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| 18:00 Uhr

Renaturierung
Verzögerung beim Projekt „Breiter Graben“

Dieses Wehr am Breiten Graben wird im Rahmen der Baumaßnahmen im kommenden Jahr abgebaut. Bereits gefällt sind die Hybridpappeln, von denen nur noch einige Stämme am Grabenrand liegen.
Dieses Wehr am Breiten Graben wird im Rahmen der Baumaßnahmen im kommenden Jahr abgebaut. Bereits gefällt sind die Hybridpappeln, von denen nur noch einige Stämme am Grabenrand liegen. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Werenzhain. Eigentlich sollte das Renaturierungsprojekt „Breiter Graben“ bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Doch daraus wird nichts: Es muss umgeplant werden, um die Landwirtschaft entlang des Grabens nicht zu beeinträchtigen. Von Daniel Friedrich

Es hätte das Abschiedsprojekt des scheidenden Geschäftsführers des Gewässerverbandes Kleine Elster-Pulsnitz werden können. Doch wenn Hubertus Brückner zum Ende des Jahres in den Ruhestand geht, wird sein kürzlich vorgestellter Nachfolger Marcel Ludewig das Projekt „Breiter Graben“ noch fortführen müssen. Die Renaturierung des Grabens zwischen Lichtena und Werenzhain verzögert sich nämlich.

Kritiker befürchten Vernässung

„Seit März 2017 gibt es Umplanungen, in dessen Folge wir das Projekt neu modellieren müssen. Daran sitzen wir bis heute“, sagt Hubertus Brückner der RUNDSCHAU. Konkret heißt das, dass Teile der ursprünglich geplanten Renaturierung zwischen Lichtenau und Werenzhain entfallen, „um die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Flächen nicht zu beeinträchtigen.“ Dabei gehe es um Einwände, die sich auf den künftigen Wasserspiegel beziehen: Der Graben soll durch die Renaturierung zu einem Fließgewässer umgewandelt und ihm durch die Erhöhung der Grabensohle etwas Gefälle verschafft werden. Offenbar wurde befürchtet, dass die Ackerflächen dadurch vernässen könnten, so wie es Kritiker des Projektes monieren.

Graben ist wichtiger Wasserkorridor

Nach den überarbeiteten Plänen entfällt nun die Anhebung des Grabenbodens. Stattdessen werden Buhnen und Totholz am Grabenrand eingebracht. Derzeit liefen Abstimmungen mit den beteiligten Behörden wie dem Landesumweltamt und der oberen Wasserbehörde, erklärt Verbandschef Brückner und stellt noch einmal fest: „Von Anfang an war klar, dass es keine Einschränkungen für die Landwirtschaft geben wird. Unser Ziel war und ist es, den ehemaligen Meliorationsgraben aufzuwerten, indem wir den Wasserrückfluss sowie die ökologische Durchgängigkeit gewährleisten.“ Der Graben soll somit seiner Funktion als wichtiger Wasserkorridor zwischen zwei Fauna-Flora-Habitat-Gebieten besser gerecht werden, damit sich dort Fische, Vögel und Säugetiere ansiedeln können. Dazu werden die zwei Wehre ausgebaut und durch mehrere kleine Schwellen ersetzt.

Ausgelegt für zehnjähriges Hochwasser

Der Breite Graben in Blickrichtung Werenzhain: Die Begrünung wurde vor kurzem komplett gerodet. Zu erkennen ist der zehn Meter breite Randstreifen, der bei der Naturierung eine wichtige Rolle spielt.
Der Breite Graben in Blickrichtung Werenzhain: Die Begrünung wurde vor kurzem komplett gerodet. Zu erkennen ist der zehn Meter breite Randstreifen, der bei der Naturierung eine wichtige Rolle spielt. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Im Fokus liegt besonders der zehn Meter breite Randstreifen um den Graben, der durch ein langwieriges Bodenneuordnungsverfahren nun Landeseigentum ist. Dieser Streifen wird autypisch mit Erlen, Weiden oder Ulmen bepflanzt. Die Hybridpappeln, die inzwischen samt Unterwuchs abgeholzt sind, waren von Schädlingen befallen und für die Grabenbegrünung ungeeignet. Zudem werden alte Einläufe sowie die Drainage repariert. Schließlich wird der Graben in einer leichten Schlängellinie so ausgebaut, dass er ein Hochwasser aufnehmen kann, dass statistisch alle zehn Jahre auftritt.

„Das Neuordnungsverfahren war eine gute Chance“

All das geschehe nach der EU-Wasserrahmenlinie, im Einklang mit den Naturschutzbehörden und in Abstimmung mit der Öffentlichkeit, sagt Gewässerverbandchef Hubertus Brückner. Das bestätigt auch Dieter Heyde, stellvertretender Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft des Bodenneuordnungsverfahrens. Er vertritt die rund 200 beteiligten Flächeneigentümer, die rund um den Breiten Graben ihr Land haben. „Das Neuordnungsverfahren war eine gute Chance, die Eigentumsverhältnisse sinnvoll zu ordnen“, sagt er. Die Renaturierung tangiere die Funktionalität des Grabens kaum. Froh sei er auch darüber, dass die angeschlagenen Pappeln gerodet wurden: „Sie stellten eine Gefahr für den Verkehr da.“ Wenn deren Äste jemandem Schaden zugefügt hätten, wäre die Schuldfrage seiner Ansicht nach schwer zu klären gewesen.

Projektabschluss ist ungewiss

Der überarbeitete Zeitplan für die Renaturierung sieht nun vor, in 2018 die wasserbaulichen Maßnahmen am Breiten Graben durchzuführen. Anschließend soll der parallel verlaufende Wirtschaftsweg ausgebaut und zu einer öffentlichen Straße werden. Dann sind die in den Graben einmündenden Gewässer an der Reihe. Wann das Projekt abgeschlossen werden kann, ist indes noch ungewiss. „Das hängt auch davon ab, ob wir die Maßnahmen vom Land Brandenburg in dieser Form gefördert bekommen“, sagt Hubertus Brückner. Doch auch nach dem Abschluss der Renaturierung sei die Unterhaltung gewährleistet, versichert er. „Und wenn die neuen Bäume das Gewässer eines Tages gut beschatten, wachse dort automatisch weniger Kraut und der Aufwand reduziere sich von allein“, so seine Hoffnung.