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| 16:31 Uhr

Freizeit und Kultur in Sonnewalde
Höchstpunktzahl für Darts-Turnier

 Damit endlich mal wieder was los ist in Sonnewalde, haben Marco Bohlen, Ronny Schnee und Marcel Schmidt ein Darts-Turnier auf die Beine gestellt, dass in diesem Jahr in seine zweite Runde geht.
Damit endlich mal wieder was los ist in Sonnewalde, haben Marco Bohlen, Ronny Schnee und Marcel Schmidt ein Darts-Turnier auf die Beine gestellt, dass in diesem Jahr in seine zweite Runde geht. FOTO: Marcel Schmidt / LR
Sonnewalde. Der Ansturm auf das zweite Darts-Turnier in Sonnewalde ist noch größer als im Vorjahr. Startplätze gibt es keine mehr. Von Josephine Japke

Ein Fieber geht um und niemand scheint davor sicher zu sein: Darts. Seit Jahren steigen die Zuschauerzahlen bei internationalen und nationalen Turnieren – am TV sowie bei Live-Events. Auch in Sonnewalde ist der Hype (zu dt.: Rummel) um die Sportart, in der man mit kleinen Pfeilen auf eine 2,37 Meter entfernte Scheibe wirft, längst angekommen. Zu verdanken ist das drei Herren, Ronny Schnee, Marco Bohlen und Marcel Schmidt, die in diesem Jahr die zweite Auflage eines Darts-Turnieres organisieren. Nicht nur um des Sportes Willen, sondern auch, um das kulturelle Leben in dem 3000-Einwohner-Städtchen wieder in Gang zu bringen.

Silvester 2017 ist die Idee aus einer Schnaps-Laune heraus geboren worden. Schon drei Monate später, im März 2018, dann der erste Sonnewalder Team Darts Cup. „Damals haben wir zwei Tage gebraucht, um alle Karten für unser Turnier zu verkaufen. Diesmal waren es keine zwei Stunden und die Startplätze waren vergriffen“, berichtet auch Ronny Schnee und im Sportlertreff im Kulturhaus „Manhattan“ kommen die ersten Witze auf: „Da ist es leichter, an Roland-Kaiser-Karten zu kommen, als bei euch einen Startplatz zu kriegen.“ Schon jetzt stehen 18 Nachrücker auf der Warteliste, falls noch jemand abspringen sollte.

Dass das Darts-Turnier in Sonnewalde so erfolgreich ist, habe auch was mit dem spärlichen kulturellen Leben in der Gemeinde zu tun. „Hier ist doch sonst nichts los. Von vier Kneipen gibt es keine mehr“, sagt Ronny Schnee und Marcel Schmidt stimmt zu: „Die Leute sind ausgehungert und nehmen jede mögliche Veranstaltung dankbar an.“ Karneval, Pfingsten und der Weihnachtsmarkt wären die jährlichen Highlights, sonst herrsche „tote Hose“ in der Gemeinde. Deshalb werde auch das Kneipenquiz, ebenfalls von Marco Bohlen und Marcel Schmidt organisiert, so gut besucht. Im letzten Jahr nahmen fast 100 Personen daran teil. Auch 2019 soll das Quiz wieder stattfinden, vermutlich im Mai.

Egal wie groß der sportliche Ehrgeiz insgeheim auch ist, eigentlich müssen alle drei schon in der Vorrunde des Darts-Turniers rausfliegen, denn sonst ist die Organisation und Moderation nicht mehr zu stemmen. „Ich nehme mir extra drei Tage Urlaub, um alles vor- und nachzubereiten“, sagt Marco Bohlen. Vorher zu trainieren, um beim Turnier möglichst weit zu kommen, dafür bleibt im stressigen Arbeits-Alltag neben Familie und eigenem Engagement in Sportabteilungen eh keine Zeit. Die Drei vom Darts sind eigentlich im Fußball, Billard und Volleyball zu Hause und üben lediglich alle paar Monate mal an der Scheibe an der Garagenwand.

„Wer glaubt, er hat zu Hause schon mal die 180 Punkte geworfen und kann das deshalb auf einem Turnier auch, der irrt sich übrigens“, lachen die drei. Mit all den Zuschauern, der Lautstärke und dem Druck im Rücken sei das noch mal was ganz anderes, berichten sie aus eigener Erfahrung. Da ist es gut, dass die Starter in Zweier-Teams antreten. So kann man sich gegenseitig pushen oder hinter seinem Partner verstecken, wenn es mal schief läuft.

Das Teilnehmerfeld ist auch in diesem Jahr bunt gemischt. Aus Sonnewalde, Doberlug, Tröbitz, Dresden, Hellersdorf und vielen weiteren Gemeinden reisen die Starter an. „Von 18 bis 50 Jahren ist alles mit dabei. Einige haben von Darts gar keine Ahnung, andere schauen wenigstens die Übertragungen im Fernsehen und Dritte spielen mit ihren Kumpels ab und an mal um Ruhm und Ehre“, erklärt Marco Bohlen. Insgesamt 28 Teams zu je zwei Spielern treten gegeneinander an. Nur eines haben alle Teilnehmer gemeinsam: Keiner von ihnen ist Profi. „Das würde den Leuten die Lust nehmen“, sagt Ronny Schnee, der strikt dagegen ist, auch nur den geringsten Betrag an Eintrittsgeldern für den Freizeitspaß zu fordern.

Auch technisch kann das Turnier in Sonnewalde mit den großen Veranstaltungen in Riesa und London mithalten. Jedes Team bekommt ab einer bestimmten Runde eine Einlaufmusik, dazu gibt es Kameras, die die Boards filmen und auf Bildschirme übertragen und Apps, auf denen Platzierungen live eingeblendet werden. „Doch eigentlich steht der Party-Gedanke bei uns absolut im Vordergrund. Die Stimmung ist bombastisch“, erklärt Marcel Schmidt.

Für die Zukunft haben die drei Männer große Ideen. Eisstock-Schießen auf dem Dorfteich, zum Beispiel. Oder eine Wok-WM im Stile von Pro Sieben. „Aber dafür fehlt uns noch der Berg“, sagt Marco Bohlen bedauernd, woraufhin Marcel Schmidt antwortet: „Kein Problem, dann machen wir uns den Berg eben selbst.“