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| 17:45 Uhr

Bewegende Geschichte
„Wir sind Juden aus Breslau"

Gefängnishof Wroclaw: Anita Lasker-Wallfisch mit Workshop-Teilnehmern. Anita Lasker-Wallfisch überlebte Auschwitz und Bergen-Belsen.
Gefängnishof Wroclaw: Anita Lasker-Wallfisch mit Workshop-Teilnehmern. Anita Lasker-Wallfisch überlebte Auschwitz und Bergen-Belsen. FOTO: Karin Kaper Film
Finsterwalde . Der preisgekrönte Kino-Dokumentarfilm wird im Finsterwalder „Weltspiegel“ gezeigt. Von Heike Lehmann

Ein besonderes Kino-Erlebnis steht in der kommenden Woche im Finsterwalder Weltspiegel an. Der preisgekrönte Kino-Dokumentarfilm von den Berliner Regisseuren Karin Kaper und Dirk Szuszies „Wir sind Juden aus Breslau“ bringt am Dienstag, 23. Januar, überlebende Jugendliche und deren Schicksale nach 1933 auf die Leinwand. Anlass ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, von den Vereinten Nationen auf den 27. Januar gelegt.

Deutschland-Premiere hatte der Film Ende 2016 beim Filmfestival in Cottbus. Seitdem wurde er weltweit auf bedeutende Filmfestivals eingeladen.

Die aktuelle Brisanz liegt auf der Hand. Das sagt Regisseur Dirk Szuszies, der in Finsterwalde eine Einführung gibt und anschließend zu einem Filmgespräch einlädt. Er sagt: „Der Film läuft in etwa 150 Städten, unter anderem in Bautzen, Frankfurt (Oder) und Schwerin. In Finsterwalde sind wir, weil wir einen Tipp bekommen, haben, dass das ein gutes Kino ist. Wir sind bekannt als politisch sehr engagierte Dokumentarfilmer. Nationalistische Strömungen in Europa wachsen – auch in Polen gibt es nationalistische Aufmärsche, die den Film beklemmend aktuell machen.“

„Wir sind Juden aus Breslau“ sagen 14 Zeitzeugen, „die zu Hitlers Machtantritt Kinder oder Jugendliche waren und durch glückliche Umstände Überlebende des Holocaust sind“, sagt Dirk Szuszies. Zu ihnen gehören der mit seiner Familie 1938 nach Amerika emigrierte Fritz Stern und Renate Lasker-Wallfisch, als Cellistin eine letzte Mitwirkende des Frauenorchesters von Auschwitz-Birkenau.

Dem Leben insbesondere nach dem Faschismus wird im Film viel Raum gegeben. Der Regisseur: „Neben der finsteren Dramatik und Tragik ist das ein großer Vorteil des Filmes. Jugendliche Zuschauer finden sich wieder. Es drängt sich die Frage auf, was wäre, wenn auch mir das passieren würde.“

Zu den Protagonisten: Sie blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht und diese Heranwachsenden verbindet das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei dem Aufbau Israels mitgewirkt.

Entstanden ist ein „spannend geschnittener Film – kein dröger VHS-Kurs-Film. Die Kinobesucher schlafen nicht ein“, sagt Szuszies. 108 Minuten lang kommen die Zeitzeugen selbst zu Wort. Die Filmemacher verzichten auf jeglichen Kommentar. Einige von ihnen reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen.

Auch Kino-Chef Torsten Siegert freut sich auf die Aufführung samt Regisseur-Gespräch. „So etwas haben wir nicht allzu oft in Finsterwalde. Das ist schon was Besonderes“, sagte er am Montag. Er persönlich schaue sich auch gern im Fernsehen historische Dokumentationen an.

Sowohl die Regisseure Karin Kaper und Dirk Szuszies als auch Torsten Siegert erhoffen sich eine gute Resonanz auf das Filmangebot. „Wir haben bestimmte Zielgruppen in Finsterwalde angesprochen, aber kommen kann natürlich jeder“, sagt Dirk Szuszies.

Sondervorführung, Weltspiegel Finsterwalde, Dienstag, 23. Januar, 19 Uhr, in Anwesenheit des Regisseurs Dirk Szuszies. Reservierungen unter Telefon 03531 2211.

Eine jüdische Schulklasse, 1938 in Breslau.
Eine jüdische Schulklasse, 1938 in Breslau. FOTO: Karin Kaper Film