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| 01:02 Uhr

Wem der Rasenmäher eine Last ist

FINSTERWALDE. Dieter Babbe

Wer einen großen Garten um seine eigenen vier Wände braucht, wer im Sommer ohne die wöchentliche „Musik“ des Rasenmähers nicht auskommt, wer seinen Nachbarn am liebsten durch die dichte Hecke erahnen möchte - der sollte in der Tat auf das Häuschen auf dem Lande oder am Stadtrand nicht verzichten. Wer allerdings die Ruhe inmitten des pulsierenden Lebens liebt, seine vielfältigen Facetten genießen und trotzdem auf das eigene Heim nicht verzichten möchte, der entscheidet sich für eine Wohnung mitten in der Stadt. „Und zu dieser Erkenntnis kommen immer mehr Leute“ , stellt Uwe Brenner fest.

Es sei ein Mentalitätsproblem bei den Deutschen, so der Mann von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH in Cottbus, der seit zehn Jahren als Stadtsanierer in und für Finsterwalde arbeitet. „90 Prozent meinen: Zum eigenen Haus gehören unbedingt der Garten drumherum und viel Luft zum Nachbarn. Und so zogen auch viele Finsterwalder nach der Wende aufs Land, wo etliche neue Siedlungen entstanden sind. Inzwischen spürt man jedoch: Das Leben draußen wird immer teurer.“
Doch Uwe Brenner will das Wohnen im Dorf oder am Stadtrand nicht verteufeln - statt dessen die Vorzüge vom Leben im Stadtzentrum ins Bewusstsein rücken. Wohnen mitten in der Stadt sei etwas für Leute, so Brenner, „die kurze Wege schätzen - zur Kneipe um die Ecke, zum Kino, zur Volkshochschule, auch zum Arzt und zum Apotheker, zum Einkaufsbummel - ohne ins Auto steigen zu müssen, was viel Geld spart.“ Uwe Brenner hat auch diese Erfahrung gemacht: „Woran manche beim Hausbau zu wenig gedacht haben: an ihre Kinder. Die sind mitunter lange mit dem Schulbus unterwegs, und für die Fahrt zum Sportverein oder zur Musikschule müssen jedes Mal die Eltern mit eingespannt werden.“ Freilich spürt der Fan fürs Wohnen in der Stadt auch: Die Finsterwalder sind auch nur normale Deutsche. Entweder haben sie schon ihr Häuschen im Grünen, oder sie bleiben im Südkomplex wohnen - auch der hat komplett sanierte Wohnungen und die Vorzüge zentrumnahen Wohnens. Nicht mal eine Handvoll Interessenten hat auf die monatelange Ausstellung im Rathaus reagiert, die regelrechte Schnäppchen für den Erwerb von Wohneigentum in der City angeboten hat: Wer hier ein Haus kauft, sanieren lässt, bezahlt mit Fördergeld nicht mehr als Miete.
Doch Uwe Brenner bleibt optimistisch: „Der Stadtbürger-Gedanke entwickelt sich, auch wenn es noch dauern wird. Es ist schon viel passiert in Finsterwalde, öffentlich wie privat. Seit 1993 haben wir Fördergeld an über 70 Hausbesitzer rund um den Marktplatz gezahlt, damit sie ihre Häuser modernisieren können.“
Doch die Stadt müsse noch mehr Gas geben, um das Zentrum ver- und anlockend zu gestalten: Der Marktplatz muss der schöne Mittelpunkt werden, die neue Marktpassage ist nur der Anfang. Für den Schlosspark ist jetzt ein Ideenwettbewerb angelaufen. Die leere Industriebrache in der Brandenburger Straße ruft nach Wiederbelebung. Uwe Brenner: „In der Finsterwalder Innenstadt haben wir bei der Sanierung erst die Halbzeit erreicht.“

Morgen zum Forum Schöne Häuser 2002
 Was in der zweiten Halbzeit der Stadtsanierung zu tun ist - morgen wird auch darüber zu reden sein, wenn die Lausitzer Rundschau und der Marketingverein zu einem Leserforum unter dem Motto „Schöne Häuser 2002“ einladen: 18 Uhr im Kreismuseum. Interessenten an Baugeschichte, -gegenwart und -zukunft sind herzlich eingeladen.