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Wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen

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Doberlug-Kirchhain. Dass Eis erst ab 20 Grad plus weggeschlemmt wird, ist ein Irrglaube. In Elbe-Elster beginnt die Saison schon im Februar. Genauer gesagt: Heute! Steven Wiesner

"Life is short - Eat dessert first" prangt auf einem Schild in der Eisdiele von Anke und Sven Leibnitz. Was Donald Trump davon halten würde, dass hier nicht zuerst an Amerika, sondern an den Nachtisch gedacht wird, steht nur zu vermuten. Die Menschen aus Doberlug-Kirchhain und der Lausitz aber scheinen von diesem Ansatz eine ganze Menge zu halten. Ansonsten würde der Familienbetrieb nicht schon seit 1982 bestehen.

An diesem Samstag beendet das Ehepaar seine Winterpause - und eröffnet damit auch die offizielle Eissaison 2017 in Elbe-Elster. Weitere Eisverkäufer werden in den nächsten Tagen nachziehen. Das Eiscafé Winter in Uebigau zum Beispiel erwacht nächsten Donnerstag aus dem Winterschlaf, die Eisdiele "Pinguin" in Wiederau startet Anfang März.

Aber lässt sich Eis tatsächlich schon im Winter an den Mann bringen? Schließlich beginnt der as tronomische Frühling erst in einem Monat! Dass Eis erst ab 20 Grad plus weggeschlemmt wird, ist jedoch ein Irrglaube. Das Da Capo in Cottbus etwa verkauft sogar das gesamte Jahr über Eis. Mathias Winter aus Uebigau erklärt: "Warm muss es gar nicht sein, nur sonnig. Wenn die ersten Strahlen im Winter kommen, ist der Eishunger bei den Leuten sogar größer als im September."

Eine Erfahrung, die auch Sven Leibnitz macht. "Manche Leute warten schon", sagt er. Natürlich kleben keine 20 Leute täglich an seiner Fensterscheibe, um ernüchtert wieder nach Hause zu gehen. "Aber allein bei Facebook merkt man schon, wie die Bewegung auf unserer Seite steigt", sagt er. "Bei manchen kribbelt's richtig." Die Vorfreude ist groß, denn die Winterpause im Eiscafé Leibnitz dauerte seit November an.

Was tun Eisverkäufer eigentlich zwischen November und Februar? Den Urlaub nachholen, den sie im Sommer nie machen können? Vier Wochen Karibik? "Nein", lacht Anke Leibnitz, "natürlich muss man auch mal herunterfahren und den Kopf freibekommen. Aber wir bringen in dieser Zeit auch den Laden auf Vordermann, holen uns Anregungen auf Messen und müssen unsere Maschinen warten." Eis verkaufen ist kein Beruf - sondern eine Berufung.

Familie Leibnitz ist schon öfter mit kreativen Produkten wie Gurken- oder Biereis aufgefallen. In diesem Jahr soll es auch einen Luther-Eisbecher geben. Aber können die Leibnitzes eigentlich selbst noch Eis sehen, wenn sie es tagein tagaus zubereiten? Sven Leibnitz nickt dynamisch: "Wir essen jeden Tag Eis." So wie andere am Abend ein Glas Rotwein trinken. Dessert first eben.