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| 20:28 Uhr

Weihnachten im Hause Japke
Alles Gute und Frohe Weihnachten!

 Familie Japke im Selbstporträt vorm Weihnachtsbaum. RUNDSCHAU-Volontärin Josi (2.v.r.) hat zu Weihnachten Geburtstag.
Familie Japke im Selbstporträt vorm Weihnachtsbaum. RUNDSCHAU-Volontärin Josi (2.v.r.) hat zu Weihnachten Geburtstag. FOTO: Japke/privat / Japke
Senzig/Elbe-Elster. RUNDSCHAU-Volontärin Josi ist ein waschechtes Christkind. Wie stressig das für ihre Familie ist, erzählt sie hier. Von Josephine Japke

„Anka, haben wir alles?“ - „Ja, Thomas. Aber hast du die Kerzen angemacht?“ - „Klar! Franzi, gehst du deine Schwester wecken?“ Während meine Familie draußen vor der Tür tuschelt, stehe ich schon fertig angezogen und aufgeregt wie eine Fünfjährige in meinem Zimmer. Denn heute ist nicht nur Weihnachten. Heute, am 24. Dezember, ist auch mein Geburtstag.

Um alle Fragen vorweg zu beantworten: Ja, ich bin wirklich ein Christkind. Ja, ich bekomme doppelt Geschenke - morgens zum Geburtstag und abends zu Weihnachten. Ja, das ist irgendwie blöd, dass ich nie wirklich feiern kann und immer ein Jahr warten muss, bis ich überhaupt mal irgendetwas auswickeln darf. Hätte ich für diese Sätze jedes Mal einen Euro bekommen, bräuchte ich jetzt wohl nicht mehr arbeiten gehen.

 Meine Schwester Franzi (links) und ich nutzen jede Möglichkeit, um rumzualbern. „Normale“ Fotos gibt es von uns nur in Ausnahmefällen.
Meine Schwester Franzi (links) und ich nutzen jede Möglichkeit, um rumzualbern. „Normale“ Fotos gibt es von uns nur in Ausnahmefällen. FOTO: Japke/privat / Japke

Das mit dem Feiern muss ich aber direkt relativieren, denn meine Familie und Freunde geben sich die größte Mühe, diesen Tag, meinen Tag, zu etwas Besonderem zu machen. Damals hatten wir Kinderpartys mit Clowns und Magiern. Mit 18 dann eine kleine Überraschungsparty mit Gästen, die sich stundenlang in meinem dunklen Zimmer versteckten, weil ich unterwegs war. Mit 20 dann die große Überraschungsparty mit 20 Freunden, die mucksmäuschenstill durchs Haus in den Partykeller schlichen, während ich nichtsahnend auf der Couch saß.

 An meinem 25. Geburtstag kamen meine engsten Freunde zum Brunch zu uns. Stundenlang saßen wir an dieser riesigen Tafel quer durchs Wohnzimmer.
An meinem 25. Geburtstag kamen meine engsten Freunde zum Brunch zu uns. Stundenlang saßen wir an dieser riesigen Tafel quer durchs Wohnzimmer. FOTO: Japke/privat / Japke

Immer mit dabei sind die gleichen drei Kindergartenfreundinnen, die auch heute Punkt 9 Uhr vor meiner Tür stehen. „Ich hab mich schon die ganze Woche auf das Frühstück deiner Mama gefreut“, sagt Theresa, die ich seit 21 Jahren kenne. „Das gehört zu Weihnachten einfach dazu. Unsere Familien wissen, dass wir vormittags hier sind und damit hat niemand ein Problem“, sagt auch Judith. Während ihre riesige Familie gerade den Baum schmückt und spazieren geht, greift sie nach dem nächsten Brötchen. Kurze Zeit später trifft dann auch der Rest der Bande ein. Marc, Felix, Anna, Marie ... sie alle strömen durch die Tür. Weihnachten fängt für jeden von ihnen eben erst 15 Uhr an und dafür bin ich über alle Maßen dankbar.

Allerdings wäre nichts davon möglich, wenn nicht meine Mama ein absolutes Organisations-Genie wäre. „Die ganze Vorbereitung und Planung ist schon anstrengend, klar. Aber ich schreibe mir schon Wochen vorher Listen, was ich wann machen muss und meine Familie hilft mir, wo sie kann“, erklärt sie. Seit Tagen dekoriert sie das Haus, schmückt den Baum, bereitet das Essen zu und wickelt heimlich Geschenke ein - doppelt und dreifach sogar, denn um Mamas (vor)weihnachtlichen Stress noch zu erhöhen, haben mein Vater und ich schon vor meiner Geburt einen diabolischen Plan geschmiedet: Er hat nämlich am 23. Dezember Geburtstag.

„An meinem 30. Geburtstag haben wir groß gefeiert und getanzt. Ich habe bestimmt ein, zwei Gläser zu viel getrunken. Als meine Frau mich am Morgen des 24. wachrüttelte, habe ich gerade ein paar Minuten geschlafen und nicht reagiert“, sagt mein Vater heute lachend. Als er Stunden später aufwachte, war seine Frau schon im Krankenhaus und ich auf dem Weg. „Meine Kumpels standen alle zum Frühschoppen und aufräumen vor der Tür und die Krankenschwester sagte, wir sollen auf keinen Fall zum Kreißsaal kommen und ich soll aufhören, ständig anzurufen, weil das Kind dann nie auf die Welt käme.“

Auch meine Mama hat sich ihr Weihnachten vor 27 Jahren anders vorgestellt. „Eigentlich ging alles ganz schnell und durch den Trubel drumherum verflog die Zeit und plötzlich warst du da“, sagt sie zu mir. Am Nachmittag dann Bescherung unter kleinem Weihnachtsbaum im Krankenhaus, ein paar Tage später ab nach Hause. „Du warst das schönste Geschenk, das wir je zu Weihnachten bekommen haben“, sagt mein Vater und ich verspreche, dass ich ihn nicht bestochen habe, das zu sagen.

Die einzige, die sich vom Weihnachtsstress nicht anstecken lässt, ist meine 17-jährige Schwester Franzi. Sie pflegt ihre eigenen Weihnachtstraditionen. Da wäre zum Einen das Geschenke besorgen und einwickeln im Namen meines Vaters, Plätzchen backen und verdrücken, Weihnachtsmann und CoKG schauen und nebenbei aufs Abitur vorbereiten. „Der 24. Dezember ist ein toller Tag. Die Familie kommt zusammen, der Baum ist wunderschön und das Essen schmeckt. Dass du Geburtstag hast, ist zweitrangig“, sagt sie mit einem Zwinkern und behält, wie immer, recht.