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Von Desinteresse und Cliquenwirtschaft

Einen gut besuchten Stammtisch hatte Orstbürgermeister Rüdiger Willing nicht erwartet. Was ist dran an dem Desinteresse der Hennersdorfer ihrem Dorf gegenüber? „Es stimmt schon“ , bestätigte Joachim Stößer.

„Einheimische gehen so gut wie gar nicht raus, nur Zugezogene.“ Dem schloss sich Courtina Türke, die im Dorfklub das Zepter schwingt und auch eine „Zugezogene“ ist, an. „Es gibt hier eine richtige Cliquenwirtschaft, so straßenweise.“ Wenn es im Dorf Aktivitäten gibt, beklagte sie, kämen immer dieselben Leute, und auch immer dieselben Leute würden die Organisation in die Hand nehmen. „Oft kommt einfach zu wenig Resonanz. Dabei machen wir viel los im Ort, besonders mit Kindern. Doch es ist manchmal zu beobachten, dass mehr Kinder aus Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde und den umliegenden Gemeinden dabei sind als unsere Kinder. Dabei haben wir richtig viele Kinder im Ort und es kommen immer wieder neue dazu.“
Gert Fest brachte das Argument der Stadtnähe, was die Anonymität im Dorf fördern würde, ins Gespräch, doch dem widersprach Bürgermeister Bodo Broszinski. „Ich kenne Orte, die liegen noch näher an den Städten und da funktioniert es auch.“
Er sieht eher ein Problem bei der Abstimmung der kulturellen Aktivitäten zwischen den Gemeinden des Amtes und der Stadt. Es gebe fast ein Überangebot an manchen Wochenenden. Eine Konzentration würde vielleicht mehr Sinn machen. „In Finsterwalde feiert man alle zwei Jahre das Sängerfest und da kommen dann auch die Besucher zu Tausenden.“
Von diesem Vorschlag wollte man am Stammtisch nichts hören. „Ohne unser Dorffest würde man sich überhaupt nicht mehr treffen. Das brauchen wir schon“ , so Courtina Türke.
Rüdiger Willing lag bei der ganzen Diskussion mehr die Politik als die Kultur am Herzen. Er ermahnte die Anwesenden noch einmal nachdrücklich: „Wenn mehr Leute zu den Ortsbeiratssitzungen kommen würden, würden wir auch mehr wissen, was für uns wichtig ist, was wir brauchen und es würde sicherlich mehr passieren.“ Es wäre nicht das Anliegen des Ortsbeirates, den Leuten etwas überzustülpen. Ob dieser Appell fruchtet, wird die Zukunft zeigen.