| 02:38 Uhr

Vergessene Stadtansichten

"Vergessene Stadtansichten" wie der Klatschwinkel in der Gerberstraße haben bei der Eröffnung für regen Gesprächsstoff gesorgt.
"Vergessene Stadtansichten" wie der Klatschwinkel in der Gerberstraße haben bei der Eröffnung für regen Gesprächsstoff gesorgt. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. "Architektur, Stadträume, Wohnquartiere, Straßen und Plätze sind Ausdruck unserer Kultur. Man glaubt kaum, dass sich im Laufe der Zeit etwas verändert", hat Dr. Heike Lehmann

Andreas Hanslok, der Leiter vom Weißgerbermuseum, in die neue Sonderausstellung "Vergessene Stadtansichten" eingeleitet. Aber Umbrüche hinterlassen ihre Spuren ebenso, wie der Zeitgeist die Städte überformt - auch Doberlug-Kirchhain. Überzeugen davon wollten sich am Dienstagabend zur Eröffnung zahlreiche Einwohner.

Musikalisch eingestimmt auf die Fotoausstellung hat Lara Löser von der Kreismusikschule Gebrüder Graun mit barocker Musik. Sie spielte mit dem Cello, "dem schönsten Instrument der Welt", Ausschnitte aus der Bach Suite Nr. 1. Eine Neuerung auch für Andreas Hanslok, der bei seiner 96. Ausstellungseröffnung im Museum erstmals ein Cello-Solo gehört hat.

Die jüngste Ausstellungsidee stammt vom Museumschef. Überzeugt von deren Anziehungskraft, hat er sich die Umsetzung auch gleich selbst vorgenommen und ist im zurückliegenden Sommer mit dem Fotoapparat durch die Straßen gezogen. Fotostopps hat er dort gemacht, wo ihm alte historische Ansichten aus dem Museumsarchiv vorlagen. Aus gleicher Perspektive und mit gleichem Blick fing er die jeweiligen Straßenzüge, Gebäude oder Ansichten ein. "Schonungslos", wie er betont hat, denn "nicht immer haben sich die Dinge zum Besseren entwickelt". Aber Hanslok warnte auch davor, den "Schön-Wetter-Ansichtskarten" von einst allzu sehr Glauben zu schenken. "Sie sollten für die Stadt werben und das Heimatbewusstsein stärken." Deshalb hätten sie schöne Wölkchen und eine Retusche, die störende Dinge weggeschluckt hat, bekommen. Dennoch: Jedes Bild erzählt eine Geschichte und übermittelt "wichtige visuelle Botschaften". Die haben schon am Eröffnungsabend bei den Betrachtern weitere Erinnerungen gelockert. Kritisiert wurde lediglich, dass die Fotos keine zeitliche Einordnung bekommen haben.

Wünschen würde sich Hanslok, dass seine Ausstellung die Einwohner dazu anregt, sich für die Verschönerung ihrer Stadt einzusetzen. Und er hofft, dass ihm aus Privatbeständen noch mehr historische Aufnahmen leihweise zur Verfügung gestellt werden. Zumindest Letzteres ist am gleichen Abend noch in Erfüllung gegangen.