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| 15:26 Uhr

„Wir sind von Wölfen regelrecht umzingelt“

Birkwalde. Vor mehr als zwei Jahren ist dem Jäger Reinhard Bock ein einzigartiger Schnappschuss in seinem Revier gelungen. Mit einer Fotofalle hat der Birkwalder als einer der Ersten zwei Wölfe auf einem Bild "gefangen". Kein Jahr später sichtete er sogar die erste Wolfsfamilie. Jetzt sagt Reinhard Bock: "Wir sind von Wölfen bereits regelrecht umzingelt." Dieter Babbe

Der leidenschaftliche Waidmann hat zwischen Tanneberg und Kleinbahren sein Jagdrevier. Auf 600 Hektar verteilt sind seine zehn Fotofallen aufgestellt, die automatisch ausgelöst werden - egal ob am Tage oder in der Nacht, wenn Waldbewohner in die Reichweite kommen. So kennt sich Reinhard Bock in seinem Revier bestens aus, weiß, welche Tiere hier leben, hat einen seltenen Adler ebenso schon fotografiert, wie das besondere Reh mit einem Schlappohr, das schon seit sieben Jahren im Revier lebt. Doch zunehmend Sorgen macht dem Jäger ein anderes Tier: der Wolf. Jeden Tag unternimmt Reinhard Bock einen Streifzug durchs Revier, kontrolliert dabei auch die Fotofallen - und muss seit einiger Zeit feststellen: "Es vergeht kein Tag mehr, wo nicht ein Wolf auf den Fotos ist - mindestens ein Wolf. Auf manchen Fotos sind sogar zwei, drei oder sogar vier Wölfe zu sehen." Der Jäger ist sich längst sicher: In seinem Revier ist ein ganzes Rudel Wölfe zu Hause.

Dabei hat Reinhard Bock bei der Auswertung der Fotofallen festgestellt, dass die Raubtiere in seinem gesamten Revier vorkommen -"es gibt sogar Tage, da werden Wölfe von mehreren Kameras fotografiert - und das zur gleichen Zeit. Die Wölfe haben sich also nicht schnell bewegt, sondern sie sind überall - und es werden immer mehr."

Dabei beunruhigt den Jäger nicht nur die zunehmende Anzahl der Raubtiere, die zu jeder Tageszeit von seinen Fotofallen fotografiert werden, sondern auch ihr Verhalten. "Von den Tierschützern haben wir immer gehört, dass der Wolf scheu ist und dem Menschen ausweicht. Es wird behauptet, dass es ein großes Glück sein soll, mal einen Wolf zu Gesicht zu bekommen. Solche Glücksfälle kann ich schon gar nicht mehr aufzählen." Bis zu 80 Schritte habe er Isegrim auf einer Wiese bei Tanneberg bereits gegenüber gestanden -"Auge in Auge, ohne dass der Wolf ängstlich weggerannt wäre."

Jüngst hat Reinhard Bock eine Beobachtung gemacht: "Von meinem Ansitz entdecke ich eine Rotte Sauen, von der sich ein Frischling absondert - als plötzlich drei Wölfe auftauchen. Das junge Schwein bemerkt das rechtzeitig und rennt zurück zur Rotte. Ich schieße auf einen Frischling, die Wölfe rennen trotzdem nicht weg. Sie wissen, dass sie vom Menschen nichts zu befürchten haben." Doch längst haben nicht nur Jäger die Bekanntschaft mit Wölfen gemacht, meint Reinhard Bock. So mancher Treckerfahrer, der Mist fährt, konnte die Tiere auf den Feldern bereits beobachten, hat der Jäger erfahren. "Letztens haben mir die Arbeiter von der neuen Siloanlage bei Birkwalde erzählt, dass ein ausgewachsener Wolf zwischen Bauwagen und Radlader seelenruhig hindurchspaziert ist, ohne sich an den Bauleuten zu stören."

Dass die Raubtiere auch in seinem Revier das Rehwild verdrängen, das Rotwild bereits verschwunden ist und die Wildschweinrotten aus Verteidigungsgründen immer größer werden und zunehmend Schaden in der Landwirtschaft anrichten, damit Jäger das Interesse daran verlieren, hohe Pachten für die Jagd zu zahlen und sie aufgeben, davor hat Reinhard Bock schon mehrfach gewarnt. Jetzt geht seine Befürchtung weiter: "Die Wölfe nähern sich ungehemmt den Menschen. Die schlauen Tiere spüren, dass ihnen keine Gefahr droht - weil sie nicht geschossen werden dürfen. Ich will nicht erleben müssen, dass Wölfe irgendwann auch Menschen anfallen."

Zum Thema:
Welchen Einfluss hat der Wolf auf die Wildtiere? Und: Wie können Konflikte vermieden werden, die durch Risse bei Nutztieren entstehen? Ist der Wolf eine Gefahr auch für Menschen? Alles Fragen, die am heutigen Sonnabend in einer Veranstaltung des Naturschutzbundes Brandenburg erörtert werden. Unter der Überschrift "Akzeptanz für den Wolf steigern" finden in der Gaststätte "Alt-Nauendorf" von 10 bis 16 Uhr verschiedene Vorträge statt.