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Vor allem Menschen können Engel sein

Einen sehr menschlichen Engel hatte feremansa Paula Böckelmann zu ihrer Laudatio der besonderen Art mitgebracht.
Einen sehr menschlichen Engel hatte feremansa Paula Böckelmann zu ihrer Laudatio der besonderen Art mitgebracht. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Altenau. Ziemliche Aufregung verursachte Anfang Mai zum Tag der offenen Ateliers die provokante Ausstellung zur Reformation und zu Luther im Atelier "Alter Pfarrhof" in Altenau bei Mühlberg. Paul Böckelmann und E. Jürgen Weser / jgw1

R.NA. und Gastkünstler hatten mit der Schau "Meine Reformation" die vorherrschende Sicht auf Reformator Martin Luther, die Ereignisse der Reformation und ihre Folgen hinterfragt und ein kritisches Bild entworfen.

Am Sonntag gab es nun Teil II der Ausstellung. Mit Arbeiten von Paul Böckelmann, E.R.N.A und Gastkünstlern. In die Ausstellung führte feramansa alias Paula Böckelmann aus Berlin lyrisch mit konsequent ungläubiger Haltung und kritischen Aussagen zu Glaube und Religion. Mitgebracht hatte sie einen sehr menschlichen Engel. "Mensch zu sein ist doch schon schön genug" und "auch Menschen sind Engel" lautete feremansas Credo.

So konnten die Besucher die Engelfotos von Miriam Neudecker deuten und der Suche des Fotografen Andreas Hanisch nach Luther in Konfrontation mit der Realität folgen. Paul Böckelmann und der Dresdner Maler Steffen Fischer hinterfragen auf ihren Bildern drastisch-kritisch das Wort Luthers und E.R.N.A. zwingt zum Überlegen zum Beispiel mit ihrer Grafik "Pilatus wäscht sich". Farbradierungen auf Bütten der Potsdamer Künstlerin Tina Flau thematisieren Eitelkeit und Vergänglichkeit und geben dem Traum vom Garten Eden ein besonderes Gesicht. Der Kolumbianer Juan Miguel Restrepo Valdes versucht durch das kritische Auge Luthers die mystische Aura der Reliquien zu interpretieren.

In einer öffentlichen Diskussionsrunde tauschten die Gastgeber, Essayist Dr. Roland Strauß, Tina Flau, feremansa und der Senftenberger Philosoph Gerd Rüdiger Hoffman im Kontext zur Ausstellung ihre Auffassungen zum Jubiläumsjahr der Reformation und Luthers Wirken sowie die Luthermanie als Eventkapitalismus des Jahres aus. Kontrovers wurde zum Beispiel die These von Dr. Strauß diskutiert: "Wer Luther ablehnt, lehnt den Menschen ab."

Die Ausstellung ist bis zum 3. Dezember zu sehen. Voranmeldungen sind erwünscht. Ein 300 Seiten starker Katalog enthält alle Kunstwerke und die Begleittexte.