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| 17:46 Uhr

Finsterwalde
Wie weiter mit der Stadthalle?

Diese sogenannte Axonometrie zeigt das Ensemble der Finsterwalder Stadthalle. Es ist weiter unklar, ob und wie das Projekt realisiert wird.
Diese sogenannte Axonometrie zeigt das Ensemble der Finsterwalder Stadthalle. Es ist weiter unklar, ob und wie das Projekt realisiert wird. FOTO: Habermann Architekten
Finsterwalde. Die Spannung wächst. Eine Stadthalle für Finsterwalde ist noch immer nicht in trockenen Tüchern. Jetzt hat Bürgermeister Jörg Gampe die Fraktionsspitzen zum Gespräch eingeladen. Von Gabi Böttcher

Der am 5. Juni vom Verwaltungschef der Sängerstadt ausgesprochene Planungsstopp ist nicht aufgehoben. Das Ergebnis der baufachlichen Prüfung der Projektunterlagen in Potsdam wird noch erwartet – damit verbunden eine Aussage über mögliche weitere Fördermittel. Die RUNDSCHAU hörte sich unter den Fraktionsvorsitzenden und fraktionslosen Abgeordneten um, die zum Gespräch mit der Verwaltungsspitze eingeladen sind. Grundtenor: Die Stadthalle muss gebaut werden. Der in der Sommerpause aus Doberlug-Kirchhain laut gewordene Vorschlag, die dortige Mehrzweckhalle zur Stadthalle für die Sängerstadtregion umzubauen, wird abgelehnt.

Stadtverordnetenvorsteher Andreas Holfeld (CDU): „Der Förderverein sammelt weiter für den Flügel und wirbt für sein Benefizkonzert. Wir können die Mehrheit der Bürger, die sich für eine Stadthalle ausgesprochen haben, nicht vor den Kopf stoßen.“ Er räumt ein, mit gemischten Gefühlen in die Beratung zu gehen. Andreas Holfeld erwartet einen Sachstandsbericht. Er wisse, dass man in der Verwaltung über den Sommer nicht untätig war. CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Zimniak: „Ich erwarte umfangreiche Informationen zum jetzigen Stand und zum weiteren Werdegang aus Sicht der Verwaltung und hoffe auf sachliche und zielführende Gespräche mit allen Beteiligten.“ Nicht zum Kreise der Beteiligten gehört offenbar der federführende Architekt Jürgen Habermann, der vom Bürgermeister nicht zum Gespräch eingeladen wurde.

Ronny Zierenberg, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Finsterwalde: „Es ist zu hoffen, dass mit der Märchenstunde Schluss ist und nun realistische Zahlen für den Bau vorgelegt werden.“ Zierenberg fordert, dass unabhängig von der im Herbst zu erwartenden Entscheidung des Landes bezüglich der Fördermittel schon Berechnungen zu dem dann erhöhten jährlichen Aufwand, zum Beispiel mit Blick auf die Abschreibungen, erfolgen. „Daraus wird man ableiten können, ob eine Umsetzung überhaupt noch sinnvoll ist“, spitzt er seine Betrachtung zu. In jedem Falle müsse „der Bürger nun konsequent und transparent über die Entwicklungen informiert werden“. Manfred Schäfer (Einzelkandidat) erwartet nach wie vor, „dass sich die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung für den Bau der Stadthalle ausspricht“. Er werde jedenfalls dafür kämpfen. „Wir können und dürfen den Willen des Bürgers im Bürgerentscheid nicht ignorieren. Allerdings müssen wir wie jeder vernünftige Kaufmann nur das investieren, was wir uns leisten können“, sagt der ehemalige Banker und gesteht, dass er für sich diesen Knackpunkt sieht: „Wie können Stadtverordnete auf der Basis von veralteten Bilanzzahlen aus dem Jahre 2011 hier seriös eine Entscheidung treffen?“ Er stellt sogar die Frage, warum nicht wie in Amerika ein Schadensersatzprozess gegen „die zwei Damen, die durch ihre Hinhaltetaktik dazu beigetragen haben, dass dieses Vorhaben erst jetzt mit Preissteigerungen von einem Drittel umgesetzt werden kann“, auch in Deutschland möglich sei.

Udo Linde, der Fraktionsvorsitzende der Linken/B 90-Grüne, ist alles andere als erfreut über die Tatsache, dass der Planungsstopp vom Bürgermeister ausgesprochen wurde, ohne die Abgeordneten vorab in diese Entscheidung einzubeziehen. In jedem Falle sei das Bürgervotum zur Stadthalle für ihn maßgeblich. Für das Gespräch mit der Verwaltung habe er einen umfangreichen Fragenkatalog.

Den hat auch das fraktionslose Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Olaf Wildau (FDP). „Ich kann noch keine Tendenz ausmachen. Ich bin gespannt, welche Entwicklung es inzwischen gibt. Ich sehe den Bürgermeister als glühenden Verfechter einer Stadthalle und respektiere gleichzeitig den von ihm ausgesprochenen Planungsstopp. Der fiel ihm sicher nicht leicht.“

Nachdem auch Hannelore Elmer als Fraktionsvorsitzende der SPD den von ihr maßgeblich mit durchgesetzten Bürgerentscheid zur Stadthalle in dessen Ergebnis zur Grundlage nimmt, erwartet sie noch viele Informationen und Gespräche. – Von Aussagen zu den in der Stadthalle vorgesehenen Veranstaltungen bis hin zu eventuell notwendigen Kreditaufnahmen. An einer hochwertigen Qualität der Ausführung entsprechend den Funktionen der Stadthalle möchte sie indes festhalten.

Aus dem Rathaus verlautet zum Ziel des Treffens am Donnerstag: „Es handelt sich um ein ergebnisoffenes Arbeitsgespräch, bei dem aktuelle Themen und Sachstände besprochen werden.“