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Willkommen bei den Hartmanns

Potsdam. Seine Zukunft sieht Franz Löschke zwar nicht in Finsterwalde. Am kommenden Freitag ist der Triathlet aber trotzdem wieder zu Gast in seiner Heimatstadt – und kündigt auch gleich einen neuen Rekord an. Steven Wiesner

Franz Löschke ist ein geschäftiger Mann und nur schwer an die Strippe zu bekommen. Der Alltag eines Profi-Triathleten ist komplex und kein Zuckerschlecken. Heute ist er in den frühen Morgenstunden aufgestanden, um um 7.30 Uhr fünf Kilometer zu schwimmen. Nach seinen Verpflichtungen als Nachwuchstrainer hat er sich um 16 Uhr noch mal drei Stunden aufs Rad gesetzt. So oder so ähnlich sehen viele Tage aus im Leben des 28-Jährigen. Eine realistische Chance, mit ihm zu sprechen, hat man eigentlich erst ab 19, 20 Uhr - und selbst dann hat er noch nicht Feierabend. "Ich mache mir gerade was zu essen", sagt er in freundlichem Ton. "Aber wenn ich das Headset aufsetze, kann es losgehen." Multitasking.

Die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, ist ja auch genau sein Thema. Schwimmen, Radfahren, Laufen. Franz Löschke lässt dabei so viel Begabung und Aufopferung erkennen, dass er sich zu den besten Ausdauersportlern der Republik zählen darf. Acht Deutsche Meistertitel, ein U 23-Weltmeister- und ein Mix-Team-Weltmeistertitel zieren seine Autogrammkarte. Daran war noch nicht zu denken, als er 1996 bei Neptun Finsterwalde mit dem Vereinsschwimmen begann. Der 1,92-Meter-Hüne, den sie "Zwerg" nennen, hat gute Erinnerungen an seine Anfänge und auch noch Kontakt zu alten Weggefährten. Weihnachten gibt es traditionell Treffen mit alten Trainingskameraden und Übungsleitern wie Gudrun und Jürgen Hartmann, die die Grundlagen für spätere Erfolge gelegt haben.

"Ich bin gerne in Finsterwalde, das ist der Ort, wo ich herkomme", sagt Löschke. Seine Heimat aber hat er ähnlich wie Bruder Paul, der mittlerweile im Allgäu lebt und Franz' "rechte Hand" in Sachen Organisation und Sponsoring geworden ist, woanders gefunden. Und zwar im anderthalb Autostunden entfernten Potsdam, wo er nun schon seit mehr als zehn Jahren zu Hause ist, an seinem Sporttherapie-Studium tüftelt und in der Triathletin Suse Werner im Übrigen noch eine Verbündete aus der Lausitzer Heimat hat. Löschke: "Wenn ich eine Familie gründe, dann werde ich das in Potsdam tun, weil es mir hier einfach so gut gefällt."

Am Freitag aber werden ihn die Hartmanns und andere Finsterwalder wieder willkommen heißen, wenn Löschke bei den Kreismeisterschaften im 10 000-Meter-Lauf an den Start geht. Verletzungen, die ihn vor einem Jahr um die Olympia-Teilnahme in Rio brachten, haben ihn eigentlich gelehrt, mit Kampfansagen und langfristigen Plänen hinter den Berg zu halten. Doch einen kleinen Vorboten kann er sich nicht verkneifen. "Am Freitag wird der Rekord auf jeden Fall fallen. Wenn ich gut drauf bin, vielleicht sogar um zwei Minuten." Ansonsten freut er sich, einfach wieder mit bekannten Menschen "ins Schwatzen zu kommen".

Übrigens: Wir sollten nun auflegen, das Interview beenden. Franz Löschke hat schließlich Hunger.