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| 17:51 Uhr

Bürgerforum
Viele Fragen zu Sonnewaldes Zukunft

 Das Bürgerforum in Sonnewalde am Mittwochabend war nur mäßig besucht. Dennoch wünscht man sich in der Stadt eine solche Form des Gedankenaustauschs öfter.
Das Bürgerforum in Sonnewalde am Mittwochabend war nur mäßig besucht. Dennoch wünscht man sich in der Stadt eine solche Form des Gedankenaustauschs öfter. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Viele Probleme, die in Sonnewalde mit den 17 Ortsteilen Schlange stehen, sind in den mehr als zwei Stunden angesprochen, manche nur angetippt worden. Von Dieter Babbe

Wie kann man die Raser auf der langen Dorfstraße durch Friedersdorf bremsen? Wann werden auch die Hintergasse, die Mittelstraße und die Enge Straßen im alten Stadtkern von Sonnewalde saniert? Was wird aus den vielen privaten Hausruinen, die das Stadtbild verschandeln? Müssen wir Angst um unsere Kinder haben, wenn beim Straßenbau auf dem Marktplatz der Umleitungsverkehr an der Schule vorbei führt?  Wann kommt endlich das schnelle Internet auch an die Stadtränder und in die Dörfer? Viele Fragen wurden am Mittwochabend in der Aula der Grundschule beim Bürgerforum angesprochen.

Vorderschloss: Bürgermeister Werner Busse hat sich für seine verbleibende Amtszeit bis zum 1. Dezember noch einiges vorgenommen. Der 67-Jährige will, dass im Sonnewalder Vorderschloss weiter gebaut wird. „Hier, wo die Kutschenkammer neue Fenster und Stützsäulen hat, soll endlich mehr Leben einziehen“, sagt er. Sonnewalde, wo die Marktschänke als einzige Gaststätte der Stadt nur noch eingeschränkt geöffnet hat, braucht Räumlichkeit, in der man feiern und sich treffen kann, wo auch die Stadtverordneten tagen können. Busse regte an, eine kleine Küche und eine Toilette in der „Villa Noack“, bis vor wenigen Jahren ein noch bewohnter Seitenflügel vom Vorderschloss, einzubauen, „damit wir auch Gäste in Sonnewalde würdig empfangen können“. Hier könnten auch ein oder zwei neue Wohnungen entstehen, schlug der Bürgermeister vor.

Monika Goetzke griff den Vorschlag auf, meinte aber: „Wir dürfen nicht nur über die Kutschenkammer reden, sondern über die Zukunft des gesamten Vorderschlosses. Wir brauchen dazu ein Nutzungskonzept, um an Fördergeld zu kommen.“ Die Linke-Stadtverordnete, die erneut kandidiert, hat sich beim Bürgerforum bereit erklärt, den Vorsitz einer solchen Arbeitsgruppe zu übernehmen.

EU-Förderprogramme für die ländliche Entwicklung sind keine Denkmalschutzprogramme, sondern setzen immer bei der Nutzung an, erklärte Sven Guntermann von der Lokalen Aktionsgruppe Elbe-Elster, die EU-Geld im ganzen Kreis verteilt, und der als Gast am Bürgerforum teilnahm. So gesehen müsse für das Vorderschloss ein Gesamtkonzept vorliegen, wie das verbliebene historische Wahrzeichen von Sonnewalde genutzt werden kann. Dazu riet Guntermann, nach Investoren zu suchen, die eine Geschäftsidee mitbringen – und auch Geld, das als Eigenanteil bei Förderprogrammen immer notwendig ist.

Die Stadtverordneten hätten immer Wert darauf gelegt, dass das Ensemble in städtischer Hand bleibe, erinnerte der Stadtverordnete und Ortsvorsteher Axel Große, „deshalb hat die Stadt auch die Gebäudeteile vom jetzigen Jugendklub und vom früheren Gefängnis, die in privater Hand waren, zurückgekauft“. Die meisten Räume im Vorderschloss werden gegenwärtig vom Heimatmuseum und vom Förderverein für Schloss und Park Sonnewalde genutzt. Außerdem befindet sich hier das Standesamt, etliche Räume über der Kutschenkammer stehen dagegen leer.

Die politische Zukunft von Sonnewalde: Nach einem langen Anlauf zur Eingliederung von Sonnewalde in die Stadt Finsterwalde habe man plötzlich in der Ackerbürgerstadt die „Notbremse“ gezogen, wie es Jörg Jähnig als Versammlungsleiter formulierte. Der langjährige Stadtverordnete  begrüßte diese Kehrtwende und begründete aus seiner Sicht: Auf viele Fragen habe es in den Beitrittsverhandlungen keine Antworten gegeben, wie zum Beispiel: Wie lösen wir unser Abwasserproblem? Was wird aus unserem Stadtwappen?  Es war wie beim zu schnellen Eintritt in den Wasser- und Abwasserverband Westniederlausitz. Diesen Fehler wolle man nicht noch einmal begehen, so Jähnig. Aufgabe der am 26. Mai zu wählenden Abgeordneten sei es, alle neuen Möglichkeiten einer künftigen Verwaltung von Sonnewalde abzuwägen. Jörg Jähnig wird jedoch nicht mehr dazu gehören. Er scheidet aus der Stadtverordnetenversammlung aus.

Wer nach dem Bürgerforum, das sich viele Teilnehmer öfters im Jahr wünschten, noch gemeinsam ein Bier trinken wollte, hatte an dem Abend Pech. In der einzigen Gaststätte von Sonnewalde waren die Lichter aus. Hier hätte man möglicherweise erfahren, was beim Bürgerforum mit keinem Wort erwähnt wurde: Wer möchte neuer Bürgermeister von Sonnewalde werden, der am 1. September – zugleich mit der Landtagswahl – gewählt wird.

Nach der Veranstaltung hatte Busse gegenüber der LR lediglich durchblicken lassen, dass er sich auch danach weiter in der Kommunalpolitik engagieren möchte. An welcher Stelle, das will er öffentlich noch nicht mitteilen.