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| 01:08 Uhr

Was Max Pöthko einst begann

FINSTERWALDE.. Wenn heute Erich Liefring im Kreise der Familie, Bekannten und Geschäftspartner das Glas erhebt und einen Tost auf seinen Großvater Max Pöthko spricht, dann ist das ein Tost auf das Handwerk, die Tradition und die Familie, denn auf diesen drei Säulen ruht das Finsterwalder Bestattungsunternehmen Erich Liefring seit nunmehr 100 Jahren. Von Torsten Pötzsch

„Liefrings“ - wohl jedem Finsterwalder ist dieser Familienname bekannt. Er steht als Synonym für Qualität, Service, Hilfe und Beistand für die schwersten Stunden im Leben.
Kaiserreich, Weimarer Republik, der Nationalsozialismus und die Planwirtschaft - viele Systeme und Herrscher kamen und gingen, „Lief rings“ blieben, und sie blieben sich treu, und so kann man heute das 100-jährige Firmenjubiläum feiern.
Als am 29. Juni 1903 der Tischlermeister Max Pöthko seine in der Cottbuser Straße angesiedelte Tischlerei für Fenster, Türen und Särge eröffnete, ahnte er sicherlich nicht, dass sich sein Unternehmen in den nächsten 100 Jahren zu einem der führenden Bestattungsunternehmen in der Region entwickeln wird und einen hervorragenden Ruf weit über die Grenzen der Niederlausitz hinweg genießt.

Marie musste mithelfen
Schwer war die Zeit des Anfangs, und auch Ehefrau Marie musste mithelfen, um die Schulden für Werkstatt und Wohnhaus abzutragen. Während ihr Mann Max in der Tischlerei arbeitete, handelte sie mit Kohlen, Lebensmitteln und kochte für ein paar Groschen Mittagessen für die Arbeiter der Ofenfabrik Quitter und für die Arbeiter der Schraubenfabrik.
Das Leben war hart und entbehrungsreich, doch es ging ständig voran. 1914 wurde der erste Pferdeleichenwagen angeschafft, bisher wurden die Särge auf Handwagen transportiert. Diese Anschaffung wurde zu einem „Medienereignis“ . Bei der Abholung des neuen Gefährtes machte man eine „Schaufahrt“ durch die gesamte Stadt, um auf die Neuerung aufmerksam zu machen. Die Pferde waren mit schwarzen, reich bestickten Decken behangen, hatten Federstutzen am Kopf und zogen ein wahrhaft prunkvolles Gefährt. Die Überführung mit diesem Wagen kostete damals 15 Mark.
Obwohl Finsterwalde reich gesegnet war mit Tischlereien, die sich auch mit der Sargherstellung beschäftigten, konnte Max Pöthko sein Geschäft kontinuierlich ausbauen und sich den größten Marktanteil sichern.
1927 konnte man sich sogar einen Leichenwagen vom Typ Horch anschaffen und damit die immer größer werdenden Entfernungen bei Überführungen bewältigen. Doch mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Leichenauto eingezogen, und der Pferdewagen kam wieder zum Einsatz. Es war eine harte, eine schwere, eine finstere Zeit, und die ständig mehr werdenden Überführungen und Bestattungen von Soldaten wurden hauptsächlich durch das Bestattungsinstitut Max Pöthko durchgeführt. Erst drei Jahre nach dem Krieg stand wieder ein Auto zur Verfügung.
1951 begann Erich Liefring als Umschüler im großelterlichen Betrieb. Neben seiner Bestattertätigkeit erlernte er den Beruf des Tischlers, drückte nebenbei die Schulbank und legte 1958 vor der Handwerkskammer in Cottbus seine Meisterprüfung im Tischlerhandwerk ab. Ein Jahr danach übernahm er den großväterlichen Betrieb und entwickelte ihn ständig weiter. Trotz der Mangelwirtschaft - es fehlte an Holz, an Maschinen und an Fahrzeugen - waren Erich Liefring und seine Frau Ingeborg immer bemüht, den Hinterbliebenen in ihren schwersten Stunden die größtmögliche Unterstützung und Hilfe zukommen zu lassen.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte Erich Liefring einen Leistungskatalog, der noch heute als Maßstab in der Branche gilt.

Mit 70 in den Ruhestand
Nach der Wende ergaben sich ganz neue Möglichkeiten. Voller Tatendrang und Schaffenskraft „stürzte“ sich Erich Liefring in die Marktwirtschaft. Mit viel Erfolg, wie man heute sehen kann. Schon lange notwendige Investitionen wurden getätigt. Es kamen zwei neue Leichenwagen, Laden- und Büroräume wurden erweitert und modernisiert, die Geschäftshausansicht wurde erneuert, und auch eine 130 Quadratmeter große Lager- und Arbeitshalle gehörten zu den Investitionen. Erich Lief ring muss es wohl von seinem Großvater gelernt oder geerbt haben, jedenfalls führte auch er das Geschäft unter den neuen Bedingungen zum Erfolg.
Im Juli des vergangenen Jahres feierte er seinen 70. Geburtstag und entschloss sich, den Betrieb nach 51-jähriger Tätigkeit im Dienste der Bürger von Finsterwalde und Umgebung abzugeben und gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingeborg den wohlverdienten Ruhestand zu genießen.
Seit 1. Januar diesen Jahres ist Karl Leonhard, der über langjährige Erfahrungen im Bestattungsgewerbe verfügt, neuer Inhaber des Bestattungsinstituts Erich Liefring. Neben dem Namen wurden auch die Mitarbeiter übernommen, und Karl Leonhard wird das Unternehmen mit der bewährten Zuverlässigkeit und Seriosität weiterführen.
Doch so richtig loslassen kann und mag Erich Liefring immer noch nicht, und so steht er weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. „In der Verantwortung des Vertrauens, das die Bürger in unser Handeln haben“ , erklärt Karl Leonhard.