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Adventstürchen
Vom Elektro- zum Möbelladen

Die Geschäfte in diesem Haus in Elsterwerda, Friedrich-Engels-Straße, wechselten mehrfach. Die Bezeichnungen über den Fenstern sind kaum noch zu erkennen und werden bald ganz verschwinden.
Die Geschäfte in diesem Haus in Elsterwerda, Friedrich-Engels-Straße, wechselten mehrfach. Die Bezeichnungen über den Fenstern sind kaum noch zu erkennen und werden bald ganz verschwinden. FOTO: Manfred Feller / LR
Ein Elsterwerdaer Geschäftshaus im Zentrum hat eine wechselvolle Historie zu bieten. Von Heike Lehmann und Manfred Feller

ELSTERWERDA Das heutige Foto zeigt ein Wohn- und Geschäftshaus in der Friedrich-Engels-Straße in Elsterwerda. Die Beschriftung über Türen und Fenster wechselte mehrfach. Die Familie Wihtols verkaufte dort einst elektrische Licht- und Kraftanlagen sowie Textilien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es eine Kinderbibliothek und bis in die Neuzeit ein Möbelhaus und Umzugsservice. Welche Erinnerungen verbinden Sie, liebe Leser, mit diesem Haus? Rufen Sie bitte am Mittwoch, 6. Dezember, zwischen 13 u. 14 Uhr an (03533 519424) oder schreiben ebenfalls am 6. Dezember bis 15 Uhr eine E-Mail an elsterwerda@lr-online.de für die LR am Donnerstag!

FINSTERWALDE Die Auflage der Tageszeitung „Niederlausitzer Anzeiger“ erhöhte sich um die Jahrhundertwende sprunghaft. 1899 waren es noch 3000; 1907 gab es schon 4250 Abonnenten. Mehr Zeitungsseiten, ein größeres Format und mehr Exemplare – das zwang den Verleger Richard Espenhahn zu technischen Neuerungen im Druckbereich. Der Aufschwung erforderte auch bauliche Erweiterungen. „1910 konnte nach mehrmaligen Zwischenlösungen das Domizil im Gutenberghaus bezogen werden, wo eine hochmoderne achtseitige Rotationsmaschine 15 000 Zeitungen in einer Stunde drucken konnte“, schrieb Dr. Rainer Ernst in einem früheren RUNDSCHAU-Artikel.

Lange Zeit war das Ladengeschäft des „Niederlausitzer Anzeigers“ am Topfmarkt (heute Bubner) hinter dem Rathaus Anlaufpunkt für die Finsterwalder, die Anzeigen aufgeben oder ihre Zeitung selbst abholten. Seit 1912 befand sich das Abendblatt mit allen Bereichen im Gutenberghaus an der Sonnewalder Straße. Die Druckerei mit Kontor war gleich um die Ecke (Kirchhainer Straße) zu finden.

Manfred Woitzik schreibt in „Genius Loci“: Das Grundstück mit der Bezeichnung Kirchhainer Straße 1 gehörte nach den Bauunterlagen aus dem Jahr 1872 dem Zimmermeister Blume und im Januar 1886 dem Mühlenbesitzer Louis Stephan aus Lichterfeld. Später baute man dort die Glühlampen-Fabrik „Union“, deren Fabrikgebäude 1908 vollständig ausbrannte. Auch die Holzwarenfabrik Carl J. Krause hatte an jener Stelle mal ihren Produktionsstandort.

1926 wurde das zweistöckige Gebäude nach Plänen vom Dresdner Architekten Otto Reinhardt aufgestockt und umgebaut – ausgeführt von der Firma Fritz Perschel. 1980 erfolgte ein erneuter Umbau zur Nutzung als Gesundheitseinrichtung. Im Dezember 2005 ist die Außenstelle vom kreislichen Gesundheitsamt dort ausgezogen. Das Gutenberghaus wurde im Paket mit weiteren Grundstücken und Gebäuden verkauft um steht seitdem leer.

Karl Goldberg aus Lieskau schreibt per E-Mail zum Gutenberghaus: Da fällt mir spontan mein Großvater Carl Richter (1891-1972) ein. Er sprach von dem Gebäude immer von „Espenhahns“. Als kleiner Junge verstand ich „Estmanns“. Wenn es mal nicht so ging, wie es sollte, sagte mein Großvater „Alle Kraft ist Wille steht bei Espenhahns am Haus“. Ich habe selber noch den Spruch von der Sonnewalder Straße aus gesehen. Nach der Veränderung der Außenfassade (rosa Anstrich) war er weg. Warum? Wo ist er geblieben?

Das Gutenberghaus in Finsterwalde.
Das Gutenberghaus in Finsterwalde. FOTO: Heike Lehmann