ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:12 Uhr

Willkommen in Finsterwalde
Viele Brückenbauer zwischen Kulturen und Religionen

Eine spannende Fotoausstellung von Sabine Steputat (rechts) berührt auch Professor Mansoun Fansa (links) in Ergänzung seines Vortrages.
Eine spannende Fotoausstellung von Sabine Steputat (rechts) berührt auch Professor Mansoun Fansa (links) in Ergänzung seines Vortrages. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Die Katholische Pfarrkirche in Finsterwalde erlebt eine Veranstaltung der ganz besonderen Art. Von Jürgen Weser

Das hat es so noch nicht gegeben in der Katholischen Pfarrkirche „St. Maria Mater Dolorosa“ in Finsterwalde. Mehr als 250 Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, verschiedener Religionen und Konfessionslose erlebten am Montagabend ein besonderes Fest. „Musik baut Brücken in Finsterwalde“ bewiesen deutsche und syrische Musiker, dazu gab es die Eröffnung der beeindruckenden Fotoausstellung „Woher – Wohin?“ über zerstörtes Weltkulturerbe in Syrien. Das Fest mündete in vielen Gesprächen beim arabisch-deutschen Büfett im Kirchgarten am Gemeindehaus.

Andreas Jahn fiel ein Stein vom Herzen. Als Migrationsbeauftragter vom Caritasverband Diözese Görlitz e.V. hatte er mit Jean Schwarz-Handte vom Diakonischen Werk Lübben gGmbH und weiteren Partnern die Veranstaltung vorbereitet. „Glücklich über die großartige Resonanz“ zeigte nicht nur er sich. Finsterwalder sowie Vertreter von Vereinen und Institutionen saßen mit syrischen Flüchtlingen und ihren Kindern in der Kirche. Sie erlebten die Finsterwalder Sänger mit einem Gruß an die Angekommenen, den Gesang syrischer Kinder im Chor der Grundschule Stadtmitte, geleitet vom in Finsterwalde lebenden Musikschullehrer Nassib Ahmadieh, der auch den großartigen Gesang von Hamdi Hindawi, der einst am Theater in Damaskus wirkte, begleitete. Israa Hadla, in Syrien Informatikerin, zeigte mit Gesang und auf der Gitarre ihr Talent. „Wo sich Menschen verbinden“ traf das Lied der katholischen Jugend die Stimmung im Kirchenschiff. Pfarrer Norbert Christoph hatte in seiner Begrüßung an Jesus als Kind einer Flüchtlingsfamilie erinnert und den Bogen von Papst Franziskus als Brückenbauer zum Finsterwalder Projekt geschlagen.

So viel Zuspruch habe er bei seinen vielen Vorträgen noch nicht erlebt, staunte der geborene „Aleppiner“ Professor Dr. Mansoun Fansa. Er schilderte die schlimme Vernichtung jahrtausendalten Kulturerbes und warb als Archäologe und Vereinsvorsitzender „Freunde der Altstadt Aleppo“ eindringlich für den späteren Wiederaufbau, auch wenn Weltkulturerbe unwiederbringlich verloren gegangen sei und die jetzigen politischen Bedingungen und finanziellen Aufwendungen das nicht ermöglichen. „Kulturelle Identität darf nicht verloren gehen!“

An den Gedanken schließt die Fotoausstellung „Woher – Wohin“ an. Die im vorigen Jahr von Sabine Steputat aus Luckau als Wanderausstellung konzipierte Schau führt in die wunderbare Welt der noch unversehrten Kulturreichtümer Syriens und insbesondere Aleppos. Entstanden sind die Fotografien auf einer Reportagereise 2005 mit der legendären Bagdadbahn von der Türkei nach Syrien bis nach Damaskus. Zitadelle und Basar von Aleppo erzählen von einer „festgehaltenen Zeit“. Schicksale von auch in Finsterwalde lebenden Flüchtlingen sind den friedlichen Bildern gegenübergestellt. Bis zum 24. Juni ist die Ausstellung im katholischen Gemeindehaus „Bernhard Lichtenberg“, Am Wasserturm 3, zu besichtigen.

Sängerstadt-Bürgermeister Jörg Gampe erinnerte an die bis heute bewahrte Willkommenskultur in Finsterwalde und Caritasdirektor Bernhard Mones dankte am Ende den vielen Helfern für das Gelingen des Festes: ausdrücklich auch den Köchen für das leckere interkulturelle Büfett.

Ein wunderbarer Blick in die Kirche mit Blick auf Menschen unterschiedlicher Kultur und Religionen.
Ein wunderbarer Blick in die Kirche mit Blick auf Menschen unterschiedlicher Kultur und Religionen. FOTO: Jürgen Weser