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| 15:54 Uhr

„Echte“ Urlauber entdeckt
Waldbad-Idylle lockt nach Crinitz

Haben sich in den Campingplatz am Crinitzer Waldbad, die Radwandermöglichkeiten und die Natur in der Region verliebt: Gisela und Reinhard Fauth. Sie kommen aus dem niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Gisela Fauth hat familiäre Wurzeln in der Region.
Haben sich in den Campingplatz am Crinitzer Waldbad, die Radwandermöglichkeiten und die Natur in der Region verliebt: Gisela und Reinhard Fauth. Sie kommen aus dem niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Gisela Fauth hat familiäre Wurzeln in der Region. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Finsterwalde/Crinitz. Über Mangel an touristischen Tagesgästen kann die Region des Altkreises Finsterwalde nicht klagen. Ein „Hotspot“ für Urlauber, die eine Woche und länger bleiben, ist sie indes (noch) nicht. Von Gabi Böttcher

Nach „echten“ Urlaubern muss man in der Region offenbar mit der Lupe suchen. Gemeint sind solche, die frei von irgendwelchen familiären Bindungen auf die Landkarte schauen und Elbe-Elster als Urlaubsziel auswählen. Und das für mindestens eine Woche. Reinhard Scholz vom Hotel Zum Vetter in Finsterwalde sagt: „Wir leben zu 70 bis 80 Prozent von Geschäftsreisenden.“ „Reine“ Urlauber seien eher die Ausnahme. Eine Erfahrung, die Reinhard Scholz auch mit Manuela Salzmann, Chefin des Boulevard-Hotels Sängerstadt, teilt. Meist gebe es familiäre Hintergründe für Besuche und Übernachtungen in Finsterwalde. So bei einem älteren Ehepaar, das mal hier gelernt habe, erzählt Reinhard Scholz. Oder bei einer Dame aus Iowa, deren Großmutter von hier stammte. Oder es seien Gäste, die ihre Verwandten hier besuchen. Und auch das führt zu einem Stopp: Eine Panne bei der Radtour. Wer dann aber tatsächlich für ein paar Tage in Finsterwalde sei, der lobe, was die Stadt zu bieten habe. Reinhard Scholz erkennt einen positiven Trend: „Es läuft besser als noch vor vier, fünf Jahren. Es machen insgesamt mehr Menschen Urlaub in Deutschland. Und wenn es ein Kurzurlaub ist.“

Aus Crinitz kommt die Nachricht: „Bei uns ist ein Ehepaar aus der Nähe von Hannover. Mit dem Wohnmobil“, weiß Harald Stolley, Chef des Crinitzer Waldbad-Vereins. Die beiden seien auch länger als eine Woche da. Und das nicht zum ersten Mal. – Na klasse. „Echte“ Urlauber gefunden! Wie Gisela und Reinhard Fauth aus Seggenbruch in ihren Liegestühlen am äußeren Rande der Wiese im Waldbad Crinitz den Sommer genießen – das ist tatsächlich echter Urlaub. Doch wie sich im Gespräch herausstellt, haben auch sie lange in die Geschichte zurückreichende Bindungen an Crinitz und die Region. Emil Blüher, der Urgroßvater von Gisela Fauth, war aus Ulm nach Crinitz gekommen und hatte hier die „Crinitzer Fabrik säurefesten Steinzeugs“ gegründet, im Volksmund Bühlers Fabrik genannt. Über den zu DDR-Zeiten enteigneten Betrieb und die Familiengeschichte lassen sich Bücher füllen. Gisela Fauths Mutter – Ulrike Rauhe – die heute in Gelsenkirchen lebt, feiert in der kommenden Woche ihren 95. Geburtstag. „Meine Mutter ist immer gern zu Klassentreffen nach Finsterwalde gekommen. Die Eltern haben den Kontakt nach Crinitz und Fürstlich Drehna gehalten, das ja zu DDR-Zeiten nur Drehna genannt wurde. Mein Vater ist im Forsthaus aufgewachsen“, erzählt Gisela Fauth.

Die Liebe zur Natur und der Genuss von Ruhe fern kommerzieller Urlaubsreviere ist es denn auch, der das jetzt im Ruhestand befindliche Paar immer wieder nach Crinitz lockt. „Die Jungfernfahrt mit unserem Wohnmobil führte uns im Juni hierher, jetzt sind wir das zweite Mal in diesem Jahr da“, erzählen die Eheleute. Bestens ausgerüstet mit Radwanderkarten der Region, haben die beiden trotz der Hitze der letzten Tage einige Touren unternommen. In der Alten Schule in Drehna, wo sie früher auch in der dortigen Pension gewohnt hatten, waren sie zum Essen. Ihr Weg führte sie zu einem Crinitzer Imker und zu dessen Schafen. „Das ist wie in einer Schulstunde. Wir lernen immer etwas dazu. Das ist es, was wir suchen“, sagen die Fauths . Mit einem großen Lob bedenken sie die Mannschaft des Waldbades. Angefangen von der Toilettenanlage, die jeden Morgen in Ordnung gebrachte werde, bis hin zu den Leuten wie Viktor Scholz und Udo Hill, die sich „hier reinhängen“. „Das ist ein super gepflegtes Naturbad. Im Ort bekommen wir alles, was wir brauchen“, sagt Gisela Fauth. Und übrigens: Bis vor Kurzem hätte ein Rentnerehepaar aus der Pfalz neben ihnen auf dem Campingplatz gestanden. Für drei Nächte. Und sie wären gern noch länger geblieben, wenn sie nicht bereits feste Verabredungen auf Fehmarn getroffen hätten.

Doch wie immer gibt es auch die andere Seite der Medaille: Im Erlebnishof Schönewalde sind derzeit 40 Gäste, die tatsächlich ohne familiäre Bindungen in die Region gekommen sind. Hof-Inhaber Holger Beitsch: „Wir haben Monate im Voraus Buchungen. Viele sind Wiederholungstäter. Durch unsere engen Kontakte zu Behinderteneinrichtungen und unsere speziellen Angebote kommen gern Gruppen zu uns in den Urlaub. Dafür machen wir auch viel Werbung.“