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| 14:10 Uhr

Akkurat oder aufgekrempelt? Kleiderordnung hinterfragt
Wie zugeknöpft arbeitet man bei 38 Grad?

Elbe-Elster. Für den Dienstag sind extreme 38 Grad im Schatten prognostiziert. Wie leger darf es da in Amtsstuben, Institutionen und der Müllabfuhr kleidungstechnisch zugehen? Die RUNDSCHAU hat sich umgehört. Von Heike Lehmann und Birgit Rudow

In der Stadtverwaltung Finsterwalde gibt es keine festgeschriebenen Kleidungsvorschriften. „Ungeschriebenes Gesetz ist aber, dass ab der Ebene Abteilungsleiter alle lange Hosen tragen und die Frauen nicht schulterfrei arbeiten“, sagt Stadtsprecherin Paula Vogel. Die dicken Schlossmauern würden zum Glück viel Hitze abhalten. Und wie zugeknöpft müssen Politessen ihren Dienst versehen? Sie haben als Mitarbeiterinnen im Außendienst der Jahreszeit angepasste Winter- und Sommerkleidung. Jetzt tragen sie Polo-Shirts. „Ob sie in diesen Tagen dabei ein oder zwei Knöpfe aufmachen, ist ihnen freigestellt“, sagt Paula Vogel.

Ein Landrat muss natürlich immer akkurat gekleidet sein im Anzug und mit Krawatte. Gilt das aber auch bei 38 Grad im Schatten, Herr Heinrich-Jaschinski? „Als Landrat bin ich in diesen Hitzetagen sicher im Vorteil. Mein Büro lässt sich angenehm klimatisieren. Das Gleiche gilt für die Fahrt in meinem Dienstwagen zu Außenterminen. Und sollte sich der Aufenthalt im Freien nicht vermeiden lassen, dann verzichte ich momentan bei diesen Schweißtemperaturen, wo immer das geht, auf Jackett und Krawatte, die bleiben dann im Auto“, sagt er.

Fast nur im Freien arbeiten die Kollegen der Müllabfuhr. Wie bei der Firma Remondis in Herzberg zu erfahren war, müssen die Müllmänner 80 Prozent ihres Körpers mit Schutzkleidung bedecken, damit sie im Straßenverkehr ausreichend wahrgenommen werden. Lange Latzhose mit Leuchtstreifen und T-Shirt sind Pflicht. Die Hosenbeine dürfen nicht einfach mal schnell hochgekrempelt werden. Bei diesen Temperaturen hinter dem Fahrzeug herzulaufen und die schweren Tonnen an und wieder weg zu karren, ist wirklich schweißtreibend und anstrengend.

Kurze Hosen gibt es auch bei der Polizei nicht. Hier schreibt die Bekleidungsordnung genau vor, was getragen werden darf. Je nach Witterung stehen den Polizisten verschiedene Uniformteile zur Verfügung. „Bei sommerlichen Temperaturen sind das normale Schuhe, Socken, lange Hose, kurzes Hemd und unter Umständen auch noch die persönliche Schutzausrüstung“, fasst Polizeihauptkommissar Ringo Konrad, Leiter des Herzberger Polizeireviers, zusammen. Die Polizeifahrzeuge sind mit Klimaanlage ausgerüstet. Aber bei der Aufnahme eines Unfalls zum Beispiel stundenlang in der Sonne zu stehen, kann auch schon mal unerträglich werden, sagt der Polizist. Ringo Konrad will aber nicht jammern. „Andere Berufsgruppen wie Bauarbeiter oder Dachdecker sind bei solcher Hitze noch schlimmer dran“, so der Polizeihauptkommissar.