ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:40 Uhr

Verwunschener Sallgaster Wasserturm
Für Rapunzel wär’s ein Traum

Der Wasserturm von Sallgast, gelegen am Fürst-Pückler-Radweg, sucht einen Nutzer. Hartmuth Hofmann vom Ortsbeirat bedauert, dass aus dem Interesse eines Künstlers, hier ein Atelier einzurichten, nichts geworden ist.
Der Wasserturm von Sallgast, gelegen am Fürst-Pückler-Radweg, sucht einen Nutzer. Hartmuth Hofmann vom Ortsbeirat bedauert, dass aus dem Interesse eines Künstlers, hier ein Atelier einzurichten, nichts geworden ist. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Sallgast. Für den Wasserturm in Sallgast ruht trotz einer Werbeoffensive weiterhin still der See. Von Gabi Böttcher

In eine Werbeoffensive für das Schloss Sallgast und den wenige hundert Meter entfernt im Wald gelegenen Wasserturm sind Gemeinde Sallgast und Amt Kleine Elster kurz vor Weihnachten 2017 gegangen. Während es für das Schloss zumindest einige Nachfragen gibt, ruht für den Wasserturm weiterhin still der See. Dabei könnte man sich eine Nutzung des imposanten Bauwerkes, dessen Fertigstellung am 26. Januar 1926 öffentlich angezeigt worden war, sehr gut vorstellen. Belege für diese Entstehungszeit hat Wolfgang Bauer, Vorsitzender des Heimatvereins Sallgast, aus historischen Quellen und widerspricht damit vehement Angaben, die vom Bau des Turmes im Jahr 1908 sprechen. Wolfgang Bauer bezieht sich dabei auch auf die Genehmigung zum Bau, die nach seinen Recherchen auf den 2. April 1925 datiert ist. 1908 oder 1926 – auch wenn sich hier offenbar kein Konsens feststellen lässt – was die Wirkung des Turms angeht, sieht das anders aus. Über eine imposante Außentreppe gelangt der Besucher zu zwei übereinanderliegenden kreisrunden Räumen. Malereien in der oberen Etage zeugen von einer einstigen Nutzung als Jagd- und Vergnügungszimmer. Einmal habe ein Künstler damit geliebäugelt, sich hier ein Atelier einzurichten. Aber leider wurde daraus nichts, erzählt Hartmuth Hofmann, Vorsitzender des Schlossbeirates.

Im Jahr 2001 ist der Wasserturm vom Wasserverband Lausitz an die Gemeinde Sallgast verkauft worden. Fast 70 Jahre lang hatte er seine Funktion erfüllt. Mitte der 60er-Jahre war ihm zu Füßen noch eine Druckerhöhungsstation gebaut worden. Mitte der 1990er-Jahre war der Betrieb des Turmes nicht mehr notwendig. Im Besitz der Gemeinde waren 2004 die notwendigsten Instandhaltungen an Dach und Fassade ausgeführt und neue Fenster eingebaut worden.

Froh ist man in der Gemeinde, dass die benachbarte Druckerhöhungsstation im Jahr 2002 an einen privaten Nutzer verkauft werden konnte, der sie zu einem Jagdhaus umbaute und seither viele Gäste dort beherbergt. Leben am Fuße des Wasserturmes wird seit Jahren in der Regie des Diplom-Forstingenieurs Bernd Friedrich in die idyllische Natur gebracht. Der Sallgaster, der heute in der Betriebszentrale der Forstbehörde in Potsdam tätig ist, betreut Sallgaster Grundschüler im Grünen Klassenzimmer. Er ergreift jede Gelegenheit, Menschen auf den Wasserturm anzusprechen und für dessen Nutzung zu werben. „Da schlummert ein Schatz, der gehoben werden müsste“, sagt Bernd Friedrich. Eine frühere Idee, im Turm eine Waldschule einzurichten, ließ sich aus Sicherheitsgründen nicht umsetzen. Dafür gibt es im Areal einen Fahrradparkplatz, eine Picknickstelle, ein Insektenhotel, Schautafeln mit naturkundlichen Informationen und einen – leider nicht mehr intakten – Pfad der Sinne. „Die Lage am Fürst-Pückler-Radweg ist sehr günstig“, sagt Hartmuth Hofmann. Bisherige Bemühungen, das Areal über Sallgast hinaus schmackhaft zu machen, seien leider erfolglos geblieben. So habe man in den Jahren 2012/2013 sämtliche Schulen in der Region angeschrieben und zur Nutzung des Grünen Klassenzimmers eingeladen. Allein die Sielmann-Grundschule aus Crinitz habe überhaupt auf das Schreiben reagiert. „Das war total deprimierend“, so der Schlossbeirats-Vorsitzende, der das Engagement von Bernd Friedrich umso höher schätzt.

Um die Nutzung des Wasserturmes selbst in die Hand zu nehmen, fehlen der Gemeinde die Mittel. Lediglich laufende Reparaturen, wie zum Beispiel nach jüngsten Sturmschäden, seien möglich. Deshalb hoffe man auf einen Interessenten, der sich für das Kleinod unweit des Schlosses Sallgast einsetzen würde. „Es wäre schön, wir würden da doch noch Glück haben“, sagt auch Frank Tischer, ehrenamtlicher Bürgermeister von Sallgast. Eine Idee, um zumindest etwas Kleingeld für den Unterhalt des Turmes und die Nutzung des Grünen Klassenzimmers einzuspielen, hat indes der Forstmann Bernd Friedrich: „Wir wollen mit den Kindergartenkindern einen kleinen Wasserturm bauen und ihn als Spendenbox einsetzen.“ Dass unter den Gästen des Ortes doch noch einmal jemand auftaucht, der sich des Wasserturmes annimmt – daran will auch Bernd Friedrich glauben.

Zum Bauwerk

Den Denkmalwert sehen Fachleute sowohl in seiner künstlerischen aus auch geschichtlichen Bedeutung. In seiner Verbindung von herrschaftlichem Jagdzimmer und Wasserturm stellt er ein einzigartiges Nutzungskonzept dar. Die Form der Turmhaube stellt die Beziehung zum nahegelegenen Schloss her.