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"Wir müssen mehr zuspitzen!"

Johannes Wohmann (r.) bestimmte rethorisch und inhaltlich den Wahlkampfauftakt der Liberalen maßgeblich mit - hier im Gespräch mit Kreisparteichefin Carmen Schulz, dem derzeitigen Fraktionsvorsitzenden Ulrich Hartenstein sowie Hannelore Lenhardt und Delf Gerlach (weiter von rechts nach links), die alle für den neuen Kreistag kandidieren werden.
Johannes Wohmann (r.) bestimmte rethorisch und inhaltlich den Wahlkampfauftakt der Liberalen maßgeblich mit - hier im Gespräch mit Kreisparteichefin Carmen Schulz, dem derzeitigen Fraktionsvorsitzenden Ulrich Hartenstein sowie Hannelore Lenhardt und Delf Gerlach (weiter von rechts nach links), die alle für den neuen Kreistag kandidieren werden. FOTO: Dieter Babbe
Herzberg. 80 Mitglieder hat die FDP im Kreis Elbe-Elster nach zahlreichen Austritten nur noch. Und doch will sich die liberale Stimme mehr als bisher Gehör verschaffen. Mit einem wie Johannes Wohmann, dem Alt-Bürgermeister von Finsterwalde, bekannt (von manchen auch gefürchtet) als Mann der scharfen Töne, wird das zweifellos gelingen. Dieter Babbe

Nur vier Jahre hat sich Wohmann, der am 1. April 70 wird, weitgehend politisch Ruhe gegönnt. Als Vorsitzender des kleinen Finsterwalder Ortsverbandes scheint es ihm schwer gefallen zu sein, sich aus der aktuellen Kommunalpolitik herauszuhalten - von seinen Spitzen beim jährlichen Bürgermeisterkegeln, mit denen er einige politische Kontrahenten vergrault hat, mal abgesehen. Doch jetzt hält es den zweifellos erfahrenen Kommunalpolitiker, der fast 20 Jahre die Geschicke der Sängerstadt geleitet hat, nicht mehr auf dem Lehnstuhl. Er will wieder mit- und sich einmischen, auf der Internetseite der Kreis-FDP tut er es längst. Seit Neuestem schießt er hier seine Pfeile auch in Richtung Rathaus. Vom virtuellen Versteck will Wohmann jetzt wieder auf die politische Tribüne - und in den Kreistag.

Und so kritisierte er am Sonnabend bei der FDP-Gesamtmitgliederversammlung in Herzberg sogleich offen und unverblümt die Finsterwalder Stadtpolitik - die es zulasse, dass Teile der Innenstadt zerfallen, während im Tierpark ein Affenhaus mit zwei Gibbons für eine Viertelmillion Euro errichtet werde. Weil dieser "Schwachsinn" so nicht weiter gehen könne, habe er beschlossen, seinen Ruhestand zu beenden. Und die Liberalen im Kreis scheinen froh, einen solchen (Woh-)Mann gefunden zu haben - alle anwesenden Mitglieder (nur eine Stimme war ungültig) hievten ihn auf die Kandidatenliste.

Klares Profil zeigen, sich nicht als Trittbrettfahrer von anderen benutzen lassen, stattdessen Unterschiede zu politischen Mitbewerbern herauskehren - das ist die Devise, die Kreisparteichefin Carmen Schulz für die Liberalen als Auftrag formulierte. Und Johannes Wohmann ergänzte sogleich: "Wir sind als Partei nicht dazu da, uns beliebt zu machen. Wir müssen zuspitzen, statt schönrednerisches Gequatsche zu pflegen, wie andere." Wie weit das in der FDP geht, hat Bodo Broszinski, Bürgermeister in Doberlug-Kirchhain, für sich definiert. Er verfolge interessiert die Äußerungen von Thilo Sarrazin, dem jetzt schreibenden früheren Berliner SPD-Politiker - dessen provokant formulierten und kontroversen Thesen zur Finanz-, Sozial- und Bevölkerungspolitik für Aufsehen und Widerspruch gesorgt haben. Sarrazin spreche "unbequeme Wahrheiten aus, die aber der Realität entsprechen", meinte Broszinski.

Nicht nur rethorisch, auch inhaltlich hat Johannes Wohmann, der sich im Kreistag vor allem für die Kommunen stark und für eine Umverteilung des Geldes zugunsten der Städte und Gemeinden sorgen will, am Sonnabend maßgeblich in die Wahlstrategie der FDP eingegriffen. Er unterstützt nicht nur die Aufhebung des Liqiditätsfonds für überschuldete Gemeinden, damit halte das Land die Kommunen am "goldenen Zügel", auf seinen Antrag hin wird im Wahlprogramm auch eine bessere Finanzausstattung der Kommunen gefordert. Dass die bei steigender Gewerbesteuer mit geringeren Schlüsselzuweisungen bestraft würden, das dürfe es nicht mehr geben, verlangt Wohmann.

15 Kandidatinnen und Kandidaten schicken die Elbe-Elster-Liberalen ins Rennen um die Plätze im Kreistag. Hier ist die FDP bisher mit drei Abgeordneten vertreten, die mit den "Bürgern für Finsterwalde" und der Unabhängigen Wählergemeinschaft derzeit eine fünfköpfige Fraktion bilden. Während der jetzige Fraktionsvorsitzende Ulrich Hartenstein aus Herzberg mit allen 22 Stimmen auf die Kandidatenliste für den neuen Kreistag gesetzt wurde, konnte die Kreisvorsitzende Carmen Schulz nur 14 Ja-Stimmen einsammeln. Auch die Kreistagsabgeordneten Ulrich Jachmann aus Uebigau-Wahrenbrück und Dr. Hans-Peter Jaskulla aus Finsterwalde kandidieren erneut.

Am Ende kamen auch alle anderen Bewerber auf die Kandidatenliste. Das sind Hannelore Lenhardt, Jörg Melchert, Mario Sandmann, alle aus Falkenberg, Delf Gerlach aus Uebigau-Wahrenbrück, Günter Mahling aus Bad Liebenwerda sowie Göran Knösch, Thomas Klaue, Ingolf Rimpel, Katrin Beigel, alle aus Finsterwalde.

Und noch ein personelles Achtungszeichen: Mit Günter Falkenhahn steigt der frühere Chef der Finsterwalder Stadtwerke, der im Streit mit Bürgermeister Jörg Gampe den Stuhl räumen musste, in die Politik ein. Falkenhahn ist dieser Tage 81. FDP-Mitglied geworden, er will mit seinem "wirtschaftlichen Sachverstand", wie es hieß - Falkenhahn war selbst nicht anwesend, für den Kreistag und die Stadtverordnetenversammlung Doberlug-Kirchhain kandidieren.