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Landratswahl in Elbe-Elster: Interview mit Kandidat Peter Drenske
„Wir brauchen kurzfristige Lösungen“

Peter Drenske will in Elbe-Elster Landrat werden. Das Foto zum Interview wünschte er sich vor dem Finsterwalder Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Schröder – mit eingeworfenen Scheiben.
Peter Drenske will in Elbe-Elster Landrat werden. Das Foto zum Interview wünschte er sich vor dem Finsterwalder Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Schröder – mit eingeworfenen Scheiben. FOTO: Heike Lehmann
Schacksdorf. Vor der Landratswahl am 22. April bekennen die Kandidaten Farbe, was sie verändern und für den Landkreis Elbe-Elster erreichen wollen. Heute: Peter Drenske aus Schacksdorf.

Herr Drenske, Sie waren als Politik­neuling für die AfD zur Bundestagswahl im September 2017 angetreten. Jetzt wollen Sie Landrat in Elbe-Elster werden. Warum?

Drenske Ich wollte eigentlich gar nicht und es sollte auch keine AfD-Kandidaten zur Landratswahl geben. Weil eine solche Kandidatur immer Fünf gegen Einen ist.

Was hat Sie umgestimmt?

Drenske . Letzten Anstoß hat eine Äußerung von Ingo Senftleben (CDU-Fraktionsvorsitzender im Brandenburger Landtag/d. LR) gegeben, als er von einem „Flächenbrand im Land Brandenburg“ sprach, den die AfD ausgelöst hätte. Er wollte uns damit ins schlechte Licht rücken.

Wer hat entschieden, dass es AfD-Landratskandidaten geben wird?

Drenske Gemeinsam mit dem  Landesvorsitzenden haben die Kreisvorstände entschieden, dass wir in allen drei südlichen Landkreisen Kandidaten aufstellen werden.

Und deshalb kandidieren Sie?

Drenske Nicht nur. Wir sehen uns natürlich aufgrund des Wahlergebnisses zur Bundestagswahl in der Pflicht und Verantwortung, eine Alternative zu bieten. Wobei Landrat Christian Heinrich-Jaschinski als oberster Verwaltungschef keine schlechte Arbeit geleistet hat.

Musste man Sie deshalb lange überzeugen, gegen den Amtsinhaber anzutreten?

Drenske Nein. Ich bringe ja inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad mit und wollte mich immer für die Region engagieren.

Was wollen Sie anders machen als der jetzige Landrat?

Drenske Wir sehen, dass er nicht frei in seinen Entscheidungen ist. Er ist CDU-gesteuert. Es gibt einen Fraktionszwang, eine Parteihierarchie auch auf Kreisebene.

Wäre das bei der AfD anders?

Drenske Das ist es, was viele an der Politik bemängeln, dass entgegen der Basis entschieden wird.

Was würden Sie inhaltlich anders machen?

Drenske Es werden zu viele Probleme von der Politik ignoriert oder bagatellisiert. Beispiele sind die Übergriffe von und unter Flüchtlingen in Cottbus und Doberlug-Kirchhain, die man zu lange geduldet hat.

Wenn Sie als Landrat gewählt werden, müssen Sie sich auch um Flüchtlinge und Ausländer, die in Elbe-Elster leben, kümmern. Wäre das dann ein Problem für Sie?

Drenske Nein. Wir haben in Deutschland eine Aufnahmepflicht für Flüchtlinge, nicht aber für Kriminelle oder Terroristen. Ich bin für konsequentere Entscheidungen auch auf Kreisebene. Bei einem Hartz IV-Antrag muss der Antrag­steller „die Hosen runterlassen“. Den ohne Papiere einreisenden Asylbewerbern werfen wir dagegen jede Legitimation nach. Aber: Jeder, der einen anerkannten Asylstatus hat, muss gleichbehandelt werden. Als Landrat habe ich die Verpflichtung, Leuten, die Schutz brauchen, hier auch Schutz zu gewähren.

Eine Kreisverwaltung zu leiten, ist kein einfacher Job. Müssen Sie dann noch mal auf die Schulbank, sollten Sie gewählt werden?

Drenske Ich habe zwar einen Studienabschluss vorzuweisen, das legitimiert aber nicht als Landrat. Und wir machen intern bei der AfD schon kommunale Schulungen – auch mit dem Blick auf die Kommunalwahlen im Jahr 2019, weil wir in alle Kreistage einziehen wollen.

Worauf gründet sich Ihr Optimismus, dass Sie die Wahl gewinnen können?

Drenske Wir sehen ein unheimliches Wählerpotenzial, weil viele mit den strukturellen Gegebenheiten in Elbe-Elster nicht zufrieden sind.

Was passt nicht zusammen?

Drenske Gerade im produzierenden Gewerbe, die wertschöpfenden Betriebe, die das Bruttosozialprodukt erarbeiten, sind massiv zurückgegangen. Großinvestoren sind keine gekommen. Der Dienstleistungssektor hat sich dagegen positiv entwickelt. Aber: Nur was ich einnehme, kann ich auch ausgeben.

Wo muss man gegensteuern und wie würden Sie das angehen?

Drenske Das Handwerk, klein- und mittelständische Betriebe brauchen Unterstützung. Es fehlt an Firmennachfolgern. Die Handwerkerausbildung ist für viele Jugendliche unattraktiv. Was spricht dagegen, das wieder attraktiv zu machen, das Handwerk, die Ausbildung im Handwerk zu fördern? Die Berufsorientierung in der Schule muss in diese Richtung verstärkt werden. Da ist auch eine Sonderförderung denkbar.

Was muss sich an der praktizierten Berufsorientierung ändern?

Drenske Sie muss mit der 7. Klasse beginnen und die Kinder auf die spätere Arbeit vorbereiten. Der Unterrichtstag in der Produktion (UTP) zu DDR-Zeiten war doch toll. Stattdessen schicken wir heute alle Kinder aufs Gymnasium. Wir haben so viele geschickte Kinder, denen wir den Einblick nicht ermöglichen. Diese Wertigkeit für das Handwerk müssen wir in der Schule vermitteln. Ich bin bis heute stolz, dass ich Fleischer bin.

Kann man so die Jugend in der Region halten?

Drenske Junge Leute haben wenig Heimatverbundenheit. Das ist Folge der veränderten Form des Zusammenlebens. Junge Leute dürfen gar nicht erst weggehen. Man muss ihnen hier eine Perspektive bieten. Es kann aber nicht jeder in die Verwaltung oder zur Bank. Arbeit muss wieder attraktiv werden. Dafür muss man zusätzliche Anreize schaffen.

Was läuft gut in Elbe-Elster?

Drenske Die spezielle Förderung für Medizinstudenten. So etwas wäre für mich auch denkbar für Hebammen. Auch medizinische Zentren mit angestellten Ärzten halte ich für eine gute Lösung. Vom Landkreis wurden viele Sachen gut angedacht und viele Projekte angeschoben. Aber der Strukturwandel Lausitz kostet viel Geld. Die Verantwortlichen klopfen sich gegenseitig auf die Schulter, erzielen aber keine wirtschaftlichen Effekte.

Wo sehen Sie die Chancen von Elbe-Elster beim Strukturwandel?

Drenske Wir haben viel Potenzial in Sachen alternative Energie, aber keine wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die Wertschöpfung fehlt. Dafür muss das Potenzial der kleineren Betriebe und Handwerker, die sich wegen der steuerlichen Belastung kaum noch Mitarbeiter leisten, aktiviert werden. Mit der IHK und Handwerkskammer müssen hier gemeinsam Wege gefunden werden, damit sich aus Kleinbetrieben gesunde, mittelständische Betriebe entwickeln. Eine engere Verzahnung würde einen Mehrwert für Universität, Ausbildung und Handwerksbetrieb bringen.

Was kann Politik dazu beitragen?

Drenske Die Kommunen im Osten hängen nur am Tropf. Bund und Land agieren lediglich als Umverteiler. Das bremst aus. Den Kommunen und dem Landkreis muss mehr Handlungsspielraum in Bezug auf eigene Steuereinnahmen eingeräumt werden.

Der Landkreis Elbe-Elster ist ländlich geprägt. Eine Herausforderung für Infrastruktur und ÖPNV. Welche Konzepte hätten Sie dafür?

Drenske Ein 30-/40-Mann-Bus muss nicht pendeln, wenn keiner mitfährt. Sinnvoll sind Kleinbusse und Rufbusse. Außerdem sind Kinder bei uns täglich bis zu zwei bis drei Stunden unterwegs, um zur Schule zu kommen. Ein kluger Mann hat mal gesagt „Kurze Beine – kurze Wege“. Ich bin für einzügige Grundschulen.

Halten Sie den Landkreis Elbe-Elster, wie er jetzt besteht, für zukunftsfähig?

Drenske Ja, er ist tragfähig – verwaltungstechnisch vielleicht nicht optimal, nehmen wir nur das Finanzamt, das nach Calau gezogen ist. Aber getreu dem Motto, was wir selber machen können, können wir am besten machen, halte ich große Strukturen für unüberschaubar. Wenn Leute mit Verständnis für die Region agieren, dann klappt das. Bestes Beispiel: Die Stadtwerke Finsterwalde, die ein hervorragendes Glasfasernetz begonnen haben.

Wo sehen Sie die größte Baustelle im Landkreis Elbe-Elster?

Drenske Es wurden viele öffentliche Aufgaben vernachlässigt. Hochwasserschutz, Straßenbau. Wir haben ein wunderbares Radwegenetz, aber die Instandhaltung schleift. Kurzfristige Lösungen müssen her. Es dauert alles viel zu lange. Im karitativen Bereich wird viel auf freiwillige und ehrenamtliche Arbeit gesetzt. Andererseits haben wir viel Hartz IV-Empfänger, die man in gemeinnützige Projekte, die der Allgemeinheit zugute kommen, stecken könnte – zur Deich- oder Radwegesanierung beispielsweise. Die Personalnot in Kitas und im Pflegebereich könnte mit Hilfskräften – Fahrdienst für Rollstuhlfahrer oder Küchenhilfe – entschärft werden. Die Leute brauchen Arbeit, um sich gebraucht zu fühlen. Das führt zu Leistungsbereitschaft und Selbstbestätigung.

Welche Vision haben Sie für Elbe-Elster?

Drenske Wieder eine Geburtenstation in Finsterwalde und Elbe Elster wieder als sicherster Landkreis.

Mit Peter Drenske
sprach Heike Lehmann.

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