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Weil es Menschen gibt, die arm sind

Gemeinsam mit Sozialministerin Diana Golze (5.v.l.) wird das Band für das Logistik-Zentrum und die Finsterwalder Tafel zerschnitten.
Gemeinsam mit Sozialministerin Diana Golze (5.v.l.) wird das Band für das Logistik-Zentrum und die Finsterwalder Tafel zerschnitten. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. In Finsterwalde ist gestern das Südbrandenburger Tafel-Logistik-Zentrum eröffnet worden. Es ist bundesweit das erste seiner Art. Heike Lehmann

"Jeder gibt, was er kann" ist der Leitspruch der Tafeln in Deutschland. Sie verteilen überschüssige Lebensmittel von Discountern, Herstellern oder Spendern an Bedürftige. Dieser Gedanke hat gestern die Eröffnung des Südbrandenburger Tafel-Logistik-Zentrums im Gröbitzer Weg von Finsterwalde bestimmt. Viele Beteiligte - Ideengeber, Sponsoren, Ehrenamtliche und Helfer - haben ein Projekt auf den Weg gebracht, das den regionalen Tafeln künftig nicht nur mehr Lebensmittel zur Verfügung stellen wird. Die ehrenamtliche Arbeit wird effizienter, weite Wege, um Waren heranzuschaffen, sollen entfallen. Die Idee ist, Kühl-, Gefrier- und Lagerkapazitäten an einem Ort gemeinsam zu nutzen, "um Großspenden annehmen zu können und gerechter zu verteilen", sagt Inga-Karina Ackermann, Landesvorsitzende vom Arbeitslosenverband Deutschland Brandenburg. Damit kämen die Lebensmittel dort an, wo sie gebraucht werden.

Ihr Verein wird das Logistik-Zentrum betreiben. Beteiligt sind 13 regionale Tafeln in Südbrandenburg. "Und es können noch mehr werden", so Ackermann.

Noch sind die Kühlzellen und Lagerräume leer. Aber in der nächsten Woche werden die ersten Lastzüge anrollen, hofft Geschäftsführer Jens Rode. Platz ist für jeweils 34 Paletten Niedertemperatur-, Kühl- und Trockenware.

Dass der ehemalige Supermarkt, der lange leer stand, jetzt für Tafel-Zwecke genutzt werden kann, ist vor allem der Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land" zu verdanken. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU), auch Vorsitzender von Verwaltungsrat und Kuratorium, dazu: "520 000 Euro sind an diesem Standort sinnvoll eingesetzt. 290 000 Euro für den Umbau, einen zehnjährigen Mietvertrag und einen Zuschuss zur Betreibung des Logistik-Zentrums sowie 230 000 Euro für die Finsterwalder Tafel und deren Umbau, Miete, Kühlanlagen und Betreibungszuschuss."

Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) lobt die Initiative und würdigt "die Kooperation der Tafeln untereinander, das Miteinander anstelle von Ellenbogen ist schön". Tafeln seien notwendig, weil es auch im reichen Deutschland Armut gebe, sagt sie. Die Ursachen dafür müsse man gemeinsam angehen. Mitgebracht hatte sie knapp 19 000 Euro aus Lottomitteln.

Die Finsterwalder Tafel gibt es seit 1999 in Regie der evangelischen Kirchengemeinde. Die Idee hatte Barbara Hackenschmidt, damals Büroleiterin der Sozialministerin Regine Hildebrandt in Finsterwalde und heute selbst SPD-Landtagsabgeordnete. Bis zu 850 Menschen versorgt die Finsterwalder Tafel heute wöchentlich. Pfarrer Markus Herrbruck freut sich über die neuen Räume und das ehrenamtliche Engagement, sagt aber dennoch aus tiefstem Herzen: "Ich wünsche mir, dass es Tafeln irgendwann nicht mehr geben muss."