| 07:50 Uhr

Bombenfund
Wieder Granatenfund im Finsterwalder Tierpark

Sprengmeister Enrico Schnick: An nur knapp zwei Tagen 150 Kilogramm Munition im Tierpark gefunden.
Sprengmeister Enrico Schnick: An nur knapp zwei Tagen 150 Kilogramm Munition im Tierpark gefunden. FOTO: Dieter Babbe / Babbe Dieter
Finsterwalde. Auf dem Gelände des Finsterwalder Tierparks sind erneut erhebliche Mengen Kriegsmunition gefunden worden. Bei Zaunarbeiten am Wirtschaftseingangs stießen Mitarbeiter zufällig auf die gefährlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges. Daraufhin ist sofort der Kampfmittelbeseitigungsdienst informiert worden, der einen Suchtrupp beauftragt hat, das Areal mit Sensoren abzusuchen. Von Dieter Babbe

"Gleich bei der ersten Suche in dieser Woche sind am Zaun fünf komplette Granaten zum Vorschein gekommen", erklärte Sprengmeister Enrico Schnick gegenüber der RUNDSCHAU. An knapp zwei Tagen haben die Munitionsberger unter der Regie von Truppführer Sven Emmerich insgesamt 150 Kilogramm Munition entdeckt und geborgen, darunter auch scharfe. Die ist gestern in etliche Kisten verpackt zur Entsorgung gebracht worden.

"Wahrscheinleich liegt hier noch viel mehr im Boden", vermutet Sprengmeister Enrico Schnick. In den nächsten Tagen wird ein Areal von etwa einem Hektar weiter systematisch abgesucht. Die Zaunarbeiten sollen in Begleitung des Suchtrupps fortgesetzt werden. Auf den Besucherverkehr im Tierpark habe der erneute Munitionsfund zunächst keine Auswirkungen, sagt Tierparkleiter Torsten Heitmann - "jedenfalls solange es nicht zu einer Sprengung kommt".

Bei den gefundenen Granaten und Teilen davon handelt es sich wieder um Bestände der deutschen Wehrmacht. Die stammten aus einem Munitionsdepot, das sich in unmittelbarer Nähe des heutigen Tierparks befand und von wo aus die Ostfront versorgt wurde. "Wir wissen zum Beispiel, dass die Festung Breslau per Flugzeug mit Munition aus Finsterwalde beliefert wurde", sagt Enrico Schnick. Als im April 1945 die Sowjetarmee das Depot entdeckt hat, von dem nicht bekannt ist, wieviele Granaten, Bomben und Waffen sich hier zum Kriegsende befunden haben, ist die Munition in der nahen Bürgerheide abgekippt und meist nur notdürftig mit Erde abgedeckt worden. "Weil zuvor nicht alle Granaten und Bomben gesprengt worden sind, sind die Funde heute so gefährlich", sagt der Sprengmeister. Oft befindet sich der Sprengstoff TNT in den verrosteten Metallgeschossen, "wenn man hier hart gegenschlägt oder Feuer drankommt, wie etwa bei Waldbränden, kann das Geschoss explodieren. Die Sprengkraft reicht, um einen großen Krater in den Boden zu reißen und einen Menschen zu töten", wird bei Munitionsfunden im Tierpark immer wieder gewarnt.

Im Jahre 2010 glaubte man bereits, dass nach einer monatelangen Absuche der Tierpark "munitionsfrei" sei. Mehr als 7,5 Tonnen, darunter 566 Granaten, oft noch mit gefährlichen Zündern bestückt, sind im Tierpark, aber auch im angrenzenden Stadtwald zusammengekommen. Für die Entsorgung musste das Land eine Viertelmillion Euro bezahlen. Wie lange die Suchaktion diesmal dauert, weiß Enrico Schnick nicht - "wir bleiben, bis wir nichts mehr finden".

Beobachtet wurde die Suchaktion im Finsterwalder Tierpark am Donnerstag von einem Filmteam von National Geographic, das einen Dokumentarfilm über Bombenfunde in Brandenburg dreht. Von Finsterwalde aus begleiteten die Filmleute Sprengmeister Enrico Schnick nach Bahren an der Neiße, wo eine russische Bombe entschärft werden sollte, und nach Schwarzheide, wo mitten in der Stadt eine Bombe in einer Straße vermutet wird.