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Vor 80 Jahren ging der Lausitzflugplatz in Betrieb

Sonderwaffenlager, Lagerbunker Typ Basalt, Drucktor Eingangsbereich
Sonderwaffenlager, Lagerbunker Typ Basalt, Drucktor Eingangsbereich FOTO: Matthias Baxmann, 2012
Finsterwalde/Schacksdorf. Der Lausitzflugplatz Finsterwalde-Schacksdorf erlebt in diesem Jahr das 80. Jubiläum seiner Inbetriebnahme. Im März 1935 rückte hier das erste Kontingent Flugpersonal ein. Damit begann die aktive Geschichte des Militärflugplatzes, der in Folge von drei Armeen genutzt wurde. Matthias Baxmann, Fachreferent Denkmale der Industrie und Technik am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, hat sich mit der Geschichte des Lausitzflugplatzes beschäftigt und wird dazu in der demnächst erscheinenden Jahresschrift "Der Speicher" des Sänger- und Kaufmannsmuseums Finsterwalde einen längeren Beitrag veröffentlichen, der hier in einer Zusammenfassung erscheint. Dr. Matthias Baxmann

Die Geschichte des Platzes begann bereits 1933 unter der Ägide der Reichswehr. Sie brach mit der Planung und dem Bau den Versailler Vertrag, der Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg den Wiederaufbau einer eigenen Luftwaffe verbot. Getarnt wurden die militärischen Ziele deswegen anfänglich mit einer Verordnung zum Bau von Notlandeplätzen für die Deutsche Luftfahrt- und Handels AG, die dafür im Mai 1934 von der Stadt Finsterwalde Grundstücke in Schacksdorf, Grünhaus und Nehesdorf erwarb. Danach wurde der Bau des Flugplatzes unter der Firmierung "Deutsche Verkehrsflieger-Schule, Bauleitung Finsterwalde" zügig in Angriff genommen. Es entstanden die heute denkmalgeschützten, militärhistorisch und baugeschichtlich bedeutsamen Flugzeughangars und der Tower. Ergänzend wuchs nach und nach eine komplette Infrastruktur rund um den Fliegerhorst empor, darunter eine Wohnsiedlung für die Offiziere und ihre Familien, ein Wasserwerk, Kasernenanlagen, ein großes Feuerwehrgebäude, ein Garagenkomplex, ein Gleisanschluss mit Bahnhof, ein Kasino und Schwimmbad sowie Lagergebäude und Bunkeranlagen.

Vertragsbruch

Am 16. März 1935 brach Deutschland mit dem Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht dann auch offiziell den Versailler Vertrag, verfügte zu diesem Zeitpunkt aber bereits über 14 Fliegerhorste, von denen der Finsterwalder zu den gut ausgebauten zählte. Er erhielt noch im selben Jahr einen Gleisanschluss an die Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn, der an einem Güterbahnhofsgebäude in der Nähe der Befehlsstelle endete. Parallel dazu baute man die Start- und Landebahn - bis 1952 eine Graspiste - sowie entsprechende Rollbahnen aus. Am 1. Oktober 1935 wurde der Finsterwalder Fliegerhorst dem Luftkreiskommando III (Dresden) unterstellt.

Im März und Juni 1935 rückten das erste Kontingent Flugpersonal ein, im Juni folgte ein weiteres. Es bestand aus Offizieren, Offiziersanwärtern und Soldaten der Reichswehr und Marine. Das fliegende Personal wurde meist aus der Zivilluftfahrt übernommen, aber auch aus dem Kader von 300 jungen Flugzeugpiloten, die im Rahmen einer Geheimvereinbarung mit der Sowjetunion auf dem Flugplatz Lipezk als Jagd- und Militärflieger ausgebildet worden waren. Von den technischen Schulen und Universitäten kam technisches Personal.

Bis August 1939 war die zweite Gruppe des Kampfgeschwaders 153 in Finsterwalde stationiert, das später in II./KG 3 umbenannt wurde. Bis 1937 starteten hier unter anderem Ju 52, Do 23 und Ju 86; später flog die Gruppe Do 17 und Do 17 E. Einige ihrer Piloten meldeten sich übrigens freiwillig zur berüchtigten Legion Condor, wo sie in den Versuchsbomberstaffeln zum Einsatz kamen.

Während des Zweiten Weltkrieges waren verschiedene Wehrmachtsfliegereinheiten, eine Flugzeugwerft und eine Flugzeugführerschule sowie eine Flugnachrichtenschule und das geheimnisumwitterte Kampfgeschwader 200 in Finsterwalde stationiert. Letzteres war ein spezieller Verband für besonders schwierige Kampf- und Transportaufträge, der auch erbeutete Flugzeuge erprobte und nutzte.

1945 wurde die große Werfthalle gesprengt, ansonsten blieb der Flugplatz weitgehend intakt und wurde unmittelbar von der Sowjetarmee weitergenutzt. Diese fügte etliche Bauten hinzu, darunter etwa 40 erdgedeckte Shelter vom Typ GDF Typ 2 A, gedeckte Stellplätze für Fahrzeuge, verschiedene Munitionsbunker für konventionelle Flugzeugbewaffnung und eine große, weitgehend autarke Wohnsiedlung.

Rund einen Kilometer südlich baute die Sowjetarmee ein erstschlagsicheres Sonderwaffenlager zur Unterbringung von ABC-Waffen für Kampfflugzeuge. Von besonderem Interesse ist dabei sicher der Bunker des Sonderwaffenlagers. Seine offizielle Tarnbezeichnung war "2952 Reparatur-Technische Basis der Luftstreitkräfte". Das 70 x 9 Meter große Bauwerk war Teil eines gut gesicherten Kasernengeländes, das 600 Mann einer KGB-Sondereinheit bewachten und höchster Geheimhaltung unterlag.

Pistenausbau

Ab 1950 wurde dann die Graspiste der Start- und Landebahn durch eine 2050 Meter lange, in Ost-West-Richtung verlaufende Betonpiste ersetzt, die später auf 2700 Meter verlängert wurde. Die Sowjetarmee stationierte moderne Jagd- und Bomberflugzeuge in Finsterwalde. Den Finsterwaldern und den Bewohnern der umliegenden Dörfer ist ihre teils unerträgliche Geräuschkulisse noch in guter Erinnerung.

Am 22. März 1993 verließen die letzten Flugzeuge der Westgruppe der russischen Streitkräfte in Deutschland Finsterwalde. Damit endete die fast vierzigjährige Geschichte des Militärflugplatzes Finsterwalde/Schacksdorf. Resümieren wir die Entwicklung des ursprünglichen Kernbereiches des Militärflugplatzes nach 1993, so können wir konstatieren, dass wir es hier nach der Überwindung von anfänglichen Schwierigkeiten mit einer Erfolgsgeschichte zu tun haben. 1997 trug das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum sechs Flugzeughangars und das Towergebäude in die Denkmalliste des Landes Brandenburg ein. 2012 standen die von der Sowjetarmee hinzugefügten Bauten im Fokus einer erneuten denkmalrechtlichen Bewertung. Beabsichtigt ist nun, einige Shelter, den Lagerbunker des Sonderwaffenlagers, den Güterbahnhof mit Bahngleisen sowie ein Heizhaus zwischen den Flugzeughallen ebenfalls unter Denkmalschutz zu stellen, um so Sachzeugnisse der Nutzung durch die Sowjetarmee zu sichern.

Die gemeinsame Wirtschaftsfördergesellschaft der Stadt Finsterwalde und des Amtes Kleine Elster hat das Gelände behutsam und mit Fingerspitzengefühl als Gewerbe- und Industriestandort entwickelt. Darüber hinaus fungiert der Flugplatz nach wie vor als Sonderlandeplatz. In den Hangars siedelten sich Unternehmen an, darunter die Aircraft Maintenance & Consulting GmbH. Sie wartet hier Flugzeuge, setzt sie instand und bietet Schulungs- und Trainingsflüge an. Seit 2011 ist die Air Tempelhof Fluggesellschaft mbh & Co.KG auf dem Lausitzflugplatz ansässig, die von hier aus im Auftrag von Firmen und Behörden Vermessungsflüge in ganz Deutschland, aber auch im Ausland unternimmt. In einem weiteren Hangar hat sich ein Recyclingunternehmen niedergelassen. Im Tower gibt es eine Wohnung, Büros, den Flugleitstand und ein Café. Es gibt aber auch Schattenseiten. Die meisten der 600 Wohnungen verfallen mehr und mehr, und so ist absehbar, dass das Wohngebiet mittelfristig keine Zukunft haben wird.

Der ehemalige Militärflugplatz Finsterwalde/Schacksdorf mit seiner eindrucksvollen Denkmalsubstanz ist trotzdem ein gelungenes Beispiel für die Umnutzung einer vormals militärischen Liegenschaft. Vielleicht wird eines Tages auch der eindrucksvolle Bunker vom Typ Basalt des ehemaligen sowjetischen Sonderwaffenlagers eine denkmalverträgliche Nutzung erhalten.