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| 02:41 Uhr

"Weg zum Bildungsgutschein steht jedem offen"

Marion Putze (r.) informiert sich am Stand von TÜV Rheinland bei Simone Mitzschke (l.) über Weiterbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich. Doch solange sie in der Bürgerarbeit steckt, kann sie dafür keine Förderung erhalten.
Marion Putze (r.) informiert sich am Stand von TÜV Rheinland bei Simone Mitzschke (l.) über Weiterbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich. Doch solange sie in der Bürgerarbeit steckt, kann sie dafür keine Förderung erhalten. FOTO: Gabi Böttcher
Massen. Wer seine berufliche Zukunft im Bereich der Gesundheit und Pflege sucht, bekam Mittwochnachmittag in der Kröger-Gesundheitspassage in Massen Ausbilder und Arbeitgeber, ja freie Arbeitsstellen auf dem Tablett serviert. Gabi Böttcher

250 Interessierte nutzten die Chance laut Angabe der Organisatoren von Agentur für Arbeit, Jobcenter und Beschäftigungspakt 50plus. Sie und die Mehrzahl der 25 Aussteller zeigten sich zufrieden über die Resonanz. Schon eine halbe Stunde nach Beginn der Gesundheitsmesse hatte Petra Sickert einen Bildungsgutschein auf dem Tisch. Die Vertreterin der HEC Umweltingenieur- und Bildungsgesellschaft mbH aus Kamenz, Schulungsstätte Oppelhain, warb unter anderem für die Ausbildung zur Fachkraft für häusliche Dienste und Familienpflege und einen Grundkurs Pflege und Betreuung. Hinter dem Bildungsgutschein steckt ein Teilnehmer an dem am 17. März beginnenden Kurs, in dem noch weitere Plätze frei sind.

Sandra Baumann (37) aus Stechau informierte sich auch am Stand von Petra Sickert und der sie unterstützenden Referentin Inge Jaskulla. Die Mutter von zwei Kindern will ihr Hausfrauendasein beenden und sucht auch für ihren Sohn, der in der 9. Klasse ist, Anregungen. "Ich würde gern wieder neu in einen Job starten. Langsam wird es langweilig zu Hause. Und irgendwann will man raus und wieder gebraucht werden", sagt die Stechauerin. Ihre Ausbildung zur Bürokauffrau hatte sie 1996 abgeschlossen und seitdem nicht gearbeitet. Jetzt würde sie gern zur Kauffrau im Gesundheitswesen umschulen.

Petra Sickert, die schon beim Fachkräfteforum mit rund 70 Teilnehmern am Vormittag dabei war, sieht eine Lücke im System: "Es gibt viele, die weder von der Agentur noch vom Jobcenter Leistungen erhalten. Damit bekommen sie auch keinen Bildungsgutschein." Für die Ausbildung zur Fachkraft für häusliche Dienste und Familienpflege, die 480 Stunden dauert, müssten allerdings rund 7000 Euro aufgebracht werden. Ohne Bildungsgutschein müsse man sich das erst mal leisten können. "Diese Lücke müsste die Politik schließen", ist sie überzeugt. Thomas Mierisch, Teamleiter Arbeitgeber-Service bei der Agentur für Arbeit, sieht diese Lücke seit einigen Jahren ausgeräumt, doch sie stecke offenbar noch immer in den Köpfen fest. "Jedem, der bei uns als arbeitsuchend gemeldet ist, steht der Weg zum Bildungsgutschein frei", betont er. In einzelnen Fällen würden andere Gründe dies verhindern. Ein solcher trifft wohl bei Marion Putze aus Eichholz zu. Für sie endet im September eine dreijährige Bürgerarbeitsstelle im Pflegeheim in Finsterwalde. Am Stand von TÜV Rheinland informiert sie sich über Weiterbildung im Pflegebereich. Arbeitsvermittlerin Anja Strutzik vom Jobcenter muss sie jedoch vertrösten. Erst wenn die Bürgerarbeitszeit endet, könne die Möglichkeit einer Förderung geprüft werden. Marion Putzes Daten sind aufgenommen. Im September kann sie erneut Anlauf nehmen.

Ein zufriedenes Gesicht macht Thomas Mierisch aus dem Team der Messeorganisatoren. Nur einen Wermutstropfen gibt es aus seiner Sicht: Keine einzige häusliche Krankenpflege hatte den Weg nach Massen gefunden. Das Riesenproblem des zunehmenden Fachkräftebedarfs, das schon beim Forum am Vormittag ein weiteres Mal deutlich gemacht worden war, ist zudem für Sorgenfalten gut. "Auf eine Stelle für einen Altenpfleger kommen derzeit 0,67 Bewerber. In Elbe-Elster sind mehr als 40 Stellen unbesetzt", markiert Mierisch den aktuellen Stand. Und sollte die Rente mit 63 kommen, würde die Lücke noch größer.

Das im Fachkräfteforum vorgestellte Beispiel einer älteren Arbeitnehmerin, die sich zur Betreuungs- und Pflegeassistentin fortgebildet hat und nun in der Fontana-Klinik angestellt ist, machte allen Mut. Der wird gebraucht - denn: "Es ist schon Viertel nach 12", so Thomas Mierisch.