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Vierlinge auf Rippichs Erle

Finsterwalde/Münchhausen. Dichtes Gedränge gibt es in der Kinderstube von Familie Adebar in Münchhausen. Vierlinge sind hier zur Welt gekommen – nicht nur zur Freude von Herta und Walter Rippich, den beiden Storchenbetreuern. Ein sehr gutes Storchenjahr für Münchhausen – allerdings kein so gutes für den Altkreis Finsterwalde. Dietmar Seidel und Dieter Babbe

Die vier Jungstörche im Nest auf der alten Erle in Münchhausen stehen gut im Futter, stellen Rippichs erfreut fest. Für das Rentnerehepaar sind die Störche auf dem Nest gleich neben ihrem Häuschen längst zum Lebensinhalt geworden. Bereits seit über 40 Jahren kümmern sie sich um die gefiederten Nachbarn. Einst hatte Walter Rippich das erste Nest selbst gebaut. "Doch anfangs flogen die Störche im Frühjahr immer dran vorbei", erinnert sich der 74-Jährige. Erst als 1974 der Horst dann mit einem alten Wagenrad, spendiert von Alwin Fröschke, stabilisiert wurde, feierte ein Storchenpaar Hochzeit und kam der erste Nachwuchs zur Welt. Seitdem hat es 104 Jungstörche in Münchhausen gegeben.

Das alles ist im "Storchenbuch", das Herta Rippich von Anfang führt und fein säuberlich im Schubkasten ihres Küchenschrankes aufbewahrt, nachzulesen. Das Notizbuch gibt Auskunft darüber, wann welcher Storch ankam, wie viele Junge aufgezogen wurden, wenn ein Ei oder ein Junges aus dem Nest geworfen wurde oder wer ihrem Mann half, die Äste zu beschneiden und dafür eine Flasche Wein bekam. Auch der große Wintersturm im Dezember 1993, der das Nest heruntergefegt hatte, ist beschrieben.

Beinahe hätte es in diesem Jahr in Münchhausen sogar Fünflinge gegeben. "Doch ein Ei ist aus dem Nest geworfen worden, das der Schornsteinfeger im Graben gefunden hat", berichtet Walter Rippich. Storchenvierlinge sind im Dorf zwar selten, aber bereits in den Jahren 2006 und 2011 sind vier Jungstörche im August in Richtung Afrika geflogen.

Für Adolf Weber, den Storchenbeauftragten des Naturschutzbundes in der Sängerstadtregion, sieht die Bilanz 2012 beim Blick auf den Nachwuchs nicht ganz so rosig aus. "Es ist leider nur ein befriedigendes Jahr", lautet sein Fazit. Vierlinge hat es außer in Münchhausen nur noch in Tanneberg gegeben. In Gruhno, Lichtena und Schönewalde recken jeweils drei Junge ihre Köpfe aus dem Nest. Ganz ohne Nachwuchs sind in diesem Jahr die Horste in Friedersdorf bei Oppelhain, Frankena, Lindena und Staupitz geblieben. In Lindena sind die drei Jungen tot unter der Kirche, wo sich auf der Spitze der Horst befindet, gefunden worden - Rätselraten, wie das passieren konnte. "Vermutet wird ein Kampf, doch gesehen hat den keiner", so Adolf Weber. In Rückersdorf sind Eier aus dem Nest geworfen worden, in Frankena hat man unten Schalen gefunden.

Warum es in diesem Jahr in der Region nur 16 Horstpaare gab, kann sich Adolf Weber nicht erklären - zumal es am fehlenden Futter nicht gelegen haben kann. Lediglich 28 Junge werden demnächst mit ihren Eltern die große Reise in den Süden antreten, in guten Jahren sind es bis zu 40.