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| 14:03 Uhr

Waldwerkstatt in Doberlug-Kirchhain
Die Birke ist so viel mehr als Unkraut

 Über 50 Privatwaldbesitzer und Förster sind für die zweite Waldwerkstatt der Landeswaldoberförsterei Doberlug- Kirchhain nach Elbe-Elster gereist.
Über 50 Privatwaldbesitzer und Förster sind für die zweite Waldwerkstatt der Landeswaldoberförsterei Doberlug- Kirchhain nach Elbe-Elster gereist. FOTO: VRS
Doberlug-Kirchhain/Plessa. Waldwerkstatt in Doberlug-Kirchhain lockt Waldbesitzer und Förster aus weiten Teilen Deutschlands an.

Die Birke in der forstwirtschaftlichen Nutzung war Thema der zweiten Waldwerkstatt in der Landeswaldoberförsterei Doberlug-Kirchhain und in einem Waldgebiet zwischen Döllingen, Plessa und Hohenleipisch. Ziel war ein Erfahrungsaustausch zwischen Bewirtschaftern von Landeswäldern und Privatwäldern.

Über 50 Teilnehmer aus einer breiten Zielgruppe aus Privatwaldbesitzern, Waldbesitzerverbänden und Förstern aus dem Landeswald waren dazu aus weiten Teilen des Bundesgebietes angereist. „Die Interessen der Waldbewirtschafter gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Alle Teilnehmer haben das Ziel, mit der Birke arbeiten zu wollen“, beschreibt Diplom-Forstwirt Christoph Ertle vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V. (FIB) Finsterwalde.

Warum die Birke? Die Birke ist Bestandteil des Projektes „Plan Birke- forsch voran“. Der Laubbaum ist in der Vergangenheit forstwirtschaftlich stark vernachlässigt worden. Sogar als Unkraut wurde er gesehen. Aus diesem Grund gibt es relativ wenig Informationsmaterial. Über den Wasserhaushalt der Birke wisse man zum Beispiel gar nichts, so Christoph Ertle, beim FIB zuständig für Waldökosystemforschung, Waldnutzung und Rekultivierung. Dabei hat die Birke viele Vorteile: Als Pionierbaum ist sie imstande, nach einem Sturm oder nach Feuer überall von ganz alleine Lücken zu schließen. Sie sichert so die Waldfunktion. Sie verbessert den Humushaushalt, sie trägt zur Artenvielfalt bei, was letztlich ebenfalls die Sicherheit des Waldes erhöht, so beim Insektenbefall, bei Waldbränden oder bei anderen Schädigungen.

Die Baumart bietet zudem vielfältige wirtschaftliche Vorteile, in Form von vielen Nischenproduktmöglichkeiten, vom Birkenwasser, über Birkenrinde, Birkentee bis hin zum Holz. Die Birke hat ein helles Holz, das im Moment sehr gefragt ist. Birkenholz kommt aber kaum aus Deutschland. Hauptsächlich wird aus Skandinavien und Russland importiert.

Anhand von drei Beispielflächen wurden zwischen Döllingen und Plessa die waldbaulichen Potenziale der Birke unter die Lupe genommen und diskutiert. Bei Plessa gibt es viele Mischbestände. Die Mischung bringt Stabilität in den Wald. Das Risiko, dass Kiefern umfallen, von Insekten befallen oder vom Waldbrand zerstört werden, ist hier deutlich geringer. Auf einem Versuchsfeld wurde ein hydrologisches Messfeld aufgebaut. Dort wird der Wasserhaushalt zwischen Kiefer und Birke untersucht. Hier wird in den Mischwald geschaut, wie viel Wasser die Birke der Umwelt wegnimmt. Wie viel verbraucht die Birke, was verdunstet sie im Vergleich zur Kiefer, wie viel Wasser kommt im Boden an und wie viel Wasser wird zurückgehalten durch die Kronenschicht. „Daneben suchen wir nach Input von außen. In solchen Veranstaltungen wollen wir Erfahrungsberichte aus der Praxis sammeln, Ideen bekommen. Wie macht es der Förster in Mecklenburg, in Sachsen, in Niedersachsen? Was macht der Waldbesitzer, der eigentlich ein ganz anderes Thema umsetzen will?“, so Christoph Ertle.

 Über 50 Privatwaldbesitzer und Förster sind für die zweite Waldwerkstatt der Landeswaldoberförsterei Doberlug- Kirchhain nach Elbe-Elster gereist.
Über 50 Privatwaldbesitzer und Förster sind für die zweite Waldwerkstatt der Landeswaldoberförsterei Doberlug- Kirchhain nach Elbe-Elster gereist. FOTO: VRS
(vrs)