| 02:40 Uhr

Wenn "der Alte" unschlagbar ist und es am Ende ein Fuhre Mist gibt

Finsterwalde. Jeden Monat treffen sich Skatfreunde zum "Karten kloppen" in der Gaststätte "Fichteplatz" in Finsterwalde. Manche sind mehr als 60 Jahre aktiv. Die Skatspieler brauchen Nachwuchs. Philipp Seliger

Geben, Hören, Sagen, Weitersagen - so lautet eine der Grundregeln des Skatspiels. Sie ist jedoch nur ein einleitendes Element in das weite (Spiel-)Feld, das von einer "Dreiecksbeziehung" geprägt ist, die völlig harmonisch ablaufen kann, mitunter aber auch zu wilden Diskussionen über die falsche Spielweise des Mitspielers und gleichzeitig Kontrahenten führt. Neben Poker ist Skat das wohl populärste Kartenspiel deutschlandweit.

Das Spiel, das vor allem Geselligkeit mit sich bringt, erfordert höchste Konzentration. Wurde früher noch überwiegend in meist wohnnahen Kneipen diesem Hobby gefrönt, passiert das heutzutage immer mehr auf Online-Plattformen. Nichtsdestotrotz treffen sich an jedem ersten Freitag im Monat um 18 Uhr Skatfreunde zum "Karten kloppen" in der Gaststätte "Fichteplatz" in Finsterwalde. Petra Gembolis, die Wirtin des Hauses, ist froh darüber, dass sich ihre "Fichte" seit 2006 zum festen Standort für durchschnittlich 15 bis 20 Spieler etabliert hat. Meist sind es ältere Herrschaften. Die Jüngeren haben oftmals zu viel Respekt vor den "alten Hasen", die teilweise schon mehr als 60 Jahre aktiv diesem Spiel nacheifern. Dementsprechend gibt es arge Nachwuchsnöte.

Nachdem eine Startgebühr von zehn Euro von jedem Mitspieler entrichtet wurde, entscheidet ein Losverfahren darüber, wer an welchem Tisch sitzt und welche Position der jeweilige Akteur besetzt. Daraufhin beginnt die erste Serie à 48 Spiele. Zwei Serien werden pro Abend gespielt. Nach jeder Runde schreibt der Listenführer auf, wie viele Plus- oder Minuspunkte der Einzelne bekommt. Gespielt wird in der "Fichte" nach dem sogenannten erweiterten Seeger-System. Wer ein Spiel verliert, zahlt einen Obolus von 50 Cent. Am Ende entscheidet der Preispool, welche Siegprämie der Erstplatzierte erhält. Zu DDR-Zeiten gab es bei größeren Turnieren gar Trabants, Pferde oder zur Weihnachtszeit eine Gans zu gewinnen. Selbst eine Fuhre Mist war vor gerade mal gut zehn Jahren in Frankena dem Sieger gegönnt, welche derjenige auch annahm. Letztlich zählt weniger der Gedanke des unbedingten Gewinnens, sondern der Interessenaustausch, der beim Skat verbindet. Dessen Anfänge entwickelten sich im frühen 19. Jahrhundert aus dem artverwandten Schafkopf. Das Skatgericht im thüringischen Altenburg, der "Skatstadt", entscheidet seit 2001 über strittige Fälle.