ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:53 Uhr

Elbe-Elster-Festival
Weltmusik erreicht die Massen (noch) nicht

Die Tänzer der Irish Beats Dance Company aus Berlin entlockten den Festivalbesuchern in Finsterwalde Begeisterungsstürme.
Die Tänzer der Irish Beats Dance Company aus Berlin entlockten den Festivalbesuchern in Finsterwalde Begeisterungsstürme. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Das Elbe-Elster-Festival, das am Wochenende erstmals und an drei Festivalorten über die Bühne gegangen ist, braucht mehr Zuspruch. Trotz guter Idee, Spitzen-Musik und perfekter Organisation waren zwei Tage nur mäßig besucht. Von Heike Lehmann

Als neue kulturelle Facette war das Elbe-Elster-Festival angekündigt. Es hatte am Wochenende Premiere mit so genannter Weltmusik. Und es hat in der Tat die Klangvielfalt im Landkreis  erweitert. Weltmusik ist crossover. Rock, Pop und Soul verschmelzen mit ethnischen, lokalen und urbanen Musikstilen anderer Kulturen. 40 Spitzenmusiker und Tänzer aus fünf Nationen haben an drei Festivalorten demonstriert, was das heißt.

Der Start in EE war bewusst europäisch – passend zum Motto des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“. In Zukunft wolle man noch internationaler werden, hieß es im Vorfeld des Festivals. Doch, ob es eine zweite Auflage und wenn ja in welcher Form geben wird, steht am Tag nach dem Drei-Tage-Marathon für die Veranstalter noch in den Sternen. Dennoch sind sich die Initiatoren Andreas Pöschl, Leiter des Kulturamtes des Elbe-Elster-Kreises, und André Speri von der F60 Concept GmbH einig, dass es künstlerisch und organisatorisch ein sehr gelungenes Angebot war. Auch kommuniziert wurde das neue Festival über Presse, Funk und Fernsehen und natürlich die sozialen Medien. Ungünstig war hingegen, dass für Doberlug-Kirchhain und Domsdorf jeweils 25 Euro Eintritt zu zahlen waren, während in Finsterwalde wegen des Stadtfestes mit freiem Eintritt gelockt wurde. Und der Tag der Bundeswehr in Holzdorf sowie das Musikfestival in Hirschfeld fanden zeitgleich statt.

In Search Of A Rose behalten ihren Auftritt in Finsterwalde in bester Erinnerung.
In Search Of A Rose behalten ihren Auftritt in Finsterwalde in bester Erinnerung. FOTO: Heike Lehmann

Dem Kulturamtsleiter ist dennoch der europäische-Aspekt sehr wichtig, „weil Europa wichtig ist und da gehört auch dazu, europäische Musik in unsere ländliche Region zu transportieren“, wie er sagt. Für ihn steht außer Frage, wer im Doberluger Schlosshof, in der Geschwister-Scholl-Straße in Finsterwalde und in der Brikettfabrik Louise in Domsdorf dabei war, „der war fasziniert.“

„Aber es wurde kein Publikumserfolg“, räumt André Speri als erstes Festival-Fazit ein. „In Finsterwalde war es richtig Bombe, da haben die Leute gefeiert und getanzt. Ich habe Stammpublikum von unserem F 60 European Celtic Festival gesehen, aber auch viele junge Leute. Am Ende haben die Bands auf der Bühne noch eine gemeinsame Session gespielt“, freut er sich. Die Schlussband „In Search Of A Rose“ hat am Sonntag bei Facebook gepostet: „Vielen Dank an André Speri und an alle, die gestern nach Finsterwalde gekommen sind und gefeiert haben. Das war ein herrlicher Abend und es war uns eine Ehre, mit Henk Hulzinga und The Rapparees die Bühne gemeinsam gerockt zu haben. Hoffentlich bis ganz bald !!!“ Speri schlussfolgert: „Es hat also auch in Finsterwalde mit dieser Musik, mit Irish Folk und Celtic, funktioniert.“

Die Polkaholix haben im Doberluger Schlosshof nach An Erminig für eine kraftvolle Musikmischung gesorgt und die Besucher mitgerissen.
Die Polkaholix haben im Doberluger Schlosshof nach An Erminig für eine kraftvolle Musikmischung gesorgt und die Besucher mitgerissen. FOTO: Heike Lehmann

Internationale Spitzentänzer der Irish Beats Dance Company aus Berlin setzten mit ihrem Irish Dance noch ein i-Tüpfelchen obendrauf, wofür es tollen Applaus gab. Die Coaches Nicole Ohnesorge und Gyula Glaser hatten am Freitag auf Schloss Doberlug schon ihren Auftritt als Duo.

Warum es am ersten Abend im idyllischen Doberluger Schlosshof, von dessen Atmosphäre Speri in höchsten Tönen schwärmt, dennoch „nicht ausreichend gelungen ist“, diese Musik den Leuten nahe zu bringen, müsse noch gründlich analysiert werden. An Erminig aus Frankreich hatte mit eingängigen  Liedern und Balladen aus der Bretagne begonnen. Kraftvoll lockte Polkaholix das Publikum dann aus der Reserve, bis es mitgetanzt hat. Es gab SurfPunk, KrautRock, PolkaSka – mal deutsch, mal englisch, aber immer mit Volldampf. Wer das verpasst hat, ärgert sich zu Recht.

Pöschl ist überzeugt: „Das Festival war sehr vielschichtig. In Domsdorf am dritten Tag wurde ein künstlerisch genialer Familientag geboten. Will man in unserer eher dünn besiedelten Region nicht nur Tradition und Volksfest haben, muss man dran bleiben. Aber wir wissen jetzt noch nicht, ob es ein zweites Mal gibt.“ Das Elbe-Elster Festival wurde gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“.

Hoffnung macht vielleicht, dass es in Finsterwalde Besucher gab, die Irish Folk und Celtic für sich entdeckt haben. Lutz Patzwaldt und Reno Ullrich gehören dazu. Lutz Patzwaldt sagt: „Ich war noch nie bei Celtic Music an der F 60. Die Musik gefällt mir aber und das nächste Mal bin ich dabei.“ Auch manch anderer, der wie beim Sängerfest durch die Stadt schlenderte, blieb stehen und staunte „Gute Musik hier!“