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Gesucht, aber auch gefunden?
Was sich 2017 in den Fundbüros angesammelt hat

Brillen, Schlüssel, Portemonnaies und Fahrradhelme: Auch 2017 sind in den Fundbüros in Elbe-Elster wieder zahlreiche verloren gegangene Gegenstände abgegeben worden. Nicht immer lassen sich die Besitzer finden.
Brillen, Schlüssel, Portemonnaies und Fahrradhelme: Auch 2017 sind in den Fundbüros in Elbe-Elster wieder zahlreiche verloren gegangene Gegenstände abgegeben worden. Nicht immer lassen sich die Besitzer finden. FOTO: Jenny Theiler / LR
Elbe-Elster. Handys, Geldbörsen und Fahrräder: Die Liste der Gegenstände, die sich das Jahr über im Fundbüro anfinden, ist lang. Doch nicht alles kann ewig aufgehoben werden – und manches bewegt sich sogar. Von Daniel Friedrich

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon ist es passiert: Im Bus ist der Haustürschlüssel aus der Tasche gerutscht und bleibt auf dem Sitz liegen, auf der Parkbank hat jemand seine Mütze vergessen und in der Umkleide vom Freibad liegt ein herrenloses Portemonnaie. Wer Glück hat, dessen Eigentum wird von einem ehrlichen Finder entdeckt. Der steckt sich den Fund nicht selbst ein, sondern bringt ihn ins städtische Fundbüro. In Finsterwalde trifft er dort auf Antje Sickora. Die Rathausmitarbeiterin hat in diesem Jahr viele „alte Bekannte“ in ihrer Fund-Datenbank registriert: Handys, Geldbörsen, und 59 Fahrräder – „das Übliche“, wie sie sagt. Bei einigen Fundsachen konnte der Eigentümer schnell ermittelt werden, etwa weil persönliche Daten auf ihn hinwiesen. Schwieriger gestaltet sich die Suche dagegen bei Brillen oder Schlüsseln. „In der Regel rufen die Leute bei uns an, wenn sie etwas vermissen, oder sie werden durch die Bekanntmachung im Stadtanzeiger darauf aufmerksam gemacht“, sagt Antje Sickora. Meist werden dann die Kontaktdaten ausgetauscht, sodass sich der Eigentümer beim Finder bedanken kann. Allerdings gäbe es mehr Anfragen nach verloren gegangenen Gegenständen als Abgaben.

Fundsachen werden versteigert oder vernichtet

Mindestens ein halbes Jahr lang bewahrt die Stadtverwaltung die Fundsachen auf. Kann bis dahin der Eigentümer nicht ausfindig gemacht werden, hat der Finder die Möglichkeit, neuer Eigentümer zu werden. Oder aber die Gegenstände werden versteigert. „Das geschieht auch bei verderblichen Fundstücken. Den Geldwert bewahren wir dann vorerst auf“, erklärt die Finsterwalder Fundbüro-Leiterin. Schlüssel dagegen werden nach Verstreichen der Frist vernichtet.

Einige Fundgegenstände sind wohl Diebesgut

Manche Funde werfen allerdings auch ihre Fragen auf: So wurde 2016 in Bad Liebenwerda ein hochwertiges Rennrad gefunden – bis heute hat sich niemand nach dem Rad erkundigt. 2017 sind in Finsterwalde zudem zwei Elektro-Fahrräder im Fundbüro abgegeben worden. Doch wie kann man sein Fahrrad denn einfach verlieren? „Oft werden Gegenstände von der Polizei sichergestellt und ins Fundbüro gebracht, beispielsweise wenn sie in Bahnhofsnähe gefunden werden. Wenn lange niemand bei uns nach einem hochwertigen Fahrrad fragt, liegt der Verdacht nahe, dass es in einer anderen Stadt gestohlen wurde“, so die Erklärung von Martin Neumann vom Fundbüro in Bad Liebenwerda. Neben einer Jacke und einer EC-Karte wurde bei ihm am Jahresbeginn auch ein Ohrring abgegeben, der bis heute nicht an den Mann (oder die Frau) gebracht werden konnte. Insgesamt seien in diesem Jahr 31 Gegenstände im Bad Liebenwerdaer Fundbüro registriert worden, etwas weniger als im Vorjahr. Auch in Elsterwerda liegen die Zahlen in diesem Bereich. Das Fundbüro in Mühlberg meldet insgesamt 25 Fundsachen, davon konnten viele ihrem Eigentümer zurückgegeben werden. In Doberlug-Kirchhain kamen rund 50 Fundstücke zusammen, darunter auch eine Geldbörse mit mehreren hundert Euro, Bankkarten und Ausweisen, die eine ehrliche Finderin im Rathaus abgab. „Manchmal wundern wir uns aber auch, wenn zum Beispiel Autoschlüssel länger bei uns bleiben und niemand danach fragt. Dabei wäre es eigentlich intuitiv, bei Verlust einmal im Fundbüro nachzufragen“, meint Christian Steinborn, der für das Fundbüro Doberlug-Kirchhain zuständig ist.

Auch Tiere unter den „Fundsachen“

Doch nicht nur Gegenstände zählen zu den Fundsachen im Elbe-Elster-Land: Auch mit Tieren, die ohne Besitzer umherlaufen, haben es die Fundbüros zu tun. So wurden im zu Ende gehenden Jahr 14 herrenlose Hunde in Finsterwalde registriert. Davon konnte einer bislang nicht vermittelt werden. Zudem galten zehn Katzen als lebendige Fundsache, ebenso wie zwei Wellensittiche. „Sie werden zunächst im Tierheim Langengrassau untergebracht, bis sich der Besitzer findet“, erklärt Antje Sickora von der Stadtverwaltung Finsterwalde. Vermutlich sind auch nicht alle aufgefundenen Tiere entlaufen: Einige wurden von ihren Haltern schlicht ausgesetzt.