere Objekte, aber die meisten sind zu klein. Da kann man keinen Markthallencharakter hineinbringen“, sagen Richter und Wackernagel. Aber sie bleiben dran. Food- und Non-Food-Produkte aus der Region unter einem Dach – das ist ihr großes Ziel.