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Wie gefährlich leben Müllers in Elbe-Elster?

An diese Stelle in seinem Garten, wo die Familie ihre Sitzecke hat, will Egon Müller einen Caport errichten. Der könnte teuer werden
An diese Stelle in seinem Garten, wo die Familie ihre Sitzecke hat, will Egon Müller einen Caport errichten. Der könnte teuer werden FOTO: Dieter Babbe
Rückersdorf / OT Friedersdorf. Müllers in Friedersdorf sitzen möglicherweise auf einem Pulverfass. Jedenfalls dann, wenn sie es sich in der Sitzecke im Garten gemütlich machen. Denn ihr Grundstück liegt laut behördlicher Auskunft in einem "kampfmittelbelasteten Gebiet". Dieter Babbe

Das erfuhr Egon Müller allerdings eher zufällig. Der Rentner wollte in seinem Garten einen Carport aufstellen - genau an der Stelle, wo die Familie bei schönem Wetter schon immer unter den Bäumen sitzt. Egon Müller hat hier bereits eine Fläche von drei mal sechs Metern ausgeschachtet, um den Sitzplatz zu ebnen. Jetzt wollte er noch ein Dach aus Holz aus dem eigenen Wald drüber bauen - gehalten von sechs Stützen. Doch da kommt die schockierende Nachricht: Stützhülsen in die Erde stecken geht so ohne Weiteres nicht.

Bis 800 Euro Kosten angedroht

Als der Friedersdorfer ordnungsgemäß den Bauantrag eingereicht hat, bekommt Egon Müller mitgeteilt, dass er vor Baubeginn eine "Kampfmittelfreiheitsbescheinigung" vorlegen muss. "Ich habe mich erkundigt: Eine solche Bescheinigung kann zwischen 50 und 800 Euro kosten. 50 Euro zahle ich ja noch - aber mehr auf keinen Fall. Dann setzen wir uns weiter ohne Dach in die Sitzecke", steht für Egon Müller fest. Von einer Verwandten in Elsterwerda kennt er einen ähnlichen Fall: Hier mussten 600 Euro bezahlt werden, um einen Carport aufzustellen, weil man ebenfalls Kampfmittel vermutet hat. "Vorher war hier jahrzehntelang ein Schulgarten", berichtet Egon Müller.

Wie sein Garten hinter dem Bauernhof laut einer Karte bei der Kreisverwaltung zu einer "Kampfmittelverdachtsfläche" wurde und warum er zu einem "kampfmittelbelasteten Gebiet" gehört, kann sich der Friedersdorfer nicht erklären. Egal, welche Kriege über das kleine Dorf hinweggezogen sind - "unsere Familie lebt seit drei Generationen auf dem Hof. Hier wie im Dorf überhaupt ist nie etwas von Kampfhandlungen bekannt geworden", erzählt Egon Müller. Auch der Zweite Weltkrieg sei mit dem Einzug der Sowjets im April 1945 in Friedersdorf ohne einen Schuss zu Ende gegangen.

Amtlicherseits wird Müllers Garten dennoch als munitionsverdächtig eingestuft. Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst haben sich angekündigt, die "gegebenenfalls vorhandene Kriegsluftbilder" auswerten und möglicherweise eine "Ortsbegehung" vornehmen werden, wie es in einem Schreiben heißt.

Keine Kämpfe in Friedersdorf

Zu den Hintergründen äußert sich auf Nachfrage Horst Reinhard vom Kampfmittelbeseitigungsdienst mit Sitz in Zossen. "Grundsätzlich gilt: In die Karten für Kampfmittelverdachtsflächen fließen alle Informationen über Kampfhandlungen, Produktions- und Vernichtungsstellen von Munition, auch Luftbilder ein. Bei der Grenzziehung der Verdachtsflächen geht es nicht quer über Grundstücke, sondern orientiert man sich an markanten Punkten, wie Straßen, Waldkanten, Flüsse."

Was Friedersdorf betreffe, habe es hier tatsächlich keine Kampfhandlungen gegeben. "Hier ist der Truppenübungsplatz in Hohenleipisch der Grund dafür, warum das Dorf zum Verdachtsgebiet erklärt wird", erläutert Horst Reinhard. Da das Dorf im absoluten Randbereich des Gebietes liegt - Hohenleipisch liegt über zehn Kilometer entfernt, sei in Müllers Garten nicht mit einem Munitionsfund zu rechnen. "Wir hatten in Friedersdorf aber schon einen Einzelfund", schränkt Reinhard ein. Die Kosten für die "Kampfmittelfreiheitsbescheinigung" hängen vom Kontrollaufwand ab. Herr Müller könne davon ausgehen, dass sie in seinem Fall im finanziellen Rahmen bleiben.