| 18:15 Uhr

LR Vor Ort
Wer rettet Schloss Sonnewalde?

Die Zukunft des Schlosses Sonnewalde zeigt sich derzeit trüb. Bei LR Vor Ort am Donnerstagabend wurde die Misere fehlender Ideen und Finanzen deutlich.
Die Zukunft des Schlosses Sonnewalde zeigt sich derzeit trüb. Bei LR Vor Ort am Donnerstagabend wurde die Misere fehlender Ideen und Finanzen deutlich. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Sonnewalde. Das Schloss Sonnewalde ist das Wahrzeichen der Stadt. Doch es fehlen Ideen, Geld und Engagement, um es für die Zukunft fit zu machen. Werner Busse: „Ein Krebsschaden.“ Von Gabi Böttcher

Da hatte die RUNDSCHAU am Donnerstagabend in der Schule  eines der heißen Eisen in der Stadt angepackt. Bürgermeister Werner Busse dankte dafür und war gleichzeitig  enttäuscht, dass sich an diesem Abend nur gut ein Dutzend Sonnewalder über die Zukunft des Markenzeichens Gedanken machen wollten. Besonderes Lob galt immer wieder Hubert Schade und dessen Team vom Verein Museums- und Schlossareal Sonnewalde, dem die momentan wichtigste Nutzung des ältesten Bauwerkes in der Stadt zu danken ist. Auch das in der ersten Etage befindliche Trauzimmer kann sich sehen lassen und inspiriert zu weiteren Überlegungen. „Heiraten, feiern, den Tag gestalten“, umreißt Werner Busse die Richtung und ist sofort beim Park und dem Planetenweg als landschaftliche Highlights. Was den Park betreffe, so habe man der Gärtnerei Graeff  alte Unterlagen übergeben. Die Rotarier wollen Baumpatenschaften übernehmen. Es müssen Pflanzungen erfolgen, die den Bestand stabilisieren, die Teiche müssen gesäubert werden.  Das scheint eher realisierbar, als die Zukunft des Schlosses zu sichern, das nur noch in seinem Teil des Vorderschlosses existiert. „Wenn wir nicht selber Leben reinbringen, stirbt das Vorderschloss. Auch für Dich, Hubert, brauchen wir Nachfolger“, skizzierte Werner Busse die brisante Situation.

LR-Redakteurin Heike Lehmann stieß als Moderatorin des Abends auf Einvernehmen, was die Schrittfolge der Rettungsversuche angeht: Ideen, Nutzungskonzept, Förderanträge. Mit Fördermitteln ist es Gott sei dank gelungen, die Sandsteinsäulen in der Kutschenkammer zu sanieren – ein wichtiger Schritt um die Statik des Gebäudes zu sichern. Werner Busse: „Wir gelangen immer wieder zum gleichen Punkt. Die Nutzungsideen müssen von uns ausgehen. Dass bei 1000 Einwohnern so wenig Interesse besteht, ist ein Krebsschaden. Ich rede immer wieder mit Engelszungen. Wir haben drei große Vereine. Sie könnten ein Konstrukt entwerfen, wie man Sonnewalde entwickeln könnte?“ Stadtverordnetenvorsteher Martin Petschick sieht dabei den Ortsbeirat an vorderster Front in der Pflicht. Allen in der Runde ist klar: Ohne Nutzungskonzept keine Fördermittel. Und man brauche die Mitarbeit der Bürger. Zum Beispiel um an Wochenenden  Besuchern Schloss und Park zu zeigen. Vernetzungen mit Tourismusverband und Sängerstadtmarketingverein sind zu stärken. Bisherige Nutzungen der Räume, zum Beispiel durch Rotarier und Naturpark, zeigten, dass man über ein attraktives Angebot verfüge. Was jedoch dringend  notwendig sei: Toilettenanlage zeitgemäß herrichten, Küchenzeile einbauen.

Der Haushalt der Stadt gebe jedoch nur Mittel für Reparaturen her. Roger Jendroska bedauert, dass der letzte Sonnewalder Graf Solms gleich nach der Wende bekundet habe, das Schloss nicht zu wollen. Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hebt die Hände. Es gibt zu viele Schlösser in Brandenburg.

Um nicht auf einen überraschenden Investor zu bauen, der sich wohl auch nicht unter den „adligen Damen“ befinden dürfte, die sich für den Sommer angemeldet haben, müssen die Sonnewalder die Zukunft ihres Schlosses tatsächlich selbst in die Hand nehmen. Ein eindringlicher Appell von Bürgermeister Busse ging dazu vom LR-Vor-Ort-Termin aus: „Es ist unser Vorderschloss, unser Park, es sind unsere Highlights.“