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| 20:45 Uhr

Treffen
Verbindung ist die einstige Lehrlingsschmiede

Gerber aus Doberlug-Kirchhain und Weida im Weißgerbermuseum
Gerber aus Doberlug-Kirchhain und Weida im Weißgerbermuseum FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Vertreter des Gerberhandwerks treffen sich in der Gerberstadt Doberlug-Kirchhain, um Erinnerungen aufzufrischen.

Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich die Gerber in Doberlug-Kirchhain an ihrem Stammtisch in der „Gerberschänke“. „Das ist seit Mai 2015 so. Da haben wir ihn ins Leben gerufen“, sagt Joachim Schüler, letzter Geschäftsführer der einstigen Lederfabrik in Doberlug-Kirchhain.

In Weida (Thüringen), früher Lehrlingsschmiede für alle, die Gerber werden wollten, gibt es ein Pendant dazu. Dort treffen sich Vertreter der gleichen Zunft alle zwei Monate. Rund 15 Handwerker gehören zum Stamm. Der älteste ist schon 93 Jahre.

Am Montag hieß es Gerberstammtisch trifft Gerberstammtisch. Es begrüßten sich die Herren aus Thüringen und Brandenburg mit einem herzlichen Schulterklopfen in der Kloster- und Gerberstadt Doberlug-Kirchhain. Den Hintergrund erklärt Hans-Georg Procopius: „Vor zwei Jahren waren wir in Weida zu Besuch. Das ist jetzt der Gegenbesuch.“

Man kennt sich, „weil alle Gerber zu DDR-Zeiten in Weida ihre zentrale Ausbildungsstelle an der Betriebsberufsschule Makarenko hatten“, sagt Hans-Georg Procopius. Ehrenfried Illmer aus Weida und Lothar Manigk aus Doberlug-Kirchhain haben danach noch gemeinsam in Freiberg am Deutschen Lederinstitut studiert. Der 74-jährige Illmer hat von 1995 bis 2009 in Österreich gearbeitet und arbeitet dort immer noch in einem Aufsichtsrat. Zu Jörg Exner aus Weida sagt Lothar Manigk: „Du warst früher unser Stubenältester!“ Frieder Krödel, der mit zur kleinen Thüringer Delegation gehört, war der Lehrausbilder. Der Angesprochene nimmt das mit einem Lächeln hin, das durchaus mehrere Rückschlüsse zulässt. „Die Kontakte bleiben“, versichert Lothar Manigk. „Heute wollen wir von alten Zeiten reden und in Erinnerungen schwelgen.“

Das Gerberhandwerk ist in Kirchhain seit mehr als 300 Jahren ansässig. Heute sind es Manfred Oettrich und Paul E. Höppner – auch bei diesen Kollegen haben die Gäste aus Thüringen später  reingeschaut – sowie Arno Wolf, die das Handwerk noch aktiv betreiben. In der Blütezeit um 1900 gab es fast 100 Gerbereien in Kirchhain.

„In Weida haben wir heute noch eine Industriegerberei mit mehr als 50 Mitarbeitern“, erzählen die Thüringer. Und in ganz Deutschland? Da sind es noch etwa zwölf Industriebetriebe mit insgesamt 400 Beschäftigten, wissen sie. 940 Lederbetriebe sollen es  laut Jahrbuch von 1930/31 in Deutschland gewesen sein. In Weida gibt es auch eine technisches Schaudenkmal – die einstige Lohgerberei Friedrich Franke, bis Anfang der 1990er-Jahre noch ein aktiver Betrieb.

Erster Besuchspunkt war natürlich am Montag das Weißgerbermuseum in der Potsdamer Straße. Seit 1963 wird dort die Geschichte des Gerberhandwerks, speziell der Weißgerberei sehr informativ und anschaulich bewahrt – an authentischem Ort, denn 1753 wurde das Gerberhaus an der Kleinen Elster erbaut. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok führt durchs Haus, erklärt Arbeitsgänge, Werkzeuge, Fachbegriffe, spricht über unterschiedliche Gerbverfahren sowie Lebensweise, Handel und Statuten der Gerber. Faktenreich, detailgetreu und sicher. Nach einem Abstecher ins Schlossareal samt Klosterkirche wurde es am Abend in der Technischen Ausstellung, dem moderneren industriellen Teil des Weißgerbermuseums, wieder fachlich.

Der prüfende Griff ans Leder - Gerber aus Doberlug-KIrchhain und Weida im Weißgerbermuseum
Der prüfende Griff ans Leder - Gerber aus Doberlug-KIrchhain und Weida im Weißgerbermuseum FOTO: Heike Lehmann
Gerber aus Doberlug-KIrchhain und Weida im Weißgerbermuseum
Gerber aus Doberlug-KIrchhain und Weida im Weißgerbermuseum FOTO: Heike Lehmann