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| 01:07 Uhr

Von der Elektrode zur Plasmaschneidtechnologie

FINSTERWALDE.. Ferienreise in einen Industriebetrieb„ Wer will denn das schon mitten in der heißen Sommerzeit“ Die Finsterwalder Rundschau hatte aber mit ihrem Angebot voll ins Schwarze getroffen. Das Anmeldetelefon stand in der Redaktion nicht still, sodass aus den geplanten zwanzig Teilnehmern fast vierzig wurden. Die Kjellberg-Leute hatten es möglich gemacht und führten am Mittwoch zwei Gruppen durch das Firmengelände. Von Jürgen Weser

Vor allem alte Kjellberg-Hasen hatten Lust auf ihre frühere Arbeitswelt, aber auch andere Neugierige, die den Betrieb noch nie gesehen hatten, wollten sich einmal anschauen, wie es in einem der wenigen gut funktionierenden größeren Betriebe in der ehemaligen Industriestadt Finsterwalde zugeht und wie es dort jetzt aussieht. Produktionsleiter Manfred Schenker, Wolfgang Schmidt vom Vertrieb und Jana Müller aus der Marketingabteilung waren sachkundige Führer.
Zunächst hatten sich einige Sommertourgäste auf das ehemalige Kjellberg-Gelände verirrt. Aber durch die Nachwendeereignisse hat sich die Elektroden & Maschinen GmbH auf das Gelände westlich der Leipziger Straße beschränken müssen und ist jetzt recht zufrieden damit. Als Filetstück sahen die Besucher den Neubau für Montage und als Lager, gegenüber das Technikum, wo die ehemalige Tischlerei zu finden war, mit Kundenwerkstatt, Vorführraum für die Plasmaschneidverfahren und die Versuchswerkstatt, die für die Besucher allerdings top secret blieb. Unweit davon befindet sich die Vorfertigung, wo die ehemalige Mühle war. „Kurze Wege von Abteilung zu Abteilung sind ein logistischer Vorteil für uns“ , erklärt Manfred Schenker. Auch die Geschäftsführung im ehemaligen, modern ausgebauten „Bunker“ ist vor Ort.
Modernste Technik erlebten die Sommertourgäste in der Vorfertigung, beobachteten CNC-Stanzen an modernen, computergesteuerten Maschinen. Azubi-Praktikant Matthias Kinzl von der Massener Ausbildungsfirma Pilz wurde beim Drehdüsenherstellen beobachtet. Die vier Wochen Praktikum bei Kjellberg gefallen dem Lehrling zu Beginn des dritten Lehrjahres gut. Silke Märker ist eine der wenigen, die noch sensible Handarbeit zu verrichten hat. Hafnium-Stifte passt sie mit sicherer Hand in die Katoden für Plasmaschneidbrenner ein. Sie gehört zu den langjährigen Mitarbeitern bei Kjellberg wie auch Dieter Wendlandt in der Lackiererei, der von der ehemaligen Kjellbergerin Herta Schenk herzlich begrüßt wurde. Seit dem Beginn seiner Lehre 1956 als Maschinenschlosser ist Dieter Wendlandt im Betrieb. Fast fünfzig Arbeitsjahre wird er bei Kjellberg schaffen, denn „in zwei Jahren ist Schluss“ .
Als nächstes ging es in die 2 000 Quadratmeter große, neue Montagehalle mit Wickelei. Besonders die Plasmabrenner, für die von den Kjellbergleuten immer neue Technologien entwickelt werden, fanden das Interesse. „Ehemalige“ wie Ulrich Trentau und Kurt Reckenbeil bekamen nicht nur hier Gelegenheit zum Fachsimpeln. Im gut geordneten Hauptlager befindet sich auch die Elektrodenabteilung. Früher wichtiger Produktionsbereich für den VEB, „ist die Elektrodenfertigung nur noch als Nischenprodukt für spezielle Kunden für uns interessant“ , verriet der Produktionsleiter etlichen, mit der Elektrode gut vertrauten ehemaligen Kjellberg-Frauen.
Nach dem Blick in die Mühle, wo jetzt elektronisch gemischt wird, zeigten Rainer Hollax und Harry Schmidt in den Vorführbereichen für potenzielle Kunden, was Plasmaschneiden alles kann. Besonders der „schlaue“ Roboter von Harry Schmidt mit sechs Gelenken und acht Achsen beeindruckt. Die abgestellte VW-Seitenwand verrät, mit welcher hoch entwickelten Technologie bei Kjellberg gearbeitet wird.
Beeindruckt vom know-how der Firma beendeten die Sommertourgäste ihren Ferienbesuch. „Kein Wunder, dass ich beim Vorbeifahren kaum Arbeitskräfte sehe“ , urteilte Paul Ackermann, der ab 1939 hier gelernt und von 1947 bis 1974 gearbeitet hat.