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| 15:09 Uhr

Leseherbst in Finsterwalde
Von der Verführbarkeit der Leute

Der Weimarer Literaturexperten Felix Leibrock begeisterte in Finsterwalde beinahe 100 Zuhörer.
Der Weimarer Literaturexperten Felix Leibrock begeisterte in Finsterwalde beinahe 100 Zuhörer. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Seit zwölf Jahren gibt es Literaturabende mit Felix Leibrock in Finsterwalde. Von Jürgen Weser

Anfang 2006 waren es noch 40 Literaturfreunde, die dem Vortrag von Felix Leibrock folgten. Inzwischen platzt die Buchhandlung Mayer fast aus allen Nähten. Fast 100 Zuhörer waren am Freitagabend gekommen, um im Rahmen des Leseherbstes der Buchhandlung dem Weimarer Literaturexperten zu folgen. Mitgebracht hatte er wieder zwölf Neuerscheinungen des Jahres.

Für Felix Leibrock, der als Pfarrer und Literaturwissenschaftler vor 21 Jahren mit den Literatur­abenden in Weimar begonnen hat, die bald großen Zulauf fanden, ist Finsterwalde einer der Lieblingsorte für seine Vorträge. „Toll, wie viele Leute hier Interesse an Büchern und Schriftstellern zeigen und wie engagiert die Buchhandlung Mayer mit ihren Veranstaltungen das kulturelle Leben der Stadt befeuert“, spart Leibrock nicht mit Lob. „Für uns“, so Torsten Mayer und Christian Kielinski, „ist Felix Leibrock unverzichtbar für unsere Literaturabende.“ Jetzt freuen sie sich schon auf sein neues Buch „Im Dunkeln leuchten die Sterne“, das im kommenden Jahr erscheint und er natürlich in Finsterwalde vorstellen wird.

Diesmal ging es um großartige neue Romane auch jenseits der Bestsellerlisten mit Wohlfühlliteratur. So Eric Vuillards Bändchen mit Sprengkraft. In „Die Tagesordnung“ erzählt der Autor vom Geheimtreffen führender Industrieller mit Hitler 1933 noch vor der Machtübernahme der Nazis. Optimismus und Pessimismus über die Zukunft der Menschheit spiegeln sich in den ausgewählten Büchern wie Thomes „Gott der Barbaren“ oder Frédéric Beigbeders „Endlos leben“ gleichermaßen wider. Peter Pranges Verführbarkeit als Familiensaga von 1933 bis 39 in Deutschland, Flucht und Vertreibung als sensationelle Wiederentdeckung von Alexander Boschwitz „Der Reisende“, Homosexualität, leidenschaftliche Liebe, Dostojewski, Literaturwissenschaft: die Palette war groß, die Leibrock zur Freude der Zuhörer mit dem üblichen Unterhaltungswert, welcher gern die Zuhörer einbezog, vorstellte. Wer kann schon ein Buch weglegen, das so beginnt: „Im Jahr 1945 gingen meine Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren“.

Viele Tipps für literarische Weihnachtseinkäufe und erste Bücher unterm Arm begleiteten die Zuhörer nach Hause.

Der Weimarer Literaturexperte Felix Leibrock begeisterte in Finsterwalde beinahe 100 Zuhörer.
Der Weimarer Literaturexperte Felix Leibrock begeisterte in Finsterwalde beinahe 100 Zuhörer. FOTO: Jürgen Weser