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| 02:39 Uhr

Vom Staat eingesperrt und enteignet

Peter Hentzschel gewährte tiefe Einblicke in die Familien- und Firmengeschichte.
Peter Hentzschel gewährte tiefe Einblicke in die Familien- und Firmengeschichte. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Die stalinistische Härte traf vor mehr als 60 Jahren die Märkische Kies- und Kalksandsteinwerke in Doberlug-Kirchhain sowie den Firmengründer Karl Hentzschel und Familienmitglieder. Peter Hentzschel gab jetzt Einblicke in die Firmen- und Familiengeschichte. Heike Lehmann

Mucksmäuschenstill war es beim ersten Vortrag des Jahres beim Bürger- und Heimatverein. Das große Interesse in der Technischen Ausstellung ließ darauf schließen, dass man auf neue oder belegbare Zusammenhänge zu den Ereignissen Anfang der 50er-Jahre aus erster Hand hoffte.

Peter Hentzschel, heute Geschäftsführer der MKK Märkische Kies- und Kalksandsteinwerke in Hennersdorf und Enkel des Firmengründers, stützte sich auf Zeitdokumente - darunter viele aus der DDR. In großer Offenheit schilderte er das Firmengeflecht der Familien Hentzschel und von Quintus-Icilius. Größten Raum im Vortrag nahmen Verhaftung, Enteignung und der schwere Kampf um Rehabilitation ein.

1937 haben Karl Hentzschel und Kapitalgeber Gustav von Quintus die Märkische Kies- und Kalksandsteinwerke von Quintus & Co. gegründet. Außerdem betrieb Karl Hentzschel einen Baustoffhandel. Im August 1951 wurde Karl Hentzschel verhaftet und am 18. September zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus und 50 000 DM Geldstrafe verurteilt. "Sabotage des Wirtschaftsaufbaus und Kontakt zu westlichen Agenten warf man ihm unter anderem vor", fasste Peter Hentzschel zusammen. Betriebliches und privates Vermögen hat der Staat eingezogen. Aus den Firmen wurden volkseigene Betriebe. Eine Revision lehnte das Oberste Gericht der DDR 1952 ab. Karl Hentzschel saß unter anderem im Zuchthaus Cottbus und Arbeitslager Schacksdorf ein. 1956 wurde er mit drei Jahren auf Bewährung entlassen. Für die Geldstrafe gab es ein Gnadenerlass. Hentzschel zog nach Köln.

Nicht verschont blieb auch die zweite Generation. Die Geschwister Rolf und Brigitte sowie deren Mutter Hertha wurden ebenfalls "abgeholt", wie sich einige Zuhörer erinnerten. Rolf Hentzschel saß fast fünf Jahre in Gefängnissen, bevor auch er nach Köln ging. 1992 wurde er nach zähem Ringen rehabilitiert.

Senior Karl Hentzschel erkämpfte 1992 die Aufhebung des Urteils bezogen auf den Vermögenseinzug. "Damit hat er den Weg frei gemacht für die Neugründung der MKK Märkische Kies- und Kalksandsteinwerke", würdigt Peter Hentzschel. Den Bescheid zur Rückübertragung des Betriebsteils Hennersdorf der Baustoff- und Porenbeton GmbH Doberlug-Kirchhain erhielt Rolf Hentzschel 1993.