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Visionen für den Lausitzflugplatz

Amtsdirektor Gottfried Richter, Geschäftsführer der Flugzeugwerft Erik Baues und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Olaf Muschter (v.l.) vor der nachgebauten DO 27, die Grzimek für Tierdokumentationen verwendete.
Amtsdirektor Gottfried Richter, Geschäftsführer der Flugzeugwerft Erik Baues und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Olaf Muschter (v.l.) vor der nachgebauten DO 27, die Grzimek für Tierdokumentationen verwendete. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde/Schacksdorf. 1993 verließen die letzten Flugzeuge der Westgruppe der russischen Streitkräfte in Deutschland den Finsterwalder Flugplatz. Mit stringenter Wirtschaftsförderung und Weitsicht wurde aus der Hinterlassenschaft ein Gewerbe- und Industriestandort geformt, den auch Filmemacher und Lizenzspringer lieben. Heike Lehmann

Vor 80 Jahren ist der Flugplatz Finsterwalde als Militärflugplatz in Betrieb gegangen. Dr. Matthias Baxmann, Fachreferent Denkmale der Industrie und Technik am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, hat dieser Tage die Militärgeschichte des Flugplatzes für die RUNDSCHAU zusammengefasst.

Spannende Fortsetzung

Was nach Abzug der russischen Streitkräfte rund um die Landebahn passierte, ist nicht weniger spannend. An der jüngeren Geschichte des Lausitzflugplatzes haben maßgeblich drei Herren mitgeschrieben: Gottfried Richter, Amtsdirektor Kleine Elster, Olaf Muschter, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Unternehmer Erik Baues. Drei Männer mit Visionen.

Als Steuerungsinstrument wurde schon 1991 die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gegründet. Seit 1999 sind das Amt Kleine Elster und die Stadt Finsterwalde die Gesellschafter. Zunächst war Gottfried Richter Geschäftsführer, inzwischen ist es Olaf Muschter. Bis 2001 summierte sich die angekaufte Fläche auf 441 Hektar. Ein Bebauungsplan wurde erstellt, Altlasten beseitigt und der Tower sowie die Flugbetriebsflächen saniert. "Mit einer Million Mark Förderung konnten beispielsweise 50 frühere Militärgebäude abgerissen werden", erinnert sich Richter. Inklusive Renaturierung und Straßenerschließung wurden bis 2004 etwa drei Millionen Euro investiert. Alle Hangars sind verkauft, "aber nicht alle in Nutzung", schränkt Richter ein.

Die Flugbetriebsgenehmigung gab es 1999. "Reichlich drei Jahre hat Potsdam für die Genehmigung als Sonderlandeplatz für Werksverkehr gebraucht", schüttelt Richter immer noch den Kopf. 2006 wurde Flugbetriebsgesellschaft Lausitzflugplatz GmbH ins Leben gerufen. Zufrieden schaut Gottfried Richter auf die aktuelle Auflistung der Arbeitsplätze: 16 auf dem Flugplatzgelände angesiedelte Firmen haben in Summe knapp 70 Beschäftigte. Ziel erreicht?

An dieser Stelle schüttelt zumindest Erik Baues heftig den Kopf. Er hat 2001 die Aircraft Maintenance & Consulting GmbH (AMC) gegründet, die Mittelklasse-Flugzeuge aus ganz Deutschland wartet und instand setzt. Stolz zeigt er seinen "Filmstar" - den detailgetreuen Nachbau der von Michael und Bernhard Grzimek für Tierdokumentationen verwendeten DO 27 mit Zebra-Lackierung. Am 10. Januar 1959 ist der Grzimek-Sohn damit tödlich verunglückt. Vor wenigen Tagen flog die Finsterwalder Kopie via Fernsehbildschirm durch viele Wohnzimmer.

Ziel: Airlebnis-Flugplatz

Seit 2015 ist die AMC Alleingesellschafter der Flugbetriebsgesellschaft. Baues sagt: "Es landen überwiegend Kunden der Werft und Geschäftsleute, beispielsweise von Magna, Vestas und Böllhoff." Die ansässige Air Tempelhof Fluggesellschaft mbh & Co.KG startet Vermessungsflüge in ganz Deutschland und im Ausland. Die Trainico GmbH aus Wildau führt Schulungen und Fortbildungen für professionelle Flugzeugabfertiger, auch Vorfeldmitarbeiter genannt, an einer Transall und mehreren Ausbildungsflugzeugen durch. Azubis lernen - ohne den Ablauf eines streng getakteten Flughafens zu stören oder aufzuhalten - die wichtigsten technischen Handgriffe. "Die Betreibung des Flugplatzes ist nicht mehr subventioniert", kann Baues, der selbst mehr als zwei Millionen Euro investiert hat, jetzt schon sagen.

Doch er hat noch die Vision von einem Airlebnis-Flugplatz. Mit Führungen, Campingplatz und Lagerfeuer, Spiel- und Volleyballplatz. "Im Shelter 16 entsteht eine Bar", so Baues, dem große Events vorschweben. Das Interesse der Lizenzspringer ist längst geweckt. Am ersten Mai-Wochenende geht's rund. Bis Ende Oktober wird über Finsterwalde/Schacksdorf dann gesprungen - ganz Mutige wagen einen Tandemsprung.

Schließlich noch das: Die Filmemacher lieben zunehmend den Flugplatz mit dem Stil der 30er-Jahre. In Kürze dreht dort Regisseur Luc Besson ("Das fünfte Element") für Studio Babelsberg.

skydive-finsterwalde.de