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Ich kaufe Regional
Einkaufen ohne Stolperfallen

Manfred Liebezeit muss eine Klingel benutzen, wenn er Geschäfte in der Postfiliale am Finsterwalder Markt zu erledigen hat. Im Innern sind mehrere Stufen für den Rollstuhlfahrer unüberwindbar. Aber er sagt: "Das klappt gut, die Mitarbeiter kommen dann raus."
Manfred Liebezeit muss eine Klingel benutzen, wenn er Geschäfte in der Postfiliale am Finsterwalder Markt zu erledigen hat. Im Innern sind mehrere Stufen für den Rollstuhlfahrer unüberwindbar. Aber er sagt: "Das klappt gut, die Mitarbeiter kommen dann raus." FOTO: Feller
Finsterwalde. Kommunen und Händler haben die Menschen im Blick, die nicht (mehr) gut zu Fuß sind. Es gibt immer mehr abgesenkte Borde und ebenerdige Geschäftszugänge. Manfred Feller und Heike Lehmann

Wer gut zu Fuß ist, dem sind abgesenkte Straßenborde, Stufen vor Geschäften und Büros ziemlich egal. Mit dem Kinderwagen, an Gehhilfen, mit dem Rollator, dem Blindenstock oder im Rollstuhl wissen die Betreffenden jede Erleichterung zu schätzen. Auch wenn es noch viel zu tun gibt - in den Städten und Dörfern im Landkreis hat sich mit Millionenaufwand einiges getan. Einfach drauflosbauen, das geht längst nicht mehr. "Bei jeder Baumaßnahme im öffentlichen Raum werden die Belange Behinderter und Älterer berücksichtigt", sagt der Elsterwerdaer Bauamtsleiter Uwe Schaefer. Und auch der Finsterwalder Manfred Liebezeit bestätigt, dass sich viel im Sinne der Rollstuhlfahrer und Geheingeschränkten verändert hat. "Manchmal aber kann man einfach nichts tun, bei den unterkellerten Geschäftshäusern im Stadtzentrum zum Beispiel. Da führen oft ein bis drei Treppenstufen bis in den Laden", sagt er. Manfred Liebezeit sitzt selbst im Rollstuhl und war 20 Jahre Vorsitzender vom Behindertenverband Finsterwalde. Gut erinnert er sich an ihre frühere Rundgänge, bei denen Verantwortlichen von der Stadt wertvolle Hinweise zu Hindernissen und Stolperstellen gegeben wurden. Heute kann er unüberwindbaren Hürden meiden, weil es auch Alternativen gibt. Haare schneiden lässt er in der Südpassage - Einkaufscenter ohne Schwellen. Bei der Post auf dem Markt nutzt er die Klingel, weil im Innern Stufen auf die Kunden lauern. "Aber das geht, da kommt jemand raus", ist Manfred Liebezeit zufrieden.

Annelore Schulz engagiert sich im Sängerstadtmarketingverein in der Arbeitsgruppe Handel für eine bessere Einkaufskultur in Finsterwalde. Sie selbst ist seit fast 25 Jahren Inhaberin vom Geschäft Wäsche & Dessous in der Berliner Straße. Im Frühjahr hat sie Alexandra Müller, "eine sehr engagierte junge Frau", wie sie sagt, neu eingestellt. Noch hat sie eine Baustelle vor der Tür. Neuer Gehweg und neue Straße sind für sie Anlass, die Fassade aufzubessern und eine neue Eingangstür mit einbauen zu lassen. "Etwas breiter, damit Kunden mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen bequemeren Zugang haben", sagt sie. Die eine Stufe wird aber bleiben. "Kein Problem", findet Gabriele Schindler von der Boutique nebenan. Auch deren Kunden würden die neue Tür nutzen.

Sabine Pankrath, seit 15 Jahren Inhaberin vom Modegeschäft "Tragbares" in der Potsdamer Straße von Doberlug-Kirchhain, veranstaltet zweimal im Jahr Modenschauen für ihre Kundschaft. Dazu mietet sie den Saal in der an sich geschlossenen Gaststätte "Zur Sonne". Und im Anschluss kann sofort eingekauft werden. Auch sie sagt: "Die eine Stufe bis in den Laden hat bis jetzt noch jeder geschafft." Und wenn ein Einkauf partout zu beschwerlich wird, kommen die Geschäftsfrauen vertrauensvoll entgegen und geben für die Omi auch mal ein paar Kleidungsstücke mit nach Hause zum Probieren. Nur bezahlt werden muss wieder im Laden.

Zum Thema:
Am kommenden Sonnabend lesen Sie in der RUNDSCHAU-Serie "Ich kaufe regional", was gegen den Laden-Leerstand ge tan wird.