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| 19:39 Uhr

Finsterwalde
Wenn der Rocker sagt „War jut“

Ramona Schubert und Silke Döring (v.l.) im Trauzimmer des Finsterwalder Standesamtes. Deutschlandweit ist das Standesamt der Sängerstadt im August 2016 vom Deutschen Feng-Shui-Institut in Freiburg im Breisgau als erstes mit einem Feng-Shui-Zertifikat „geadelt“ worden. Bei der Gestaltung des Innenraumes sind Erkenntnisse der chinesischen Harmonielehre umgesetzt worden. So soll die Süd-West-Richtung des Hauptfensters für das Wirksamwerden der Süd-West-Energie sorgen, die wiederum für Beständigkeit, Partnerschaft, Beziehung und Ehe stehe.
Ramona Schubert und Silke Döring (v.l.) im Trauzimmer des Finsterwalder Standesamtes. Deutschlandweit ist das Standesamt der Sängerstadt im August 2016 vom Deutschen Feng-Shui-Institut in Freiburg im Breisgau als erstes mit einem Feng-Shui-Zertifikat „geadelt“ worden. Bei der Gestaltung des Innenraumes sind Erkenntnisse der chinesischen Harmonielehre umgesetzt worden. So soll die Süd-West-Richtung des Hauptfensters für das Wirksamwerden der Süd-West-Energie sorgen, die wiederum für Beständigkeit, Partnerschaft, Beziehung und Ehe stehe. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Um die 65 Ehen werden im Jahr im Finsterwalder Standesamt geschlossen. Akribisch fortgeführt wird das seit 1874 bestehende Personenstandsregister. Von Gabi Böttcher

Es sind immer wieder die Trauungen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Standesamt lenken. Auch für Ramona Schubert und Silke Döring, die seit 1984 beziehungsweise 1990 als bestellte Standesbeamtinnen in der Sängerstadt tätig sind, ist es jedes Mal ein besonderer Moment, wenn sie in feierlicher Atmosphäre im attraktiven Trauzimmer des Finsterwalder Schlosses eine Ehe schließen. Die beiden sind ein eingespieltes Team, verstärkt durch Sven Heller, der als Leiter des Ordnungsamtes der dritte im Bunde ist, der in Finsterwalde als bestellter Standesbeamter fungieren darf.

Doch die Hochzeiten sind es wahrlich nicht allein, die die Arbeit der Standesbeamten so vielschichtig und jeden Tag aufs Neue zur Herausforderung machen. Das große Arbeitsfeld der Pflege des seit dem Jahr 1874 geführten Personenstandsregisters beinhaltet Eintragungen und damit verbundene Verfahren von der Geburt über die Heirat bis hin zu Sterbefällen. Ein Fehler beim Eintragen eines Sterbedatums könne fatale Folgen bis hin zu einer fehlerhaften Berechnung der Rente haben, verdeutlicht Ramona Schubert. Bedingt durch ortsansässige Pflegeheime und das Krankenhaus seien je Jahr etwa 330 Sterbefälle zu beurkunden. Ein Standesbeamter müsse sehr genau arbeiten, er trage eine hohe Verantwortung. Darin sind sich die Kolleginnen über das A und O in ihrer Tätigkeit einig.

Mit der Wende hat sich für sie die Zahl der Vorgänge, bei denen sie es mit Bürgern ausländischer Herkunft zu tun haben, stark erhöht. Bevor zum Beispiel eine Ehe mit einem oder zwischen zwei Partnern aus nichtdeutschen Ländern geschlossen werden kann, müssen auf oftmals sehr aufwendigem Wege alle benötigten Unterlagen beschafft beziehungsweise geprüft werden. Die jeweiligen Botschaften und das Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel gehören da zu den Partnern. Zu ihrer Sicherheit dürfen die Standesbeamten auch eidesstattliche Erklärungen abnehmen, wenn es zum Beispiel um das Feststellen des Familienstandes geht. Um alle Voraussetzungen für eine Eheschließung zu erfüllen, kann da schon mal ein Jahr ins Land gehen, wissen die Standesbeamtinnen zu berichten. Veränderungen in den rechtlichen Grundlagen erfordern immer wieder Schulungen. Gegenwärtig ist Sven Heller bei einer solchen Schulung in Bad Salzschlirf.

Stolz sind Ramona Schubert und Silke Döring auf ihre Arbeitsbedingungen im Schloss und natürlich das Trauzimmer. Bis zu 30 Gäste können hier an einer Eheschließung teilnehmen. Über eine moderne Anlage wird die musikalische Gestaltung des festlichen Aktes von der Standesbeamtin über einen Touchscreen auf ihrem Tisch gesteuert. Nicht gerade mit Rammstein, aber mit vielen Varianten der musikalischen Begleitung bis hin zur Live-Musik wird in Finsterwalde geheiratet. Die beiden Standesbeamtinnen sind inzwischen so lange in ihrem Beruf tätig, dass sie Menschen von der Geburtsurkunde bis zur Trauung begleitet haben. Mit einer Kutsche, gezogen von zwei Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindern, ist in ihrer langen Dienstzeit jedoch am vorigen Freitag das erste Brautpaar vorgefahren. Oldtimer, Pferdekutschen und Feuerwehrautos sind da häufiger. An eine Rocker-Hochzeit erinnert sich Silke Döring besonders: „Da hat der ganze Raum nach Leder gerochen“, erzählt sie. Und nach der Trauung gab es für sie ein Dankeschön mit den Worten: „War jut.“

Während zu DDR-Zeiten bis zu 350 Ehen im Jahr geschlossen wurden, sind es jetzt um die 65. Aufgeregt seien sie beide nach wie vor vor jeder Eheschließung. Besonders emotional gehe es bei sogenannten Nottrauungen zu, zu denen sie ins Krankenhaus oder an das heimische Krankenbett gerufen würden. Dass ein Brautpaar zum verabredeten Termin nicht auftauchte, das hätten sie jedoch nur zu DDR-Zeiten erlebt, als nicht einmal fünf Mark für die Formalitäten zu bezahlen waren. Bei heute um die 120 Euro käme das nicht mehr vor.