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| 17:42 Uhr

Adventsserie
Werksgasthaus als  Zeuge des einstigen Aufschwungs

Das ehemalige Werksgasthaus in Poley ist dem Verfall preisgegeben.
Das ehemalige Werksgasthaus in Poley ist dem Verfall preisgegeben. FOTO: Heike Lehmann
Sallgast/Poley. Inschriften an Häusern zeugen oft von einer wechselhaften Geschichte der Gebäude. In einer LR-Adventsserie spüren wir sie auf.

Die Geschichte des Werksgasthauses in Poley ist aufs Engste mit der Geschichte der um 1900 entstandenen „Kolonie Poley“ verbunden. George Alberti, ein Kaufmann aus Nauen bei Berlin, hatte 1870 den Gutsbezirk Poley erworben und als erstes eine Ziegelei, die spätere Kunstziegelei, errichtet, da er hier reiche Tonvorkommen vorgefunden hatte. Dabei war er auch auf Braunkohle gestoßen, die er mit einfachen Mitteln auszubeuten versuchte. Das war der Anfang der Grube „Bismarck I“ auf Poleyer Flur.

Ab 1. Oktober 1899 hatte Poley dann seine eigene Schule mit zwei Lehrern, eine Poststelle und das Werksgasthaus.

Die LR fragt: Was wissen Sie über das Werksgasthaus und dessen Geschichte? Rufen Sie am Dienstag, 12. Dezember zwischen 14 und 15 Uhr die 03531 717424 an oder schreiben Sie bis 15 Uhr eine E-Mail an finsterwalde@lr-online.de.

In dem Haus, in dem heute die Amtsverwaltung des Amtes Schlieben untergebracht ist, ging es von Anbeginn an scheinbar immer „amtlich“ Ortschronist Hans-Dieter Lehmann hat sich vor Jahren einmal intensiver mit der Geschichte des Hauses beschäftigt und ist dabei auf einen Beitrag von Albert Kunze im „Schweinitzer Kreisblatt“ vom 31.12.1940 gestoßen. Kunze beschreibt damals das heutige Amtsgebäude: „...in stiller Beschaulichkeit, einem behäbigen Herrensitz  aus alten Zeiten gleichend, hinter hohen Bäumen versteckt, das stattliche Haus. Zwei mächtige Linden flankieren das Tor und die geschwungene Tormauer. Durch den Toreingang blickt man über den Hof hinweg auf das Portal.“ Linden, Nebengebäude und das hohe Tor sind verschwunden.

Die Geschichte des Hauses aber ist nicht vergessen. Lehmann weiß: „Nachdem das alte Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg als Wohnraum diente, war es dann viele Jahre der Schliebener Schülerhort. Auf seine Erbauung und den Zweck des Bauwerks weist die Inschrift über dem Eingang hin. Unter den gekreuzten Kurschwertern von einer Blattranke umrahmt heißt es (in deutsch): Gericht auf Befehl Friedrich, Augusts, Kurfürst von sachsen erbauit C.H. Heinecken 1778. Carl von Heinecken hat also vermutlich das Amtsgericht gebaut, umgebaut oder zumindest die Entwürfe geliefert. In einer Zeit, in der wir zu Sachsen gehörten, war von Heinecken ein bekannter Kunstsachverständiger und Baukünstler.“

Lehmann weiß, dass es viele Spekulationen um die ganz frühe Zeit des Hauses gibt. „Überlieferungen zufolge, dass das Amtsgericht in Schlieben früher einmal ein kurfürstliches Jagdschloss war, sind wohl unzutreffend, denn schon Amtsgerichtsrat R. Krieg weist in seiner Schliebener Chronik (1897) auf die ursprüngliche Bestimmung als Gerichtsgebäude hin.“ 1879 war darin ein selbstständiges Amtsgericht eingerichtet worden. Das war während der Weimarer Republik dann sogar auf dem Notgeld des Kreises Schweinitz abgebildet, ist vom Orts­chronisten zu erfahren.

(leh/sk)