| 10:24 Uhr

Wie Golo Mann nach Finsterwalde kommt

Golo Mann an der Tür des Hauses am Zürichsee, in dem die Familie 40 Jahre lang lebte.
Golo Mann an der Tür des Hauses am Zürichsee, in dem die Familie 40 Jahre lang lebte. FOTO: Thomas-Mann-Archiv
Finsterwalde. Seit 15 Jahren beteiligt sich das Kaufmannshaus „Ad. Bauer's Wwe.“ in Finsterwalde bereits am europaweiten „Tag des offenen Denkmals“ und eben solange finden die „Finsterwalder Stadtgespräche“ an gleicher Stelle statt. Zum diesjährigen Denkmaltag am 13. September will Familie Schiller, Besitzer des prachtvollen Jugendstilhauses in der Kleinen Ringstraße, eine neue Dauerausstellung eröffnen. Dieter Babbe

"Bekanntermaßen hat Finsterwalde eine große Vielzahl erhaltenswerter und interessanter Denkmale", sagt Sebastian Schiller. "Um ihnen die gebührende Beachtung zu schenken und dabei auch Verborgenes zu entdecken, schlugen wir im Februar 2000 in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Johannes Wohmann vor, dass sich Finsterwalde erstmals am Denkmaltag beteiligt."

Und weiter: "Zahlreiche Gespräche hatten uns im Vorfeld dazu ermutigt. Insbesondere war ein großes Interesse festzustellen, endlich einmal Denkmäler besichtigen zu können, die sonst für die Allgemeinheit verborgen sind. Hierbei fallen uns zum Beispiel der Kirchturm der St. Trinitatiskirche, das Schloss und dessen Archive oder auch der Wasserturm ein", regte Sebastian Schiller an.

Gleichzeitig bot er selbst Führungen im alten Warenspeicher von "Ad. Bauer's Wwe." an. Erst zwei Jahre zuvor war dort durch einen Zufall eine alte Ladentheke im Jugendstil gefunden worden.

Seit dem 10. September 2000 findet nunmehr der "Tag des offenen Denkmals" jedes Jahr in Finsterwalde mit wechselnden Gebäuden und Teilnehmern statt. Neben vielen Finsterwaldern lassen sich auch Auswärtige anlocken. Jedes Jahr kommen - abhängig vom Wetter - bis 300 Besucher allein in das historische Kaufmannshaus. Hier ist seit drei Jahren zum Denkmaltag auch die Sammlung alter Fotoapparate des Hobbyfotografen und Sammlers Jürgen Schlinger zu bewundern.

Zum diesjährigen Denkmaltag am 13. September 2015 kündigt Sebastian Schiller die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung in seinem Hause an. Sie trägt den Titel "Golo Mann - als Dichtersohn unter Bergarbeitern". Sebastian Schiller erläutert die Hintergründe: "Eine kurze Episode aus dem Leben des späteren Historikers und Publizisten Golo Mann, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, führte ihn nach Zschipkau (ab 1937 Schipkau). Dort absolvierte er im Sommer 1928 für wenige Monate ein Praktikum bei den Niederlausitzer Kohlenwerken. Vor Beginn des Wintersemesters in Berlin wollte er das Leben und die Arbeit der Menschen in einem Braunkohlenbergwerk kennenlernen. Seine Eindrücke schilderte Golo Mann einige Monate später im Berliner "Acht-Uhr-Abendblatt". Der weitgehend unbekannte Zeitungsartikel erschien in zwei Folgen im Januar 1929 und wurde von uns im Rahmen einer Ausstellung in Bauers Witwe zusammen mit einigen anderen Exponaten gezeigt. Nach dem Umbau eines zusätzlichen Ausstellungsraumes soll diese Episode nun wieder zugänglich sein. Dabei wird das Resümee Golo Manns, wonach er die Haltung seiner Bergarbeiter-Kollegen aufgrund der sehr schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen weitaus radikaler erwartet hatte, eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich wird der Besucher erstmals Auszüge aus einem Briefwechsel zwischen unserer Familie Schiller und Golo Mann zu Gesicht bekommen."

Um noch mehr Besucher in die offenen Denkmale der Stadt zu locken, macht Sebastian Schiller einen Vorschlag: Es sollte zukünftig die Verbindung zwischen den verschiedenen Denkmalen weiter verbessert werden, beispielsweise durch eine Fahrverbindung "von Denkmal zu Denkmal", zum Beispiel mit einer Kutsche oder mit der Feuerwehr. "Auch die Verwendung eines sogenannten Denkmalpasses, wie es ihn in Bautzen gibt, wäre denkbar. In diesem Pass sind alle beteiligten Denkmale aufgeführt und können vom Besucher bei der Besichtigung abgestempelt werden. Sind mehr als zehn Stempel im Denkmalpass enthalten, kann an einer Preisverlosung teilgenommen werden. Es gilt, die Denkmale erkennbar miteinander zu verbinden", schlägt Sebastian Schiller vor.

Bei der Finsterwalder Stadtverwaltung wird der Vorschlag gegenwärtig geprüft. "Ich finde die Idee sehr gut", sagt Torsten Drescher, der Wirtschaftsförderer im Schloss. Eine konkrete Zusage, die Idee auch aufzugreifen, gibt es hier noch nicht.

Zum Thema:
Bereits am 9. Mai lädt Sebastian Schiller zur 24. Folge der "Finsterwalder Stadtgespräche" in das Haus von "Bauers Witwe" in der Kleinen Ringstraße ein.

Hier wird die in Berlin lebende türkischstämmige Journalistin und Schriftstellerin Hatice Akyün aus ihren Kolumnen im Berliner Tagesspiegel lesen.