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Wagners große Oper auf ganz kleiner Bühne

Ulrich Chmel in der ,,Tannhäuser"- Kulisse seines Papiertheaters. Foto: Jürgen Weser/jgw1
Ulrich Chmel in der ,,Tannhäuser"- Kulisse seines Papiertheaters. Foto: Jürgen Weser/jgw1 FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Doberlug-Kirchhain. Gute Augen haben die Zuschauer beim Puppentheaterfestival im Doberlug-Kirchhainer Weißgerbermuseum gebraucht. 80 Besucher drängten sich vor Chmel's Papiertheater aus Österreich und dem Figurentheater von Henning Hacke aus Weimar. Jürgen Weser / jgw1

Erinnerungen an die eigene Kinderstube mit dem kleinen Puppentheater und den Ausschneidebögen für Kaspertheater hatten die Zuschauer gelockt. Außerdem wollten sie wissen, wie Wagners große Oper in das kleine Papiertheater passt und das Märchen vom ,,Fischer und seiner Frau" mit kleinen Figuren ankommt.

Der Österreicher Ulrich Chmel liebt seit Jahrzehnten das Papiertheater und seit zehn Jahren betreibt er das Papiertheaterspiel professionell. Den Wiener reizt das Papiertheater als gehobenes Spielzeug des 19. Jahrhunderts. So hat er Wagners ,,Tannhäuser" auch gekonnt auf eine 40-minütige Fassung heruntergebrochen, die ernsthaft und witzig ist. Die Spiellaune Ulrich Chmels verbindet sich beim Papiertheater mit seinen Fähigkeiten als Zeichner. Er zeichnet und baut seine Figuren oft selbst.

Der Vorhang geht auf, rotgelb glüht der Himmel nachts über dem Venusberg und die Elfen schweben. Die Zuschauer sind im 13. Jahrhundert angekommen. Minnesänger Heinrich von Ofterdingen, genannt Tannhäuser, ist erschöpft von einem Jahr niederer aber sehr erfreulicher Minne an der Schönen vom Venusberg. Kein Wunder, dass er von der hohen Minne zu Elisabeth träumt. Chmel führt den Tannhäuser begleitet von Originalmusik aus den 30-er Jahren auf. Große Oper auf kleinstem Raum. Ulrich Chmel zeigt, dass er zu Recht als einer der besten Protagonisten des Papiertheaters gilt.

Ebensolchen Spaß haben die Zuschauer am folgenden Spiel von Henning Hacke als Fischer aus Weimar an der Ilm. Seine Frau, die Ilse-Bilse, will nicht so, wie er es will, und treibt ihn und den Butt mit ihren maßlosen Wünschen zur Verzweiflung. Humorvoll lässt Hacke die kleinen Figuren das Spiel betreiben und mit Augenzwinkern spießt er uns wohlbekannte menschliche Schwächen lustvoll auf und garniert sie mit eigenen Einfällen. Die liebevoll gestalteten Figuren und ihre Lebendigkeit im Spiel erhöhen den Spaß beim Zuschauen. Der stürmische Applaus beweist es.