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| 17:00 Uhr

Plastikmüll
Kommt mir nicht in die Tüte!

Apothekerin Stephanie Sallach von der Finsterwalder "Engel-Apotheke" hält den Stoffbeutel in der Hand, der mit dem Logo der Apotheke bedruckt ist: „Der passt in jede Handtasche und ist immer wieder verwendbar.“
Apothekerin Stephanie Sallach von der Finsterwalder "Engel-Apotheke" hält den Stoffbeutel in der Hand, der mit dem Logo der Apotheke bedruckt ist: „Der passt in jede Handtasche und ist immer wieder verwendbar.“ FOTO: Daniel Friedrich / LR
Finsterwalde. Immer mehr Supermarktketten verzichten inzwischen auf die praktischen, aber ökologisch bedenklichen Plastiktüten. Wie sieht es bei den Einzelhändlern in Finsterwalde aus? Von Daniel Friedrich

Riesige Müllteppiche im Meer und am Strand angeschwemmtes Plastik: Die Bilder der letzten Zeit haben Politik und Verbraucher aufhorchen lassen. Auch viele Unternehmer denken um. Sie verbannen Plastik, das oft schon direkt nach dem Einkauf wieder in der Mülltonne landet, aus ihren Regalen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es etwa beim Sanitätshaus Kröger in Finsterwalde keine Plastiktüten mehr. Wer sich etwas einpacken lassen möchte, bekommt eine Papiertüte angeboten: „Die kostet je nach Größe zwischen 15 und 25 Cent. Außerdem bieten wir einen wiederverwendbaren Stoffbeutel für einen Euro an“, sagt Mitarbeiterin Christin Schulze. Die meisten Kunden hätten ohnehin ihre eigenen Tragetaschen dabei, hat sie beobachtet.

Gleich nebenan in der Engel-Apotheke bekommen Stammkunden ebenfalls einen Stoffbeutel überreicht, wenn sie besonders große Ware eingekauft haben. „Der Beutel trägt unseren Namen und unser Logo. Da er immer wieder verwendbar ist, ist er nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch ein toller Werbeträger“, findet Apothekerin Stephanie Sallach. Wer dennoch auf eine kleine Plastik- oder Papiertasche nicht verzichten will, muss hierfür 10 Cent berappen. Auch bei NKD oder Ernsting’s Family kosten Plastikbeutel 5 bis 20 Cent. Kleinere Waren werden dort kostenfrei in Seidenpapier eingewickelt.

„Manchmal sind Kunden schlicht zu faul, um ihren Beutel aus der Tasche zu holen“, hat Marion Schlesinger vom „Schuhtick“ schon erlebt. Sie bietet seit zwei Jahren keine Plastik mehr an und auch die kostenpflichtigen Papiertüten muss sie kaum noch nachordern: „Wenn ich sage, dass eine Papiertüte bei mir 50 Cent kostet, dann nehmen viele ihren Einkauf doch lieber in die Hand oder bringen sich beim nächsten Mal ihren eigenen Beutel mit.“ So habe der Preisaufschlag vor allem eine erziehende Wirkung, sagt sie, und liegt damit im Einklang mit Nadine Zierenberg vom Spielwarengeschäft „Mini Maxi“: „Bei großen Einkäufen oder im Regen geben wir die Tüten kostenfrei dazu. Aber in der Regel berechnen wir 15 bis 25 Cent. Das löse ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Kunden aus: „Einige legen das Geld unaufgefordert dazu, manche meckern ein bisschen“, hat die Inhaberin festgestellt.

Auch das ist möglich: Am Lübbenauer Kirchplatz bietet ein Wirt explizit keinen Kaffee zum Mitnehmen an.
Auch das ist möglich: Am Lübbenauer Kirchplatz bietet ein Wirt explizit keinen Kaffee zum Mitnehmen an. FOTO: Daniel Friedrich

Dabei müssen Verbraucher inzwischen fast überall für Tragetaschen ins Portmonee greifen. Supermarktketten wie Rewe, Lidl und Aldi haben bereits seit längerem einfache Plastiktüten abgeschafft oder bieten sie nicht mehr gratis an. Sie sind damit Vorreiter, wenn es um die Ziele geht, die EU-Kommission jüngst beschlossen hat (siehe Infobox).

Um diese Pläne umzusetzen, muss auch in den Köpfen der Verbraucher ein Umdenken stattfinden. Denn „begeistert sind sie nicht“, stellt Sabine Goßling vom Schreibwarengeschäft Schmidt in Finsterwalde immer wieder fest, wenn sie für die Plastiktüte Geld verlangt. „Man muss es den Kunden begründen, dann akzeptieren sie es meist.“ Christian Kilinski, Inhaber der Buchhandlung Mayer, gibt dagegen Restbestände von alten Plastiktüten nach wie vor umsonst aus: „Ich bin mir zwar bewusst, dass sich da etwas ändern muss. Aber wir haben noch nie Geld dafür genommen und ich sehe es einfach als Service für unsere Kunden an, der eben dazu gehört.“

Ein Service, den nachfolgende Generationen womöglich teuer bezahlen müssen: 70 Wegwerf-Tüten verbraucht ein deutscher Einwohner durchschnittlich pro Jahr. Europaweit fallen jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Nur knapp 30 Prozent davon werden zur Wiederverwertung gesammelt, der Rest landet auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt – vor allem in den Meeren. Die meisten Tüten bestehen aus Polyethylen, einem Plastik, das aus Erdöl hergestellt wird. Es zerfällt nur sehr langsam und gelangt letztendlich über das Meer wieder zurück in die menschliche Nahrungskette.

Ein Teil Lebensmittel, drei Teile Plastikmüll: Der Mittagsimbiss zum Mitnehmen ist zwar praktisch, aber für die Umwelt ein großes Problem.
Ein Teil Lebensmittel, drei Teile Plastikmüll: Der Mittagsimbiss zum Mitnehmen ist zwar praktisch, aber für die Umwelt ein großes Problem. FOTO: Daniel Friedrich

Apropos Nahrung: Auch beim Kaffee oder Speisen zum Mitnehmen fallen oft unnötige Verpackungen an. Während viele Händler durch Preisaufschläge versuchen, die Kunden zu weniger Plastikmüll zu bewegen, sieht die Preisgestaltung bei Bäckerei Bubner genau umgekehrt aus. Hier erhalten Kunden, die sich in Finsterwalde oder Doberlug-Kirchhain ihr warmes Mittagessen in Plastikassiette und -tüte einpacken lassen, sogar fünf Prozent Rabatt. Grund dafür seien steuerliche Vorteile, die an die Kunden weitergegeben werden sollen, wie Unternehmenssprecherin Eva Kallinich mitteilt. "Aus hygienischen Gründen dürfen wir unsere Speisen auch nicht in selbst mitgebrachte Behältnisse füllen", sagt sie.

Doch ist es tatsächlich verboten, Speisen in die eigene Tupperdose füllen zu lassen? Prinzipiell nicht, lautet die Antwort vom Amt für Lebensmittelüberwachung des Landkreises Elbe-Elster. Allerdings trage bei der Nutzung mitgebrachter Verpackungen der Einzelhändler die Verantwortung. „Durch die Verpackungen könnten die übrigen Lebensmittel nachteilig beeinflusst werden (Keime, Grobschmutz) oder sich andere Kunden ekeln“, heißt es aus dem Amt. In jedem Fall müssten mitgebrachte Gefäße optisch sauber, unbeschädigt und für Lebensmittel geeignet sein. Daher obliege es dem Händler, entsprechende Mitnahmeregeln aufzustellen oder diese Praxis abzulehnen.

Für Riccarda Barich von „Dein Suppengrün“ in Finsterwalde ist es schon lange selbstverständlich, dass Gäste die Speisen in ihrer eigenen Büchse mitnehmen können: „Wir spülen die vorher warm aus und füllen dann ein. Dafür kostet das Essen 10 Cent weniger.“ Seit dieser Woche verlangt sie zudem einen Aufschlag von 10 bis 50 Cent, wenn Kunden ihr Essen in Plastikgeschirr und Tüte mitnehmen wollen – eine Frage der Erziehung, davon ist sie überzeugt.