Von Jenny Theiler

In den frühen 60er-Jahren unterzeichnet die Stadt Finsterwalde eine Urkunde für die Partnerschaft mit der französischen Stadt Montataire. Dass sich aus dieser politischen Formalität eine tiefe Freundschaft entwickelt hat, ist vor allem Michel Ringenbach, dem ehemaligen Vereinsvorsitzenden des Partnerschaftsvereins, zu verdanken. Am vergangenen Freitag ist der 70-Jährige für sein langjähriges Engagement mit einer Ehrenmitgliedschaft gewürdigt worden.

Die Freiwillige Feuerwehr Nehesdorf stellt für die Feier am Freitagabend ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Gäste aus Frankreich und Finsterwalde kommen an diesem Abend zusammen. Herzliche Umarmungen zur Begrüßung und anregende Gespräche mit viel Gelächter erwecken den Eindruck einer großen Familienfeier. So würde es auch Michel Ringenbach bezeichnen, denn der Franzose betrachtet Finsterwalde bereits seit 1992 – seit der Gründung des Vereins – als seine zweite Heimat.

„Das Hauptanliegen unseres Vereins besteht darin, Menschen und ihre Kulturen zusammenzuführen“, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Drahn. Der Verein wurde erst nach der Wende gegründet, doch schon seit den 70er-Jahren waren Ideen entwickelt worden, wie man partnerschaftlich zusammenfinden kann, damit die Freundschaft der beiden Städte nicht nur auf dem Papier existiert. „Michel Ringenbach ist all die Jahre die treibende Kraft in dieser Partnerschaft gewesen. Ihm ist es größtenteils zu verdanken, dass wir so viele tolle Projekte umsetzen konnten“, betont der Vereinsvorsitzende.

„Ich habe Finsterwalde zum ersten Mal 1971 besucht und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet“, erinnert sich Michel Ringenbach. Der damals 23-Jährige war der jüngste Stadtverordnete in Montataire und kam auf Einladung des damaligen Finsterwalder Bürgermeisters Karl-Heinz Fränkel. „Es hat diese Partnerschaft zwar gegeben, aber niemand hat das gepflegt. Das wollte ich ändern und habe dem Bürgermeister von Finsterwalde einen Brief geschrieben“, sagt er. Der ambitionierte junge Mann unterbreitet seine Ideen und stellt zunächst eine Delegation von jungen Franzosen auf die Beine, die einen Monat lang im Finsterwalder Tierpark arbeiten. Der Grundstein für eine florierende Städtepartnerschaft war gelegt.

Selbstverständlich war der kulturelle Austausch für die damalige Zeit allerdings nicht. Städtepartnerschaften zwischen der DDR und westlichen Ländern hat es damals kaum gegeben. „Mir war es aber wichtig, dass wir diese Verbindung aufrecht erhalten, denn wir waren jahrzehntelang beispiellos“, betont Michel Ringenbach.

Diesen Umstand würdigt auch Uwe Drahn in seiner Festrede. „Auch wenn wir bisher nicht alle Ideen umsetzen konnten, so haben wir es zumindest immer geschafft, uns regelmäßig zu besuchen“, sagt der Vereinsvorsitzende und erntet zustimmendes Nicken von den Vereinsmitgliedern und den französischen Gäste. Am Ende der Ansprache erhält Uwe Drahn die Zustimmung des 70-Jährigen zur Ehrenmitgliedschaft im Partnerschaftsverein.

Der Frieden zwischen den Völkern ist Michel Ringenbach eine Herzensangelegenheit. „Mein Vater war im Zweiten Weltkrieg im KZ Dachau inhaftiert. Dennoch hat es bei uns zu Hause nie Hass gegenüber dem deutschen Volk gegeben. Der Humanismus war in meiner Familie immer stärker“, sagt er. Die Beziehungen zwischen den Völkern müssten gerade in der heutigen Zeit weiterhin gestärkt werden. „Man sollte niemals den Glauben an das Gute im Menschen verliert. Auch dann nicht, wenn es besonders schwer fällt“, sagt Michel Ringenbach in seinem Schlusswort.